Erbschein beantragen

Hinterbliebene müssen nicht nur ihre Trauer bewältigen. Wenn Eltern oder Partner plötzlich aus dem Leben gerissen werden, tauchen schnell Hindernisse auf. War der Verstorbene Immobilienbesitzer oder hat ein Wertpapierdepot unterhalten, muss sich der Erbe um den Nachlass kümmern.

Häufig wollen Banken oder Behörden als Nachweis einen Erbschein sehen. Wo lässt sich dieser erhalten? Und wie läuft der Antrag eines Erbscheins in der Praxis ab?

Hier beantragen Erben den Erbschein

Grundsätzlich wird der Antrag zum Erbschein beim Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen gestellt. Dieses ist nach § 343 FamFG (Familienverfahrensgesetz) das zuständige Nachlassgericht – und für die Abwicklung des Verfahrens verantwortlich.

Neben dem eigentlichen Erben oder der Erbengemeinschaft können noch andere Personen Interesse an den Erbscheinen haben.

Dazu gehören in Deutschland unter anderem:

  • Testamentsvollstrecker
  • Nachlassverwalter
  • Gläubiger.

Letztere können das Beantragen eines Erbscheins anstreben, wenn Zwangsvollstreckungen gegen Erben erwogen werden.

  • In verschiedenen Situationen kann ein notarielles Testament mit Eröffnungsurkunde den Erbschein ersetzen. Erben sollten immer prüfen, inwiefern der Antrag auf den Erbschein wirklich notwendig ist – oder ob darauf verzichtet werden kann.

Erbscheine beantragen – der Ablauf

In Bezug auf das Antragsverfahren zum Erbschein wird oft davon ausgegangen, dass die anwaltliche Vertretung unbedingt erforderlich ist.

Erben können die Urkunde aber ganz ohne deren Hilfe beantragen.

Unbedingte Voraussetzung für den erfolgreichen Antrag ist der Nachweis des Todeszeitpunkts.


Darüber hinaus muss der Antragsteller seine eigene Person identifizieren und nachweisen:

  • wie das Verhältnis zwischen Erblasser und Antragsteller ausgesehen hat
  • ob Rechtstreitigkeiten in Bezug auf das Erbrecht anhängig sind.

Aufgrund dessen werden in der Regel Personalausweis und Sterbeurkunde für den Antrag eines Erbscheins benötigt. Da das Nachlassgericht den Antrag genau prüft, kann es die Vorlage weiterer Dokumente verlangen – etwa in Form eines Stammbuchs oder das Testament.

  • Erbscheine werden im Regelfall über den gesamten Nachlass ausgestellt. In besonderen Fällen kann das Nachlassgericht aber auch zum gegenständlich beschränkten Erbschein greifen. Dieser ist beispielsweise dann anzuraten, wenn Vermögen im Ausland existieren. Durch die Beschränkung greift der Erbrechtsnachweis nur für Teile der Erbmasse im Inland.

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