Immer wieder – nämlich immer dann, wenn neue Steuerskandale ans Licht kommen – ist die Rede von sogenannten Briefkastenfirmen. Auch wenn dieser Begriff an sich recht unspektakulär klingt, ringen sich um ihn doch viele Fragen.
Ist eine Briefkastenfirma erlaubt oder illegal?

Der Begriff Briefkastenfirma bezieht sich auf den Umstand, dass in dem Land, in dem die Firma angeblich ihren Sitz hat, nur ein Briefkasten existiert, an den offizielle Unterlagen geschickt werden können. Warum macht man sich eigentlich die Mühe, eine solche Schein-Firma zu gründen? Die wichtigsten Fragen sollen im nachfolgenden Beitrag beantwortet werden.


Definition Briefkastenfirma

Ganz allgemein kann das Phänomen der Briefkastenfirma folgendermaßen erklärt werden: Es handelt sich um eine Firma, die gewissermaßen nur auf dem Papier existiert.

Auch eine Briefkastengesellschaft hat einen Namen und wurde offiziell eingetragen. Die Eigentümer der Firma leben aber zumeist nicht in dem Land, in dem die Firma gegründet wurde. Das muss nicht unbedingt illegal sein. Der Grund, warum eine Briefkastenfirma immer in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung genannt wird, ist die Ausnutzung bestimmter Gesetze, indem man andere Bestimmungen umgeht.

Briefkastenfirma legalBriefkastenfirma illegal
Legaler Versuch der Senkung der Steuerlast im Ausland: Dazu muss das Unternehmen die Steuern gegenüber den zuständigen Finanzämtern transparent machen.Geldwäsche, Verschleierung von Gewinnen und Umsätzen

Wie funktioniert eine Briefkastenfirma?

Briefkastenfirma

Eine Briefkastenfirma betreibt zumeist gar kein aktives Geschäft. Stattdessen werden gewisse steuerliche Bestimmungen, die mit der Gründung einer Firma zusammenhängen, ausgenutzt. Wenn sich eine Briefkastenfirma im Ausland befindet, wird hierfür gern das Synonym der Steueroase verwendet. Der Grund hierfür ist, dass die Steuern in einigen Ländern – in denen Briefkastenfirmen sehr gern angesiedelt werden – extrem niedrig sind. Bekannte Beispiele hierfür sind:

  • die Bahamas
  • die British Virgin Islands
  • die Cayman Islands
  • Liechtenstein
  • Luxemburg
  • die Schweiz
  • Panama

Welchen Zweck hat eine Briefkastenfirma?

Eine Briefkastenfirma oder Briefkastengesellschaft, versucht, durch andere Steuergesetze im Ausland, entweder Geld und Gewinne zu waschen oder komplett verschwinden zu lassen. Anders als „richtige“ Unternehmen weisen Briefkastenfirmen eine sehr geringe oder gar keine wirtschaftliche Aktivität auf. Es handelt es sich hierbei also nur um eine Art Hülle, die dazu dient, einen finanziellen Betrag zu verwalten. Oftmals werden so komplexe Briefkastengesellschaften gegründet, dass es die zuständigen Finanzämter schwerhaben, den Überblick zu behalten. Dann wird es noch einfacher, Gelder verschwinden zu lassen.

  • Nicht immer wird eine Briefkastenfirma mit bösen Absichten gegründet. Oftmals entscheiden sich Unternehmen für diesen Schritt, weil sie dadurch fremde Märkte erkunden wollen. Der Vorteil ist, dass die Konkurrenz nicht gleich etwas davon mitbekommt. Es ist also falsch, grundsätzlich davon auszugehen, dass Briefkastenfirmen illegal sind.

Briefkastenfirma: Wichtige Fakten

  • Zumeist wird durch eine Briefkastenfirma eine Steuerhinterziehung begangen
  • Bei einer Briefkastenfirma wird eine Firma im Ausland gegründet, während die Inhaber im Inland leben
  • Für die Gründung einer Briefkastenfirma wird ein Sitz in dem Land der Gründung benötigt. Daher der Briefkasten an der angegebenen Adresse

Häufige Fragen zum Thema Briefkastenfirma

Prinzipiell ist es nicht verboten, eine Briefkastenfirma zu gründen. Genauso gut können Unternehmer ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen und dort von steuerlichen Vorteilen profitieren. Illegal wird die Briefkastenfirma dann, wenn der Wohnsitz des Unternehmers im Inland bleibt, das Vermögen aber nach ausländischen Sätzen versteuert wird. Ist dies der Fall, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Teil der Einnahmen und des Vermögens handelt, das geheim gehalten wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Steuerhinterziehung – und die ist eindeutig strafbar.

Strohmann ist ein inoffizieller Begriff, der eine Person bezeichnet, die sich um eine Briefkastenfirma kümmert. Während die eigentlichen Besitzer der Briefkastenfirma nicht vor Ort sind, kümmert sich der Strohmann an der Adresse der Briefkastenfirma um die Regelung der Geschäfte der Briefkastenfirma.

Die Panama Papers sind eine Enthüllung über Unterlagen, die die Offenlegung vieler Briefkastenfirmen in Panama beinhaltete. Das Brisante an den Panama Papers war die angebliche Verstrickung mehrerer prominenter Persönlichkeiten, die mit den Panama Papers in Verbindung standen. Diese Prominenten sollen viele Millionen Euro und Dollar über Briefkastenfirmen an der Steuer vorbeigeschleust haben, was den Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt.


Einzelnachweise und Quellen

Deutscher Bundestag: Gesetzesentwurf gegen Steuerbetrug über Briefkastenfirmen
Bundesfinanziministerium: Gesetz zur Bekämpfung der Steuerumgehung


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