Fünftelregelung

Einer der Sätze, den jeder Berufseinsteiger sehr schnell lernt, lautet 'Brutto ist nicht gleich Netto'.

Dies gilt nicht nur für das reguläre Gehalt, sondern auch für eine Abfindung. Der Staat erhebt auf diese ebenfalls Steuern.

Da diese Zahlung allerdings in der Regel dafür gedacht ist, eine Zeit der Arbeitslosigkeit überstehen zu können, greift nicht das normale Steuersystem.

Stattdessen kommt für die Besteuerung die sogenannte Fünftelregelung zum Tragen.

Wie funktioniert die Fünftelregelung?

Die Fünftelregelung kommt bei außerordentlichen Einkünften, also Einmalzahlungen zum Tragen. Sie beschränkt sich folglich nicht nur auf Abfindungen, sondern gilt beispielsweise auch für einen außerplanmäßigen Bonus.

Die Erklärung, wie die Regelung funktioniert, klingt bedauerlicherweise sehr kompliziert, obwohl sie eigentlich denkbar einfach ist.

Von der einmaligen Zahlung wird ein Fünftel des Betrags genommen und auf die regulären Einkünfte addiert, die in dem Veranlagungszeitraum (also beispielsweise in einem Steuerjahr) erwirtschaftet wurden.

Nun wird für beide Werte die zahlende Lohnsteuer ermittelt - also sowohl für die regulären Einkünfte mit einmaliger Zahlung sowie für die ohne diese Zahlung. Die Differenz zwischen den beiden Ergebnissen wird mit Fünf multipliziert. Das Ergebnis ist die zahlende Lohnsteuer.

Dieses muss also von der Brutto-Abfindung abgezogen werden, um zu verdeutlichen, wie viel Geld tatsächlich bleibt.

Ein Beispiel: Eine Person hat 15.000 Euro regulär verdient und erhält zusätzlich 5000 Euro Abfindung.

Nun gilt:

Schritt 1: 5000/5 = 1000.

Schritt 2: 15.000 + 1000 = 16.000.

Schritt 3: Lohnsteuer für 16.000 Euro = 1711 Euro.

Schritt 4: Lohnsteuer für 15.000 Euro = 1461 Euro.

Tipp: Für die Zahlen aus Schritt 3 und 4 helfen Steuerrechner.

Schritt 5: 1711 - 1461 = 250.

Schritt 6: 250 * 5 = 1250.

Schritt 7: 5000 - 1250 = 3750.

Netto bleiben also 3750 Euro.

Was passiert bei der Fünftelregelung bei einer sehr hohen Abfindung?

Auf den ersten Blick wirkt die Fünftelregelung wie ein überaus großzügiges Entgegenkommen des Gesetzgebers.

Tatsächlich ist sie dies aber nur bedingt.

Ist die Abfindung sehr groß und übersteigt das reguläre Einkommen, das im Veranlagungszeitraum erwirtschaftet wurde, hat die Besteuerung der Einmalzahlung einen negativen Einfluss auf das Nettoeinkommen.

Der einfachste denkbare Fall ist, dass eine Person überhaupt keine Einkünfte erwirtschaftet, aber nachträglich eine Einmalzahlung erhält: Obwohl er keine laufenden Einnahmen hat, muss er möglicherweise Steuern in erheblicher Höhe zahlen.

Solche Szenarien sind keine Ausnahmen, sondern eher die Regel: Insbesondere ältere Arbeitnehmer, die lange im Betrieb waren und aus ihren Verträgen herausgekauft wurden, erhalten große Abfindungen.

Sie sollten mit einem Abfindungsrechner kontrollieren, ob es für sie nicht unter dem Strich wesentlich vorteilhafter wäre, eine geringere Abfindung zu akzeptieren, weil dann insgesamt mehr Netto bleibt.

Das könnte Sie auch interessieren