Unter der Vertrauensarbeitszeit ist ein Arbeitszeitmodell zu verstehen, bei dem ein Mitarbeiter seine Arbeitszeit vollkommen eigenständig und selbstverantwortlich gestaltet. Der Arbeitgeber gibt nur den Umfang der wöchentlichen oder monatlichen Arbeitszeit vor, nicht aber, wann die Arbeitszeit zu beginnen oder zu enden hat.

Das bedeutet, dass nicht die Kontrolle der Arbeitszeiten im Mittelpunkt steht. Vielmehr geht es um das Vertrauen des Arbeitgebers darauf, dass der Arbeitnehmer die vertraglich festgelegten Aufgaben erledigt. Wann der Arbeitnehmer seiner Arbeit nachgeht, liegt einzig in seiner Verantwortung. Gesetzliche Vorgaben für die Vertrauensarbeitszeit existieren aber nicht.

Für welche Berufe eignet sich die Vertrauensarbeitszeit?

Tatsächlich ist das Modell für manchen Beruf besser geeignet und für einen anderen eher nicht. Vor allem in den folgenden Berufsgruppen hat sich die Vertrauensarbeitszeit ausgezahlt:

Eher nicht geeignet ist das Modell für jemanden, der von Beruf beispielsweise Callcenter-Mitarbeiter, Sekretärin, Bankkauffrau oder auch Einzelhandelskaufmann ist. Dabei handelt es sich um Präsenzjobs und das Vertrauensarbeitszeit-Modell würde sich nicht bewähren.

Zeiterfassung bei der Vertrauensarbeitszeit

Arbeitgeber sind gemäß § 16 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) dazu verpflichtet, jede über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit eines Arbeitnehmers, egal, in welchem Beruf er arbeitet, in irgendeiner Form festzuhalten. Mit werktäglicher Arbeitszeit ist die im Gesetz vorgeschriebene Höchstarbeitszeit von maximal 8 Stunden täglich gemeint. Diese Aufzeichnungspflicht der Arbeitgeber besteht auch, wenn das Modell der Vertrauensarbeitszeit vereinbart wurde.

  • Es besteht aber die Möglichkeit, die Arbeitszeit-Dokumentation in die Hand des Arbeitnehmers zu legen, was beim Modell der Vertrauensarbeitszeit nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig ist. Wenn er diese Aufgabe an seinen Mitarbeiter delegiert hat, dann muss er in regelmäßigen Abständen stichprobenartige Kontrollen durchführen.

Vertrauensarbeitszeit - Überstunden

Erwiesenermaßen arbeiten Arbeitnehmer, die nach diesem Modell tätig sind, mehr, als Arbeitnehmer in klassischen Arbeitszeitmodellen. So entstehen natürlich Überstunden. Diese können auf sogenannten Arbeitszeitkonten gesammelt und abgegolten werden. Hier ist es von Seiten des Arbeitgebers sinnvoll, wenn er bereits bei der Einführung der Vertrauensarbeitszeit festlegt, wie die Überstunden abgebaut werden sollen. Prinzipiell kann dies durch folgende Maßnahmen geschehen:

  • Abgeltung durch Freizeit
  • Abbau durch Bezahlung

Eventuell ist es sinnvoll, wenn der Arbeitgeber eine maximale Anzahl von wöchentlichen oder monatlichen Überstunden vorgibt. Andernfalls laufen zu viele Stunden auf den Arbeitszeitkonten der Arbeitnehmer auf.

Die Vorteile und Nachteile der Vertrauensarbeitszeit

Zu den Vorteilen des Modells gehört die große Freiheit, die die Arbeitnehmer bei der Ausgestaltung ihrer Arbeitszeit besitzen. Die reduzierte Kontrolle durch den Arbeitgeber wirkt sich zudem positiv auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter aus. Die gesteigerte Motivation der Arbeitnehmer zeigt sich darüber hinaus im größeren Erfolg des Unternehmens.

Ein Nachteil, zumindest aus Sicht vieler Arbeitgeber, ist der teilweise Verlust der Kontrolle über die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten. Wer das Modell der Vertrauensarbeitszeit als Arbeitnehmer nutzen darf, ist dem Risiko ausgesetzt, es zu seinem Vorteil zu nutzen und dem Unternehmen damit zu schaden.


Quellen

Arbeitszeitgesetz (ArbZG) § 16 »
Hoff, Andreas: Vertrauensarbeitszeit: einfach flexibel arbeiten »


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