Warum Ärzte trotz Spitzengehalt streiken

Aktualisiert am 07.04.2022 09:01 von Melanie Vahland

Am vergangenen Donnerstag, dem 31. März 2022, sind Klinikärzte deutschlandweit dem Streikaufruf des Marburger Bunds gefolgt. Von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) wurden vor allem bessere Arbeitsbedigungen gefordert. Doch auch Forderungen nach mehr Gehalt wurden vom Marburger Bund geäußert.

Ärzte gelten in der Allgemeinheit als besonders gut bezahlte Berufsgruppe. Um herauszufinden, ob sie dennoch zurecht gestreikt haben, haben wir das Ärztegehalt und die Arbeitsbedingungen in Kliniken näher unter die Lupe genommen.

Das Ärztegehalt im Überblick

Laut unserer hauseigenen Datenbank können Ärzte brutto im Monat ungefähr folgendes verdienen:

Assistenzarzt
4.525,08 €

Facharzt
6.066,81 €

Hausarzt
8.549,78 €

Assistenzarzt
4.525,08 €

Facharzt
6.066,81 €

Hausarzt
8.549,78 €

Oberarzt
8.763,08 €

Chefarzt
10.166,83 €

Notarzt
5.621,35 €

Oberarzt
8.763,08 €

Chefarzt
10.166,83 €

Notarzt
5.621,35 €

Diese Werte, die Webseitenbesucher in unsere Datenbank eingetragen haben, ähneln den Werten aus der Tariftabelle für Ärzte des VKA. In der TV-Ärzte von 2021 wird eine Gehaltsspanne von 4.694,75 Euro bis 9.782,39 Euro ausgegangen.

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Der Alltag als Klinikarzt

Diese hohen Gehälter, das gute Ansehen in der Gesellschaft und der Gedanke, im Alltag Menschen helfen zu können, machen den Arztberuf besonders beliebt. Dass der Beruf mit einem hohen Maß an Verantwortung, Stress und emotionaler Belastung einhergeht, ist bereits den meisten Studienanfängern bewusst. Diese im Klinikalltag unvermeidbare Belastung spiegelt jedoch nur im Ansatz wider, womit Ärzte in ihrem Arbeitsalltag konfrontiert werden.

Die Arbeitsbedingungen, die durch den Marburger Bund und die streikenden Klinikärzte bemängelt werden, sind unter anderem folgende:

Ausnutzung

Da der Ärzteberuf im Allgemeinen als beliebt und gut bezahlt gilt, werden Beschwerden von Ärzten über die Arbeitsbedingungen in Kliniken oft nicht ernst genommen. Laut Marburger Bund sei das ein Zeichen von Geringschätzung. Es käme zur "Ausnutzung der hohen Arbeitsethik" von Ärzten in Kliniken, die aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl besonders in der Corona-Pandemie über ihre Belastungsgrenzen hinaus arbeiten.

Arbeitszeiten

Überstunden, Wochenend- und 24-Stunden-Schichten sind für Ärzte in der Klinik alltäglich. Durch den Mangel an Pflegepersonal hätten Ärzte zu Hochzeiten der Pandemie zusätzlich pflegerische Aufgaben auf Intensivstationen übernommen und damit ihre Arbeitsbelastung und Überstundenzahl noch weiter erhöht. Um wenigstens einen freien Tag pro Woche zu haben, reduzieren immer mehr Ärzte ihre Arbeitszeit und somit auch ihr Gehalt auf eine 80-Prozent-Stelle.

Fehlende Grenzen

Durch Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften verschwimmen die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Zusätzlich zum belastenden Arbeitsalltag stehen Ärzte dadurch auch in ihrer vermeintlichen Freizeit unter Anspannung. Deshalb fordert der Marburger Bund "mehr Planungssicherheit" durch eine Begrenzung von Diensten.

Das fordert der Marburger Bund

Im Ärztestreik ging es also nicht primär um das Gehalt. Zwar fordert der Marburger Bund auch eine lineare Gehaltserhöhung um 5,5 Prozent im Laufe eines Jahres. Im Fokus stehen jedoch die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Planungssicherheit.

Ermöglicht werden soll dies durch klare Begrenzungen für Bereitschaftsdienste auf vier pro Monat und Wochenenddienste an maximal zwei Wochenenden pro Monat. Darüber hinaus sollen Rufbereitschaften auf maximal zwölf Rufdienste im Monat begrenzt werden.

Die Verhandlungen um diese Forderungen zwischen dem Marburger Bund und der VKA laufen bereits seit Oktober 2021. Auslöser für den aktuellen Streik war eine ergebnislose vierte Verhandlungsrunde am 15. Februar 2022, gefolgt von zwei erfolglosen Sondierungsgesprächen. Am 2. und 3. Mai gehen die Verhandlungen in die nächste Runde.

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Einzelnachweise & Quellen


  1. Marburger Bund: Warnstreik sendet starkes Signal an die VKA »
  2. Marburger Bund: Marburger Bund und VKA vereinbaren neuen Verhandlungstermin »
  3. Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA): Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern im Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (TV-Ärzte/VKA) »

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