Sollversteuerung

Es ist soweit – man wird vom Arbeitnehmer zum Unternehmer. Abseits einer innovativen Geschäftsidee und dem Willen, vom Start-Up zum etablierten Unternehmen zu werden, steht jeder Gründer vor einer Vielzahl von Problemen.

Eine Hürde ist die Wahl zwischen Ist- und Sollversteuerung. Was bedeutet der Begriff Sollversteuerung?

Welchen Vorteil hat das Ganze für ein Unternehmen? Worauf sollte man als Gründer besonders achten? Entscheidet der Gründer sich hier für die falsche Variante, wird’s schnell teuer.

Sollversteuerung – eine Definition

Bei der Sollversteuerung geht es im Kern um die Anmeldung der vereinnahmten Umsatzsteuerbeträge. Jedes Unternehmen, das nicht auf Basis der Kleinunternehmerregel wirtschaftet, muss für Lieferungen und Leistungen gegenüber dem Finanzamt die Umsatzsteuer erklären.

Dafür stehen zwei verschiedene Ansatzpunkte zur Auswahl – die Ist- sowie die Sollversteuerung. Welche Bedeutung haben die beiden Varianten? Im Zuge der Sollversteuerung erfolgt die Erklärung der Steuer im Voranmeldungszeitraum nicht nach den vereinnahmten Entgelten – sondern auf Basis der vereinbarten Entgelte.

  • Rechnung über 1.190 Euro wird am 21.November gestellt. Bis 10.Oktober ist die Umsatzsteuer zu erklären und fällig, der Kunde zahlt aber erst am 20.Oktober. Der Unternehmer geht zehn Tage in Vorleistung.

Letztlich sind hier die im Voranmeldungszeitraum gegenüber Kunden geltend gemachten Rechnungsbeträge für die Erklärung der Umsatzsteuer relevant. Das Gegenteil – also die Ist-Besteuerung – arbeitet dagegen nach dem Zuflussprinzip. Ein Unternehmer muss die Umsatzsteuer erklären, welche ihm im Voranmeldungszeitraum tatsächlich zugeflossen ist.

Nachteil der Sollversteuerung

Zwar wird die Sollversteuerung der Umsätze als Regelbesteuerung angesehen. Für den Unternehmer hat sie aber erhebliche Nachteile. Sofern ein Kunde Rechnungen nicht zahlt oder er diese verspätet überweist, muss das Unternehmen über einen langen Zeitraum in Vorleistung gehen.

Diese Tatsache fällt besonders ins Gewicht, wenn ein Auftraggeber für erhebliche Umsatzanteile sorgt, die Belastung aus der Vorleistung also deutlich spürbar wird. Auf der anderen Seite ist die Steuer hier durch das Unternehmen in gewisser Weise steuerbar.

Ist-Besteuerung – wer darf Umsätze danach erklären?

Gerade für kleine Unternehmen hat die Ist-Besteuerung Vorteile. Wer:

  • Kleinunternehmer ist
  • als Freiberufler tätig wird
  • Vergünstigungen nach § 148 AO in Anspruch nimmt
  • einen Umsatz unter 500.000 Euro nicht überschreitet,

kann die Besteuerung nach den vereinnahmten Entgelten beantragen. Diese verringert nicht nur das Risiko der Vorschusspflicht, durch die Anmeldung der Umsatzsteuer nach den eingenommenen Rechnungsbeträgen vereinfacht sich in aller Regel auch die Buchhaltung.

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