Kirchensteuer

2008 gehörten mehr als 60 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Obwohl katholische und evangelische Kirche seit Jahren über schwindende Mitgliederzahlen klagen, sind die Zahlen nach wie vor beeindruckend.

Wer zur Kirche gehört, hat nicht nur Rechte. Eine Pflicht ist die Zahlung der Kirchensteuer. Wer muss diese zahlen? Wo wird Kirchensteuer erhoben? Und wie hoch ist der Abzug, den Angehörige einer Glaubensgemeinschaft bezahlen müssen?

Kirchensteuer – wie passen Staat und Kirche zusammen?

Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften müssen Ausgaben decken. Wer Geld ausgibt, muss aber zuerst Kapital ansammeln. Katholische und evangelische Kirche bestreiten einen wesentlich Teil der Einnahmen über die Kirchensteuer. Wie passt dies zu einem säkularen Staat, in dem Gesetz und Religion eigentlich getrennt sein sollen?

Kirchen stellen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts dar. Daher erfolgt die Erhebung der Steuer nicht durch die Religionsgemeinschaft, sondern durch die Körperschaft. Zur Zahlung der Kirchensteuer werden daher auch nicht alle Bürger herangezogen, sondern nur jene, die Mitglied einer Kirche sind.

Kirchensteuer: Wann fällt sie an?

Kirchensteuern werden allgemein auf Basis des erzielten Einkommens und/oder Vermögens bemessen.
Allerdings nicht unmittelbar  wie beispielsweise die Lohnsteuer, sondern nur mittelbar.

  • Bemessungsgrundlage der Kirchensteuern sind in Deutschland häufig die Besitz- und Einkommenssteuern.

Zuschläge des Kirchensteuergesetzes NRW als Erhebungsansatz

  • Einkommensteuer sowie Lohnsteuer
  • Kapitalertragsteuer
  • Vermögensteuer
  • Grundsteuermessbeträge sowie
  • Kirchgeld

Für den Abzug hinsichtlich der Einkommen sind in den Bundesländern Steuersätze zwischen acht bis neun Prozent vorgesehen, wobei sich nur Bayern und Baden-Württemberg für den niedrigeren Steuersatz entschieden haben.

Wer zieht Kirchensteuer ein?

Für Kirchenmitglieder gibt es keinen Weg an der Kirchenabgabe vorbei. Zuständig für den Einzug der Steuer sind die jeweiligen Finanzämter. Diese setzen nicht nur die Einkommenssteuer fest, sondern auch die Kirchensteuer.

Gemeinsam mit der Einkommenssteuer an die Finanzkasse überwiesen, werden die Einnahmen anschließend, nach Abzug einer Aufwandsentschädigung, an die Kirchen weitergereicht.

  • Nicht alle Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften übertragen den Finanzbehörden die Aufgabe des Steuereinzugs. Einige Kirchgemeinden ziehen die Steuer selbst ein, andere Glaubensgemeinschaften verzichten gänzlich auf die Erhebung der Steuer.

Kirchensteuer und Geldanlagen – was ist neu?

Kapitalerträge unterliegen nicht nur der Abgeltungssteuer, auch Kirchensteuer wird fällig.

In der Vergangenheit zogen Banken die Steuerbeträge aber nicht, wie bei der Abgeltungssteuer bereits praktiziert, direkt ein. Der Steuerpflichtige musste selbst für den Abzug sorgen. Seit 01. Januar 2015 ist dies anders.

Banken fragen die Religionszugehörigkeit der Kunden ab und führen entsprechend die Steuerzuschläge auf die Kapitalerträge ab.

Nur wer einen Sperrvermerk beim Religionsgemeinschaften Bundeszentralamt für Steuern nutzt, kann die Abfrage verhindern.

Kirchensteuer – die Steuer senken

Familien mit Kindern können Freibeträge nutzen. Im Hinblick auf die Lohn- und Einkommenssteuer ist deren Auswirkung mitunter gering, etwa im Fall des Kinderfreibetrags.

Aber bei der Kirchensteuerberechnung wird der Kinderfreibetrag berücksichtigt und kann hier zu deutlichen Minderbelastungen führen. Darüber hinaus sind gezahlte Kirchensteuerbeträge eine Sonderausgabe, was sich wiederum steuermindernd auswirken kann.

Arbeitnehmer A (kein Kind)Arbeitnehmer B (1 Kind)
Bruttolohn2.700 Euro
Lohnsteuer370,08 Euro372,16 Euro
Soli-Zuschlag20,35 Euro15,79 Euro
Kirchensteuer*33,31 Euro25,84 Euro

*beide Beispiele Freistaat Sachsen

Das könnte Sie auch interessieren