Faktorverfahren – eine gute Alternative für viele Ehepaare

Faktorverfahren bei Steuerklasse 4Ehepaare haben seit 2010 die Möglichkeit, sich für die Steuerklassenkombinationen 4 / 4 , 3 / 5 oder für das Faktorverfahren zu entscheiden.

Das Faktorverfahren zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass für jeden Ehepartner der Grundfreibetrag berücksichtigt wird, der ihm aufgrund seines Bruttoeinkommens zusteht.

Das Splittingverfahren, welches ansonsten nur im Rahmen der Steuerklassenkombination 3 / 5 zur Anwendung kommt, wird dennoch in vollem Umfange praktiziert.
Dafür ist einzig und allein der Faktor maßgebend, der vom Finanzamt für jedes Ehepaar individuell festgelegt wird.

Ein entscheidender Vorteil beim Faktorverfahren ist die Tatsache, dass die betreffenden Personen bei der jährlichen Steuererklärung keine größeren Nachzahlungen leisten müssen. Im Gegensatz dazu können sie aber auch keine umfangreicheren Steuererstattungen erwarten.

Das Faktorverfahren ist grundsätzlich nur in Kombination mit der Steuerklasse 4 möglich. Wer sich hingegen für die Steuerklassenkombination 3 / 5 entscheidet, kann es nicht anwenden.

Alle Ehepaare können ihre Steuerklassenkombination einmal im Jahr ändern. Stichtag für diese Änderung ist der 30. November. Dies gilt auch für die Ehepaare, die sich für das Faktorverfahren interessieren.

Faktorverfahren – die Berechnung

Um den Faktor berechnen zu können, benötigt das Finanzamt die voraussichtliche Einkommenssteuer nach dem Splittingtarif (Y) und die Summe der voraussichtlichen Lohnsteuer beider Ehegatten. Für Letzteres (X) wird die Steuerklasse 4 zugrunde gelegt.

Für die Berechnung des Faktors muss Y durch X geteilt werden. Ist das Ergebnis kleiner als ein 1, wird es neben der Steuerklasse 4 mit bis zu drei Nachkommastellen (0, …) eingetragen.

Wer sich bereits im Voraus über das Faktorverfahren und die Berechnung des Faktors informieren möchte, könnte dazu ein maschinelles Berechnungsprogramm oder einen Faktorrechner im Internet nutzen.

Der Faktorrechner ist im Vergleich zu dem Berechnungsprogramm sehr leicht anzuwenden, kann aber auch etwas ungenau sein.

Der Grund dafür ist nicht etwa bei einer erhöhten Fehleranfälligkeit, sondern einzig und allein in der Tatsache zu suchen, dass der Faktorrechner nicht alle Einzelheiten berücksichtigen kann, die für die Ermittlung eines Faktors maßgebend sind.

Wie wird das Faktorverfahren beantragt?

FragezeichenWenn Ehegatten vom Faktor profitieren möchten, müssen diese die Steuerklassenkombination 4 Faktor / 4 Faktor wählen. Diese kann bis zum Stichtag formlos beim Finanzamt beantragt werden. Es spielt keine Rolle, ob die beiden Partner zuvor in den Steuerklassen 3 und 5 oder beide in der 4 waren.

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Eine entsprechende Neueintragung findet beim Antrag auf das Faktorverfahren auf jeden Fall statt. Der Faktor wird anschließend auf den Lohnsteuerkarten der Ehegatten eingetragen, um sicherzustellen, dass der Arbeitgeber diesen bei der Berechnung der Lohnsteuer berücksichtigt.

Warum wurde das Faktorverfahren eingeführt?

Das Faktorverfahren trat zum 1. Januar 2010 in Kraft und ist eine Folge des Jahressteuergesetzes 2009.

Mit diesem versuchte die schwarz-gelbe Koalition, die damals gerade ihr Amt angetreten hatte, ein Wahlversprechen wahrzumachen und ein gerechteres Steuerrecht zu schaffen.

Konkret ging es darum, die Ungleichbehandlung von Ehegatten im Lohnsteuerrecht zu beseitigen.

Die Vorteile vom Faktorverfahren

Das Faktorverfahren bringt bei den Steuern einige Vorteile für die Ehegatten mit sich:

  • Der Splittingvorteil wirkt sich direkt aus und entwickelt nicht erst mit der Steuererklärung eine positive Wirkung für die Eheleute.
  • Fairer Ausgleich zwischen dem Einkommen des jeweiligen Partners und seiner Steuerlast (wer 20 Prozent Einkünfte beisteuert, zahlt auch nur 20 Prozent Lohnsteuer)
  • Steuernachzahlungen bleiben in der Regel aus
  • Bei einer Trennung kann ein Ehegatte, der zuvor in der Steuerklasse 5 eingestuft war, Splittingvorteile durch den Faktor erhalten, ohne dass dadurch dem Partner ein finanzieller Nachteil erwachsen würde

Die Nachteile vom Faktorverfahren

Allerdings müssen Eheleute, die sich für das Faktorverfahren entscheiden, auch mit einigen Nachteilen leben:

  • Monatlich bleibt oft weniger Netto vom Brutto, insbesondere für den Partner, der mehr verdient
  • Steuerrückzahlungen bleiben in der Regel aus
  • Immer wieder werden auch datenschutzrechtliche Bedenken gegen das Verfahren angeführt
  • Die Abgabe der Einkommensteuererklärung (aufgrund der sogenannten Einkommensteuerveranlagung) wird zur Pflicht

Beispiele für die Wirkung des Faktorverfahren

Einige Berechnungsbeispiele sollen zeigen, wie sich der Faktor für die Ehegatten auswirkt.

Fall 1: Alte Steuerklassenkombination 4 und 4: Partner A verdient 30.000 Euro, B bekommt 10.000 Euro

In diesem Fall würde A von den beiden Ehegatten 4126 Euro Lohnsteuer zahlen müssen. B müsste keine Lohnsteuer bezahlen. Die Gesamtsteuer würde nach dem Splittingverfahren bei 3438 Euro liegen. Der Faktor würde bei 0,833 (3483/4126) liegen. Die Steuerlast von A würde auf 3436 Euro (4126 x 0,833) sinken. Die von B bliebe bei null Euro.

Die Gesamtsteuerlast sinkt also nur leicht (zwei Euro), allerdings wirkt sich der Vorteil des Splittings direkt für A positiv aus – er muss also über das Jahr weniger Lohnsteuer zahlen. B erwachsen dadurch keine Nachteile.

Fall zwei: Alte Steuerklassenkombination 3 und 5: A verdient 50.000 Euro und B bezieht 20.000 Euro

A würde nach seiner neuen Steuerklasse 4 eine Lohnsteuer in der Höhe von 9845,04 Euro bezahlen müssen. B käme auf 1679,04 Euro. Die gemeinsame Steuerbelastung würde also bei 11524,08 Euro liegen. Gemäß der Splittingtabelle würde die Steuerbelastung für A noch 8110 EUR betragen. B käme auf 586 EUR. Gemeinsam müssten sie also 8696 EUR zahlen. Der Faktor liegt in diesem Fall bei 0,755 (8696/11524,08). A müsste deshalb noch eine Steuer von 7433,01 EUR bezahlen. B käme auf 1267,68 EUR. Die gemeinsame Steuerlast würde auf 8700,69 Euro steigen.

Es bliebe monatlich also etwas weniger Netto vom Brutto, da vor allem B deutlich höher belastet würde. Dafür bliebe die zu erwartende Nachzahlung aus, die geleistet werden müsste, weil B eigentlich deutlich zu wenig Steuern gezahlt hat.

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