Die Steuerklasse 4 und das Faktorverfahren

Das Ehegattensplitting richtig verstehenSeit 2010 haben berufstätige Ehepaare die Wahl zwischen drei verschiedenen Steuerklassen Kombinationen:

  • 3/5,
  • 4/4
  • und 4-Faktor/4-Faktor.

Bei dem Faktorverfahren handelt es sich um ein Anteilsmodell. Es sieht ein Optionsrecht für Ehepartner vor. Das Anteilsmodell lässt Ehepartnern die Wahl, dass die Besteuerung je nach dem, welchen Anteil sie zum Familieneinkommen beitragen, gewählt werden kann (§ 39f EStG).

Ziel des Faktorverfahrens ist es, dass beim jeweiligen Ehepartner beim Lohnsteuerabzug  mindestens die Steuerentlastung geltend gemacht werden kann, die ihm zusteht.

Trägt man nur 15% zum gemeinsamen Einkommen bei, dann sind auch nur 15% der gemeinsamen Lohnsteuer abzuführen.

Für wen lohnt sich die Kombination Steuerklasse 4 Faktor?

Die Steuerklasse 4 Faktor lohnt sich nicht für alle berufstätigen Ehepaare. Nur, wenn beide Ehegatten in etwa gleich viel verdienen, macht ein Wechsel in die Steuerklasse 4 Faktor Sinn.

Ist jedoch das Einkommen eines Ehepartners bedeutend höher, ist es sinnvoller, dass der Besserverdienende in Steuerklasse 3 wechselt.

Derjenige, der weniger verdient, sollte in Steuerklasse 5 wechseln. Am Jahresende wird diese Verteilung der Steuerklassen keinen Unterschied bei der Jahressteuerschuld machen. Man zahlt dasselbe.

Allerdings ist es weitverbreitet, dass man lieber sofort mehr Geld auf dem Konto hat, als später eine größere Steuerrückerstattung zu erhalten.

Die Wahl der Kombination beeinflusst bestimmte Lohnersatzleistungen

Auf den ersten Blick mag sich die Tatsache, dass es bei der Jahressteuer keinen Unterschied macht, den Eindruck erwecken, dass die Wahl der Lohnsteuerklassenkombination keine Rolle spielt.

Doch das entspricht nicht der Richtigkeit, denn sehr wohl beeinflusst werden durch die Wahl der Steuerklassen die Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld oder auch Unterhalt.

Diese Lohnersatzleistungen hängen allesamt vom letzten Nettogehalt ab. Wer also damit rechnen muss, in naher Zukunft womöglich Arbeitslosengeld oder eine andere Lohnersatzleistung beziehen zu müssen, sollte die Wahl der Lohnsteuerklasse im Vorfeld vorsichtig abwägen.

Denn bei diesen Leistungen erhalten Arbeitnehmer mit einem Bruttolohn in Steuerklasse 3 oder 4 deutlich mehr, als Arbeitnehmer bei gleichem Bruttogehalt in Steuerklasse 5.

Empfohlen ist es, einen Steuerklassen Rechner heranzuziehen, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie sich die einzelnen Steuerklassen auf das Nettogehalt auswirken

Steuerklassenrechner

Wie wechselt man in Steuerklasse 4 Faktor?

Beide Ehepartner teilen dem Finanzamt mit, dass Sie eine Anwendung des Faktorverfahrens wünschen und in Steuerklasse 4 Faktor eingestuft werden möchten.

Zu Jahresbeginn teilen sie überdies dem Finanzamt die erwartete Höhe beider Jahresarbeitslöhne mit. Die Höhe beider zu erwartenden Jahreslöhne bildet die Basis in der Berechnung.

Das Finanzamt wird nun die Höhe der gemeinsamen Einkommenssteuer unter zu Hilfenahme des Splittingfaktors ermitteln und überdies die zu erwartende Höhe des Lohnsteuerabzugs errechnen.

Sind diese beiden Werte bekannt, werden diese zueinander ins Verhältnis gesetzt. Das Resultat ist der „Faktor“.

Steuerklassen > Lohnsteuerklassen > Die Steuerklasse 4 und das Faktorverfahren