Erben ohne Erbschein

Wer in Deutschland erbt, braucht immer einen Erbschein. Viele Haushalte haben dies sicher schon einmal gehört. Verstirbt ein Familienmitglied und kommt es tatsächlich zum Erbfall, tauchen viele Fragen auf.

Wo bekommt man den Erbschein? Wie muss man dieses Dokument beantragen?

Und braucht man Erbscheine tatsächlich immer? Obwohl von großer Bedeutung für Erben, sollte der Stellenwert des Erbscheins im Alltag nicht überschätzt werden.

Hier sind Erbscheine Pflicht

Wird ein Erbschein vom Nachlassgericht ausgestellt, erkennt dieses einen Rechtsanspruch des Antragstellers auf den Nachlass des Erblassers an.

Für Dritte ist damit klar, dass die Erben Ansprüche und Pflichten übernehmen. Verbindlich geregelt wird die Vorlage eines Erbscheins unter anderem im Zusammenhang mit Grundbesitz.

Nach § 35 Abs. 1 Grundbuchordnung ist für den Nachweis der Erbfolge die Vorlage eines Erbscheins erforderlich. Aber: Es gibt sogar hier Ausnahmen. Inzwischen kann es ausreichend sein, wenn Erben das eröffnete Testament mit der Eröffnungsurkunde vorlegen – und somit ihr Erbrecht nachweisen.

Darüber hinaus können privatrechtliche Verträge den Erbschein zur Bedingung machen. Mitunter muss aber selbst dieser Sachverhalt eingeschränkt werden.

Der Bundesgerichtshof hält es beispielsweise bei Banken ausreichend, wenn Erben einen Erbvertrag oder ein notarielles Testament vorlegen können.

Erben ohne Erbschein – Tipps für Hinterbliebene

Nichts geht ohne Erbschein – dieses Motto hat inzwischen an Substanz und Schärfe verloren.

Es gibt heute viele Wege, wie Erben ihren Rechtsanspruch aus dem Nachlass geltend machen.

Gerade ältere Vertragsklauseln sind inzwischen – aufgrund der Rechtsprechung – nicht mehr relevant, es geht auch ohne Erbschein.


Meist reicht der Nachweis der Erbfolge durch:

  • ein notarielles Testament
  • einen Erbvertrag oder
  • Vollmachten (die über den Tod hinaus gelten)

aus, um über bzw. aus dem Nachlass heraus handlungsfähig zu bleiben.

Aber: Im Zweifelsfall kann der Erbschein immer noch zur Bedingung gemacht werden. Dies gilt beispielsweise, wenn aus dem Testament die Erbfolge im Detail nicht abgeleitet werden kann.

Erben müssen dann – um den Sachverhalt abschließend zu klären – den Erbschein beim Nachlassgericht beantragen und vorlegen.


  • Verlangen Banken oder andere Vertragspartner des Verstorbenen von dessen Erben die Vorlage eines Erbscheins, ist vor deren Beantragung zu prüfen, inwiefern diese Forderung heute überhaupt noch relevant ist - oder ob es ohne Erbschein geht.

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