Die Gesellschaft im europäischen Raum und damit auch in Deutschland altert sehr stark. Verschiedene Faktoren tragen außerdem dazu bei, dass die Menschen ein immer höheres Alter erreichen.

Deshalb wird das Thema Arbeit im Alter für viele Arbeitnehmer wieder interessant. Die Zahl derer, die in den nächsten 15 Jahren das offizielle Rentenalter erreichen, wird auf schätzungsweise 20 Millionen anwachsen. Ursache hierfür sind die geburtenstarken Jahrgänge, die dann im entsprechenden Alter sein und ihre Arbeit aufgeben werden.

Demographischer Wandel und das Potenzial des Alters

Weil immer weniger Kinder geboren werden, vollzieht sich ein demographischer Wandel in der Gesellschaft.

Es gibt immer weniger junge Menschen, der Anteil an älteren Menschen steigt stetig an. Allerdings gehören Menschen im Alter von 55, 60 oder gar 65 Jahren aufgrund der immer weiter steigenden Lebenserwartung und der medizinischen Weiterentwicklung noch nicht zum so genannten "alten Eisen". Viele 60-jährige fühlen sich physisch und mental noch so leistungsfähig, dass für sie Arbeit gegen Gehalt auch in ihrem Alter durchaus möglich ist.

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum Arbeit im Alter für viele ein Thema ist:

  • Wunsch nach sinnvoller Beschäftigung im Alter (Arbeit als "Hobby")
  • Vorhandensein der physischen und psychischen Voraussetzungen für Arbeit
  • Wunsch, der Gesellschaft eigene Fähigkeiten möglichst lange zur Verfügung zu stellen
  • Niedriges Rentenniveau (oft reicht sie trotz 40 Jahre Arbeit nicht aus)
  • Erfüllung eines persönlichen Wunsches (Arbeit im Alter als Möglichkeit der Finanzierung)

Das gesetzliche Renteneintrittsalter steigt an

Auch die Politik denkt darüber nach, wie man dem demographischen Wandel entgegenwirken kann. Um die sozialen Strukturen zu erhalten, müssen alle vorhandenen Potenziale genutzt werden.

Wenn sich die Zahl junger Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht erhöht, ist es notwendig, die Arbeitskraft von älteren Menschen länger zu nutzen und sie in Arbeit zu halten. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber das gesetzliche Alter für den Renteneintritt bis 2029 auf 67 Jahr erhöht.

Im Augenblick stellt sich die Situation im Bereich Arbeit folgendermaßen dar:

  • Renteneintrittsalter bei Männern: 63,5 Jahre
  • Renteneintrittsalter bei Frauen: 62,9 Jahre.
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass sich momentan tatsächlich nur etwa 38,8 % aller Männer sowie circa 35,2 % der Frauen beim Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters von ihrer Arbeit verabschieden und in den Ruhestand gehen. Im Jahre 2007 nutzten 17 % aller Beschäftigten die Möglichkeit, durch die so genannte Altersteilzeit früher in den verdienten Ruhestand zu gehen. 2010 arbeiteten lediglich 3,9 % über den Zeitpunkt ihres Renteneintrittsalters hinaus weiter. Heute liegt dieser Wert bei 4,8 % und wird vermutlich weiter steigen.

Neue Umfragen ergeben, dass sich heute ungefähr 61 % der schon in Rente befindlichen und sogar 70 % der zukünftigen Ruheständler eine Arbeit im Alter vorstellen können. Sie wollen also möglichst lange einer Arbeit nachgehen.

Unternehmen profitieren von der Erfahrung älterer Mitarbeiter

Ein Blick in die Jobbeschreibungen von Unternehmen in den letzten beiden Dekaden offenbart, dass viele Unternehmen damals vor allem junge Mitarbeiter gesucht haben, die trotz jungen Alters über eine Vielzahl von Fähigkeiten verfügen mussten.

Dieser Trend hat sich gewandelt. Auch wenn der ideale Bewerber für zahlreiche Unternehmen immer noch Mitte Zwanzig ist, fünf Sprachen beherrscht, drei Ausbildungen abgeschlossen hat und bereit ist, 90 Stunden Arbeit pro Woche zu leisten, so gehen doch immer mehr Unternehmen dazu über, Arbeitskräfte zu suchen, die vor allem langjährige Erfahrungen mitbringen.

Auch wenn die Unternehmen bisher kein umfassendes Konzept zur Bewältigung des demographischen Wandels erarbeitet haben, so haben zumindest etwa 33 % aller Unternehmen inzwischen Maßnahmenkataloge entwickelt, die schrittweise umgesetzt werden.

  • Hier wären auf Seiten der Arbeitgeber weitere Schritte notwendig, denn immerhin sind 56 % aller Erwerbstätigen daran interessiert, dass ihr Arbeitgeber ihnen Angebote für das Alter unterbreitet, durch die sie bis zum Rentenalter und auch darüber hinaus gegen Gehalt beschäftigt werden können.

Wenn es um das Thema Arbeit im Alter geht, sind die Vorstellungen der Arbeitgeber weit von denen der Arbeitnehmer entfernt. Natürlich wünschen sich die Unternehmen, dass ihre Arbeitskräfte möglichst lange die Arbeit behalten.

Praktische Vorteile für Unternehmen:

  • Je länger ein Beschäftigter seinen Arbeitsplatz innehat, desto weniger Arbeit hat das Unternehmen.
  • Es muss keine neue Ausschreibung erstellen und veröffentlichen, braucht keine Bewerbungsgespräche zu führen und muss keine Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters leisten.
  • All diese Aufgaben würden personelle Ressourcen binden und Geld kosten.

Anspruch der Unternehmen: Arbeiten bis zum Renteneintrittsalter

Betrachtet man die statistischen Zahlen, zeigt sich, wie weit die Erwartungen von Unternehmen und Arbeitnehmern auseinanderklaffen. Die Arbeitgeber haben die Erwartung, dass auch in einem Jahrzehnt noch etwas mehr als 60 % aller beschäftigten bis zum gesetzlichen Alter für den Renteneintritt ihrer Beschäftigung nachgehen und nicht bereits in vorgezogenem Alter, also früher aufhören zu arbeiten.

Eine geförderte Übergangszeit für die "Generation Übergang" gibt es in den meisten Unternehmen nicht.

Allerdings müssten die Unternehmen hier deutlich aktiver werden und Konzepte entwickeln, die einen besseren, fließenden Übergang zwischen Erwerbstätigkeit und Ruhestand ermöglichen. Dieser Übergang von der Berufstätigkeit in die Rente geht heute meist ziemlich unvermittelt vonstatten. Es wäre wünschenswert, wenn die Arbeitswelt die vielfältigen Potenziale der älteren Generationen für sich nutzbar machen würde.

  • Tatsächlich ist es aber so, dass nur etwa 28 % aller Beschäftigten im Alter zwischen 45 und 60 Jahren den Wunsch haben, ihrer Beschäftigung bis zum offiziellen Rentenalter nachzugehen. Entweder möchten sie bereits vor dem gesetzlich vorgeschriebenen Alter in den Ruhestand gehen, oder sie wünschen sich eine Weiterbeschäftigung und entsprechende Angebote und Konzepte ihres Arbeitgebers.

Modelle für Weiterbeschäftigung im Alter sind Mangelware

Wer das entsprechende Alter erreicht und in den Ruhestand geht, erlebt diesen Schritt als großen Einschnitt in das eigene Leben. Oft empfinden die Ruheständler den Eintritt ins Rentnerdasein als Entzug der bisher erhaltenen Wertschätzung ihrer Potenziale.

Plötzlich sind die eigenen Fähigkeiten nicht mehr gefragt, viele fühlen sich nutzlos und abgeschoben. Hier könnten Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten, wenn sie Modelle für eine Weiterbeschäftigung im Alter entwickeln würden. Immerhin wünschen sich ja über 70 % aller zukünftigen Ruheständler solche Modelle.

Die Erfahrung zeigt, dass ältere Menschen sich sehr häufig intensiv mit der Frage befassen, wie denn ihr Übergang in den Ruhestand aussehen könnte und was sie noch leisten möchten nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben. Viele sind durchaus bereit, ihnen gebotene Möglichkeiten sinnvoller Beschäftigung auch in höherem Alter zu ergreifen und so ihre Potenziale zur Verfügung zu stellen.

Solche Tätigkeiten für Rentner könnten beispielsweise umfassen:

  • Erwerbstätigkeit im klassichen Sinn
  • Tätigkeit im informellen Bereich (ehrenamtlich bzw. mit Aufwandsentschädigung)
  • Arbeit im informellen Sektor schon während der Erwerbstätigkeit (ehrenamtlich mit Aufwandsentschädigung)

Es ist eine Herausforderung für die Gesellschaft insgesamt und auch für die Unternehmen, den schätzungsweise 20 Millionen Menschen, die bis zum Jahr 2029 das gesetzlich vorgeschriebene Alter für den Ruhestand erreichen, Modelle für einen Übergang zu bieten, durch die sie weiterhin in der Lage sind, ihre Potenziale und Erfahrungen sowie ihre verbliebene Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.

Stufenplan - Lösungsansätze zum Thema Arbeiten im Alter

Die so genannte "Generation Übergang" beschäftigt zunehmend die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft. So befasst sich beispielsweise die berufundfamilie gGmbH mit dem Thema Arbeit und Alter.

  • Die gGmbH ist eine Initiative im Rahmen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die sich mit gesamtgesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzt.

Die berufundfamilie gGmbH hat einen Stufenplan für Unternehmen entwickelt, der die Situation in diesen analysiert und passende Lösungsansätze anbietet.

Der Stufenplan beinhaltet, jeweils untergliedert in die eben genannten Hauptthemen, folgende Schritte:

  1. Analyse der Ausgangslage
  2. Ausbau betrieblicher Angebote
  3. Förderung altersgerechter Unternehmenskultur
  4. Sicherung der Nachhaltigkeit

Die Analyse des Ist-Zustandes beinhaltet vor allem den Blick auf eventuell bereits vorhandener Modelle in den Bereichen Arbeitszeit, Nutzung solcher Modelle sowie Analyse nach Zielgruppen. Ein wichtiger Bereich im Stufenplan ist neben der Sensibilisierung im Allgemeinen vor allem die Einbindung und Beschäftigung von ehemaligen Mitarbeitern (Betriebsrentnern).

Der Stufenplan wurde anhand folgender Themenbereiche entworfen:

  • Erhöhung der Zeitflexibilität
  • Arbeit altersgerecht organisieren
  • Das Miteinander der Generationen fördern
  • Personal altersgerecht gewinnen und entwickeln
  • Gesundheit erhalten
  • Rentner einbinden und beschäftigen
  • Beruf und Pflege vereinbaren
  • Bürgerschaftliches Engagement unterstützen.

Der Stufenplan und was er für Ruheständler anbietet

Die Möglichkeiten einer solchen Einbindung sind eigentlich relativ einfach und haben dennoch große Wirkung.

Der Stufenplan macht hier folgende Vorschläge, die sich in symbolische und mit Gehalt bezahlte Arbeit gliedert:

Symbolische WeiterbeschäftigungBezahlte Weiterbeschäftigung
Einladung zu besonderen Feiern (Jubiläum, Weihnachtsfeier)Weiterbeschäftigung in Teilzeit
Zusendung der Mitarbeiter-ZeitungAufnahme in den Springerpool (Arbeit nach Bedarf des Unternehmens)
Zugang zur Kantine des UnternehmensBeschäftigung als so genannter Senior Expert
Möglichkeit zur Nutzung des Intranets schaffenTätigkeit als Begleiter oder Mentor

Sensibilisierung durch Kommunikation und Vernetzung ist wichtig

Ein wichtiger Bereich des Stufenplans ist auch der, welcher sich mit der Förderung einer altersgerechten Unternehmenskultur beschäftigt.

Viele Arbeitnehmer und auch die Chefetagen befassen sich bisher nicht intensiv genug mit dem Thema. Deshalb ist es notwendig, bei allen Teilen der Belegschaft das Thema Arbeit im Alter anzusprechen, die Menschen dafür zu sensibilisieren und natürlich die entsprechenden Informationen zur Verfügung zu stellen.

Im Bereich der Kommunikation geht es hauptsächlich darum, über mögliche Modelle einer altersgerechten Personalpolitik sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu informieren. Es sollte auch einen offiziellen Ansprechpartner (Übergangs-Manager) geben und eine Vernetzung innerhalb und außerhalb des Unternehmens wäre wünschenswert (Netzwerke, Stammtische, Regionaltreffen).

  • Vor allem sollten auch jüngere Mitarbeiter eingebunden und wenn möglich, für eine Mitarbeit gewonnen werden. Schließlich wird das Thema Arbeit im Alter auch sie früher oder später betreffen.

Um die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema Alter und Arbeit zu sensibilisieren, sollte für eine gute Öffentlichkeitsarbeit gesorgt werden. Hier könnten alle aktuellen Entwicklungen mitgeteilt werden.

Wichtiger Faktor beim Thema Arbeiten im Alter - die Führungskräfte

Soll ein solcher Stufenplan erfolgreich in ein Unternehmen implementiert werden, benötigt man vor allem das Engagement derer, die das Unternehmen führen. Sie geben die Richtung und eine bestimmte Unternehmenskultur vor. Deshalb wäre es ungemein hilfreich, wenn die Führungskräfte sich für dieses Thema sensibilisieren ließen.

Die Chefetagen der Unternehmen lassen sich zwar nur schwer erreichen, aber es ist durchaus möglich.

Der Stufenplan der berufundfamilie gGmbH schlägt folgende Vorgehensweisen für eine Sensibilisierung der Verantwortlichen vor:

  • Erstellung eines Leitbildes zur altersgerechten Führung
  • Übergabe von Handlungshilfen
  • Ansprechen des Themas bei Personalgesprächen
  • Angebot themenspezifischer Trainings

Letztlich muss es darum gehen, den Führungskräften eines Unternehmens die Vorteile einer altersgerechten Führung von Mitarbeitern aufzuzeigen. Für ein Unternehmen kann es sehr nützlich sein, sich die Fähigkeiten ehemaliger Mitarbeiter auch über den Zeitpunkt des Ruhestands hinweg zu sichern und ihm Arbeit anzubieten.

Vor allem, wenn ein Ruheständler von sich aus bereit ist, auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand weiterhin zur Verfügung zu stehen und eine Arbeit zu übernehmen, wäre ein Unternehmen schlecht beraten, ein solches Angebot einfach abzulehnen.

Der Mitarbeiter mag in manchen Bereichen nicht mehr so leistungsfähig sein, wie ein junger Beschäftigter. Durch seine jahrzehntelange Erfahrung bleibt er für den Arbeitgeber dennoch wertvoll. Er ist motiviert, kennt die Abläufe sowie die meisten Mitarbeiter. Außerdem ist er als Ruheständler zeitlich flexibel, so dass ihn das Unternehmen bedarfsgerecht einsetzen kann. Auch sein Gehalt ist als Teilzeitkraft natürlich nicht so hoch, wie das einer Vollzeitkraft.


Quellen

Weber, Fabian: Arbeit im Alter - Konsequenzen für das Personalmanagement
Bittner, Franziska: Alter(n)sgerechtes Arbeiten bis zur Rente - Als Managementaufgabe
Schmicker, Sonja / Faber, Thekla / Iffländer, Janice: Arbeiten und Leben im Alter: Handlungsempfehlungen für demografiefeste KMU ; Ergebnisbericht im Projekt KMU60plus
Edinger, Maria: Lebensphasenorientiertes Arbeiten und altersgerechte Karrieren unter dem Aspekt des betrieblichen Age-Managements


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