So wird der Kindesunterhalt berechnet

Ein Artikel von Dr. Kathrin Borgs

In Deutschland gibt es das sogenannte Gebot der familiären Solidarität. Aus diesem Grund zahlt der Staat pro Kind jährlich den sogenannten Kindesunterhalt an die Eltern aus.

Dieser legt fest, dass auch bei einer Trennung der Eltern zu zahlen ist, um den Nachwuchs finanziell abzusichern.

Rechtsgrundlage für den Kindesunterhalt sind die §§ 1601 BGB ff und dabei insbesondere § 1612a BGB.

+ 6.144,00 € jährlich kassieren?
Staatliche Zulagen mitnehmen!!

Wie wird der Kindesunterhalt berechnet?

Berechnet wird stets ein Mindestunterhalt. Festgelegt wird dieser am Bedarf des Kindes sowie an der Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen. Grundlage für die Berechnungen ist die sogenannte Düsseldorfer Tabelle.

Diese Unterhaltstabelle wird in jedem Jahr mit neuen Werten, die unter Mitwirkung der Sozialverbände festgelegt werden, versorgt und zeigt an, wie viel Geld pro Kind fließen muss.

Wie ist die Düsseldorfer Tabelle aufgebaut?

Möchte man mit der Düsseldorfer Tabelle den Unterhalt berechnen, der zu zahlen ist, muss man um ihren Aufbau wissen. Der erste Teil dreht sich um den sogenannten Selbstbehalt.

Dieser zeigt an, wie viel Geld jeder Unterhaltspflichtiger von seinem Einkommen, das für die Berechnung des Unterhalts herangezogen wird, abziehen darf. Der Selbstbehalt soll verhindern, dass der Kindesunterhalt dazu führt, dass die Zahler auf Hartz IV-Niveau abrutschen.

Die zweite Hälfte der Düsseldorfer Tabelle ist die eigentliche Unterhaltstabelle. Hier wird aufgegliedert, für welches Kind in welchem Alter wie viel Unterhalt bei welchem Einkommen zu bezahlen ist.

Möchte man den Kindesunterhalt ermitteln, muss man also nur noch den Selbstbehalt von den eigenen Einkünften abziehen und was bleibt als Grundlage dafür nehmen, um in der Düsseldorfer Tabelle an der richtigen Stelle zu suchen.

Jeder Bundesbürger hat Anspruch auf folgende Förderungen... Jedes Jahr!
Jetzt kostenlos Informieren.

Wie wird bereits zu zahlender Kindesunterhalt verrechnet?

Hat man mehr als ein Kind, muss man natürlich für jedes Kindesunterhalt zahlen. Den Selbstbehalt darf man nur einmal abziehen.

Der bereits zu zahlende Unterhalt für andere Kinder wird anschließend ebenfalls vom Einkommen abgezogen, da diese Gelder aus offensichtlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Möchte man den Unterhalt berechnen, muss man dabei allerdings berücksichtigen, dass Mittelwerte gebildet werden können. Hat man zwei vierjährige Kinder, bekommen diese natürlich keinen unterschiedlichen Unterhalt.

Wie hoch ist der Selbstbehalt beim Kindesunterhalt im Jahr 2022?

Unterhaltspflicht gegenüberHöhe des Selbstbehalts
Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahren (im Haushalt von einem Elternteil lebend und der allgemeinen Schulpflicht unterworfen), Unterhaltspflichtiger arbeitet1160 Euro
Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre (im Haushalt von einem der Eltern lebend, der allgemeinen Schulpflicht unterworfen), der Unterhaltspflichtige arbeitet nicht960 Euro
Ehegatten sowie Vater oder Mutter von einem nicht ehelichen Kind1400 Euro
den Eltern2000 Euro

Wie viel Kindesunterhalt muss für welches Alter gezahlt werden?

Stand: 2022

Einkommen (in Euro)Kindesunterhalt bei Kindesalter: 0 bis 5Kindesunterhalt bei Kindesalter: 6 bis 11Kindesunterhalt bei Kindesalter: 12 bis 17Kindesunterhalt bei Kindesalter: Ab 18 Jahre
bis 1900396 Euro455 Euro433 Euro569 Euro
1901 bis 2300416 Euro478 Euro560 Euro598 Euro
2301 bis 2700436 Euro501 Euro587 Euro626 Euro
2701 bis 3100456 Euro524 Euro613 Euro655 Euro
3101 bis 3500507 Euro583 Euro683 Euro729 Euro
3501 bis 3900539 Euro619 Euro683 Euro729 Euro
3901 bis 4300539 Euro619 Euro725 Euro774 Euro
4301 bis 4700571 Euro656 Euro768 Euro820 Euro
4701 bis 5100602 Euro692 Euro811 Euro865 Euro
5101 bis 5500634 Euro728 Euro853 Euro911 Euro

Sollten die Einkünfte 5101 Euro übersteigen, muss laut Düsseldorfer Tabelle nach individuellem Fall entschieden werden, wie viel Unterhalt zu zahlen ist.

Häufig gestellte Fragen zum Kindesunterhalt

Ist eine Verweigerung des Kindesunterhaltes möglich?

Nein, der Kinderunterhalt kann nicht verweigert werden, wenn die Mutter mit einem neuen Partner zusammenlebt, denn der Kindesunterhalt ist kein Anspruch der Mutter, sondern der Kinder. Daher ist es nicht möglich, den Unterhalt zu verweigern aus Gründen, die nur mit der Mutter zu tun haben. Der Unterhalt muss weiterhin an die Mutter überwiesen werden, die hiervon Kleidung, Essen etc. für die Kinder zu kaufen hat.

Muss ein Kind eine Arbeit aufnehmen, wenn dies möglich wäre?

Ein Kind ist definitiv nicht dazu verpflichtet, eine Arbeit aufzunehmen, um selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, wenn die Schulausbildung noch nicht beendet ist. Selbst, wenn hierzu die Möglichkeit besteht. Ist das Kind jedoch bereits volljährig und befindet sich nicht mehr in Ausbildung, dann ist es verpflichtet, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Kommt es dem nicht nach, dann verfällt der Anspruch auf Unterhalt.

Was tun, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt?

Zahlt ein Vater keinen Unterhalt für sein Kind, dann kann der Unterhalt eingeklagt werden. Zahlt der Vater nicht freiwillig, dann kann der Unterhalt im Rahmen einer Zwangsvollstreckung eingetrieben werden. Es kann damit zum Beispiel zu einer Lohnpfändung kommen. Nachdem ein Gerichtsverfahren in der Regel Monate dauert, kommt hier das Unterhaltsvorschussgesetz - kurz: UVG - zur Anwendung, d.h. ein festgelegter Mindestunterhaltsbetrag wird vom Staat vorgestreckt. Die im Voraus gezahlten Leistungen werden vom Vater zurückgefordert.

Einzelnachweise


  1. Oberlandesgericht Düsseldorf: Düsseldorfer Tabelle
  2. Bundesgerichtshof: Urteil vom 03.12.2008
  3. Bundesministerium der Justiz: Unterhaltsverpflichtete §1601 BGB
  4. Bundesministerium der Justiz: Mindesunterhalt minderjähriger Kinder §1612a BGB

Bewerten Sie diesen Artikel

3.50 von 5 Sternen - 2 Bewertungen

Haftungsausschluss: Wir übernehmen, trotz sorgfältiger Prüfung, keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der hier dargestellten Informationen. Es werden keine Leistungen übernommen, die gemäß StBerG und RBerG Berufsträgern vorbehalten sind.


Weiteres zum Thema Steuererklärung