Selbstständig und angestellt - das muss man wissen

  • Eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb muss durch den Hauptarbeitgeber bewilligt werden.
  • Die selbstständige und angestellte Tätigkeit werden in der Steuererklärung getrennt veranlagt.
  • Die Selbstständigkeit sollte erst dann hauptberuflich werden, wenn die Einnahmen klar höher sind.

Immer häufiger kommt es vor, dass eine selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit zusätzlich zu einer angestellten Tätigkeit ausgeübt wird. Statistisch gesehen ist sogar jede zweite Existenzgründung eine Gründung im Nebenerwerb.

Selbstständig-und-Angestellt

Gleichzeitig selbstständig und angestellt

Auch die umgekehrte Variante ist denkbar. So könnte eine Person, die noch nicht lange selbstständig ist oder von ihrer Tätigkeit nicht leben kann, den Wunsch äußern, einen Nebenjob auf angestellter Basis aufzunehmen.

Szenarien

Grundsätzlich steht es jedem Arbeitnehmer frei, eine selbstständige Tätigkeit im Nebenerwerb auszuüben. Er müsste allerdings seinen Arbeitgeber und eventuell auch seinen Vermieter um Erlaubnis fragen.

Letzteres gilt allerdings nur, wenn die selbstständige Tätigkeit mit einem intensiven Publikumsverkehr und/oder einem hohen Lärmpegel einher geht. Ein sogenanntes stilles Gewerbe, welches ausschließlich vor dem heimischen PC ausgeübt wird und auch sonst niemanden belästigt, darf grundsätzlich nicht verboten werden.

In der Jahressteuererklärung werden die selbstständige und die angestellte Tätigkeit getrennt veranlagt. Ein Arbeitnehmer müsste zusätzlich zur Anlage N noch die Anlage GSE für Selbstständige ausfüllen.

Welche Steuerklasse im Hauptberuf bindend ist, entscheidet der Familienstand, keinesfalls jedoch die Art und der Umfang der nebenberuflich ausgeübten selbstständigen Tätigkeit.

Wer ein Gewerbe angemeldet hat und im Kalenderjahr weniger als 17.500 Euro verdient, hätte die Möglichkeit, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen. Er wäre von der Zahlung der Umsatzsteuer befreit, hätte allerdings auch nicht die Möglichkeit, Umsatzsteuer auf eigene Rechnungsbeträge an seine Kunden zu erheben.

Gewerbesteuer wird erst fällig, wenn der jährliche Unternehmensgewinn einen Betrag von 24.500 Euro übersteigt.

Für eine angestellte Nebentätigkeit gilt die Regelung, dass bis zu 450 Euro pro Monat steuerfrei hinzuverdient werden können. Dieses Geld wird aber in der jährlichen Steuererklärung mit dem Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit verrechnet.

Ein Unternehmer, der eine Nebentätigkeit ausüben möchte, hätte den großen Vorteil, dass er nicht auf die Steuerklasse 6 zurückgreifen müsste, wie dies bei angestellten Nebenjobbern der Fall wäre.

Ist nur einer der beiden Ehepartner selbstständig und übt der andere Ehepartner eine Arbeitnehmertätigkeit aus, sollte er die Steuerklasse so wählen, dass sich keine Nachteile für das Familieneinkommen ergeben. Da die gesamte Rechtslage mitunter sehr kompliziert ist, wäre es hier dringend angeraten, die Hilfe eines erfahrenen Steuerberaters in Anspruch zu nehmen.

Dies gilt auch für den Fall, dass beide Ehepartner Arbeitnehmer sind und nebenher eine selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit ausüben beziehungsweise noch aufbauen möchten.

Der Weg von einer nebenberuflichen in eine hauptberufliche Selbstständigkeit sollte sehr gut überlegt und erst dann in Angriff genommen werden, wenn die Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit deutlich höher sind als die regelmäßigen Einnahmen aus der Arbeitnehmertätigkeit.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Finanzen: Merkblatt zur Steuerklassenwahl
  2. Deutsche Rentenversicherung: Minijob - Midijob

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