nachträgliche Steuerklassenänderung

Viele Personen, die im Laufe eines Jahres heiraten oder die Scheidung einreichen, fragen sich, welche steuerrechtlichen Auswirkung dies für sie haben wird.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Steuerklasse die richtige ist, sondern auch, ob und in welchem Umfang eine Steuerklasse nachträglich geändert werden kann.

Steuerklassenänderung nach einer Heirat

Singles werden entweder in die Steuerklasse 1 oder in die Steuerklasse 2 eingeordnet. Dies gilt unabhängig davon, ob sie:

Gehen sie erstmalig oder nach einer Trennung erneut die Ehe ein, können sie die Steuerklassenkombination 4 / 4 oder die Steuerklassenkombination 3 / 5 wählen. Letzteres wird auch als Ehegattensplittung bezeichnet.

Das Ehegattensplitting eignet sich in erster Linie für diejenigen Personen, die sehr unterschiedliche Verdienste haben, wobei der gut verdienende Ehepartner die Steuerklasse 3 und der gering verdienende Ehepartner die Steuerklasse 5 wählen sollte.

Auch wenn einer der beiden Ehepartner selbstständig, arbeitslos, geringfügig beschäftigt oder im Erziehungsurlaub ist, wäre in den allermeisten Fällen die Steuerklassenkombination 3 / 5 sinnvoll.

Eine Steuerklassenänderung könnte grundsätzlich nur beim örtlichen Finanzamt durchgeführt werden. Sie muss von beiden Ehepartnern gleichzeitig beantragt werden.

Der spätestmögliche Termin ist der 30. November eines jeden Kalenderjahres. Rückwirkende Änderungen sind leider nicht möglich. Zu viel gezahlte Steuern sind jedoch nicht verloren. Sie können über die jährliche Steuererklärung zurückgeholt werden.

Steuerklassenänderung nach einer Scheidung, einer Trennung oder dem Tod des Ehepartners

Nach einer Trennung oder dem Tod des Ehepartners sind die Voraussetzungen für eine gemeinsame steuerliche Veranlagerung nicht mehr gegeben. Aus diesem Grunde ist es dringend geboten, die Steuerklasse zu ändern.

Ähnlich wie bei einer Heirat gilt auch nach einer Trennung, dass die Steuerklassenänderung grundsätzlich ab dem Zeitpunkt wirksam wird, an dem das Finanzamt davon Kenntnis erlangt. Diese Änderung ist dann für das gesamte Kalenderjahr bindend. Eine rückwirkende Änderung ist allerdings ausgeschlossen.

Nach einer Trennung oder Scheidung werden beide Ehepartner wie Singles behandelt. Etwas anders verhält es sich, wenn der Ehepartner stirbt.

Für den Hinterbliebenen gilt sowohl im Todesjahr als auch im darauf folgenden Kalenderjahr die Steuerklasse 3. Erst ab dem übernächsten Jahr ist ein Wechsel in die Steuerklasse 1 oder in die Steuerklasse 2 erforderlich. Letzteres träfe allerdings nur zu, wenn Kinder vorhanden sind.

Zweit- und Drittjobs

Gar nicht so selten kommt es vor, dass neben einem steuerpflichtigen Hauptjob noch ein Zweit- oder Drittjob ausgeübt wird. Hierfür gilt automatisch die Steuerklasse 6, welche mit sehr hohen Abzügen verbunden ist.

Wird ein Nebenjob aus irgendeinem Grunde zum Hauptjob, lassen sich die Steuerklassen problemlos ändern. Eine entsprechende Meldung müsste sowohl an die zuständigen Arbeitgeber als auch an das Finanzamt erfolgen.

Nachträgliche Änderungen der Steuerklasse sind auch hier nicht möglich. Zu viel oder zu wenig gezahlte Steuern werden jedoch über den Jahressteuerausgleich korrigiert.

Was bringt eine Steuerklassenänderung tatsächlich?

Der normale Steuerbürger verspricht sich sehr viel von seiner Einteilung in Steuerklassen bzw. einer Änderung dieser. Meistens zu viel. Denn die Steuerklasse bedeutet lediglich, dass der Steuerbürger im Laufe des Jahres mehr oder weniger steuerliche Abzüge von seinem Einkommen hat.

Am Ende eines Jahres jedoch werden alle Einkommen des Steuerbürgers bzw. bei Paaren beider Partner addiert und davon die Steuer berechnet. Dabei spielt die Steuerklasse keinerlei Rolle.

Wann bringt eine Steuerklassenänderung sofort mehr Geld ein?

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der die richtige Wahl der Steuerklasse relevant macht. Wenn es gesetzlich möglich ist und ein Ehepaar die Steuerklassenkombination 3/5 hat, so hat derjenige Partner mit der Steuerklasse 3 deutlich weniger Abzüge von seinem Einkommen, als wenn er in allen anderen Klassen steuerlich berücksichtigt würde. Das bedeutet, dass im Laufe des Jahres das Nettoeinkommen besonders hoch ist.

Zwar wird das am Ende des Jahres bei der Einkommensteuererklärung wieder relativiert, ein hohes Nettoeinkommen übers Jahr kann aber wichtig sein. Und zwar dann, wenn es um die Berechnung von Krankengeld, Arbeitslosengeld, Erziehungsgeld und anderen, vom Nettoeinkommen abhängigen Geldleistungen geht.

Wann eine Steuerklassenänderung in Steuerklasse 3 unbedingt zu empfehlen ist

steuerklassenänderung

Wenn also abzusehen ist, dass eine längere Krankheit oder Arbeitslosigkeit droht oder (ein freudiges Ereignis) Elterngeld erwartet wird, dann sollte der Ehepartner, den dies betrifft, sich möglichst im Jahr vor dem erwarteten Ereignis in Steuerklasse 3 einstufen lassen.

Denn beispielsweise beim Arbeitslosengeld zählt eine Steuerklassenänderung im laufenden Jahr nicht. Hierbei wird berücksichtigt, welche Steuerklasse der Steuerbürger zwölf Monate vor Eintritt des Arbeitslosenfalles hatte.

Auch eingetragene Lebensgemeinschaften kommen in Zukunft in den Genuss des Ehegattensplittings

Eine Wahl der Steuerklasse war bisher überhaupt nur Ehepaaren möglich. Alleinstehende erhielten grundsätzlich die Steuerklassen 1,2 oder 6. Entsprechend einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus 2013 werden künftig eingetragene Lebensgemeinschaften in den Genuss des Ehegattensplittings kommen.

Sie werden dann also auch die Steuerklassen Kombination 3/5 wählen können. Entsprechende gesetzliche Regelungen stehen noch aus und werden ab dem nächsten Jahr gültig sein. Damit wird dann die steuerliche Ungleichbehandlung zwischen Ehepaaren und eingetragenen Lebensgemeinschaften vorbei sein.

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