Steuerklassen für Verheiratete

Bisher hatten Ehepaare die Möglichkeit, sich entweder gemeinsam in der Steuerklasse 4 veranlagen zu lassen oder in die Steuerklassen 3 und 5 zu wechseln.

Bei etwa gleichen Einkünften (höchstens 60 zu 40) sollte man sich gemeinsam nach Klasse 4 veranlagen lassen, verdient man deutlich unterschiedlich, so sind die Steuerklassen 3 und 5 die richtige Wahl.

Allerdings gibt es dabei eine Ungerechtigkeit, die durch das Faktorverfahren ausgeglichen werden soll: Verdienen beide Partner unterschiedlich, wartet am Ende des Jahres häufig auch auf den Ehepartner in Steuerklasse 5 eine Nachzahlung, obwohl er eigentlich gar nicht das dafür nötige Einkommen beigetragen hat. Diese Ungerechtigkeit beseitigt das Faktorverfahren.

So funktioniert das Faktorverfahren

Die rechtliche Grundlage für das Faktorverfahren ist in § 39 EStG niedergelegt. Dummerweise handelt es sich um eine der Normen, die ohne Fachstudium nicht zu verstehen ist.

Stark vereinfacht bedeutet das Faktorverfahren, dass Personen nur den Anteil an der Lohnsteuer zahlen, den sie auch zum gemeinsamen Einkommen beitragen. Wer also beispielsweise nur 25 Prozent des gemeinsamen Einkommens beisteuert, zahlt nur 25 Prozent der Lohnsteuer.

Sinn macht das Faktorverfahren deshalb vor allem für Paare, die stark unterschiedlich verdienen.

Warum Faktorverfahren und kein Wechsel der Steuerklassen?

Die Frage liegt nun nahe, weshalb man das schwierige Faktorverfahren zum Einsatz bringen sollte und nicht stattdessen einfach die Steuerklasse wechselt und sich nach 3 und 5 einstufen lässt. Zumal das Faktorverfahren dazu führt, dass einer der Partner weniger Geld im Monat auf dem Konto hat, da seine Einkünfte für die Lohnsteuer stärker als bisher gewichtet werden.

Die Antwort bringt eine Beispielsrechnung der Lohnsteuerhilfe Bayern:

Verdient Partner X 30.000 Euro und steuert Partner Y 10.000 Euro bei, so käme ohne das Faktorverfahren nach den Einstufungen in die Steuerklassen 3 und 5 eine Nachzahlung von 1300 Euro auf die beiden zu.

Kommt nun das Faktorverfahren zum Einsatz, würde sich die Lohnsteuer von 4800 auf 3999 Euro verteilt. Über das Jahr blieben jeden Monat 67 Euro mehr im Geldbeutel.

Das Faktorverfahren muss angemeldet werden

Heiratet man oder beschließt in der Ehe, dass man das Faktorverfahren zur Anwendung bringen möchte, muss dieser Wunsch beim Finanzamt angemeldet werden.

Ein Wechsel der Steuerklasse geht dabei nur dann damit einher, wenn die Partner bislang in den Steuerklassen 3 und 5 gewesen sein sollten.


Einzureichen sind dabei die voraussichtlichen Dienstlöhne des Arbeitsjahres beizubringen, da diese für die Berechnung unverzichtbar sind

Die Steuerklassenwahl für Ehepaare und ihre Folgen

SteuerklassenFolgen
Steuerklassen 4 und 4Normale Veranlagung
Steuerklassen 3 und 5Entlastung für den Besserverdiener
Steuerklassen 4 und 4 mit FaktorverfahrenLohnsteuerzahlung nach dem Anteil am Gesamteinkommen bemessen

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