Kaum eine Abgabe in Deutschland ist derart schwierig zu berechnen wie die Gewerbesteuer. Das liegt unter anderem an dem sogenannten Hebesatz, der von Region zu Region unterschiedlich ist.
Er ist ein wichtiges und unverzichtbares Instrument, besonders die Gemeinden profitieren davon.

Erfahren Sie hier alles wichtige zum Thema Hebesatz und, warum er für die Berechnung der Gewerbeabgaben so wichtig ist.


Definition: Hebesatz

Gewerbesteuer Hebesatz

Beim sogenannten Hebesatz handelt es sich um einen Faktor, der für die Berechnung der Gewerbesteuerlast relevant ist. Dabei wird er von den Gemeinden für jedes Rechnungsjahr einheitlich festgesetzt.

Der Hebesatz ist ein Prozentsatz, mit dem der Steuermessbetrag zu vervielfältigen ist, damit die Höhe der Gewerbesteuer berechnet werden kann. Neben der Grundsteuer ist die Abgabe, die Gewerbebetriebe zahlen müssen, die einzige Steuer, welche die Gemeinden direkt einnehmen. Alle sonstigen Gelder fließen an die Bundesländer oder den Bund. Die Gemeinden haben deshalb auch das Recht, die Höhe der Abgabe für Gewerbebetriebe, die in ihren Grenzen aktiv sind, eigenständig zu bestimmen. Der Prozentsatz muss aber für alle in den Gemeinden ansässigen Unternehmen und Gewerbebetriebe einheitlich sein.

  • Der kommunale Haushalt setzt jedes Jahr den Hebesatz für die Gewerbesteuer fest.

Die Gemeinden können individuell über ihren eigenen Hebesatz entscheiden und die Prozentzahl jedes Jahr ändern. Das bedeutet aber auch, dass die Höhe des Satzes über mehrere Jahre gleich bleiben kann.
Nach unten hin hat der Gesetzgeber im Jahr 2004 eine Mindestgrenze von 200 Prozent festgelegt, die in § 16 Absatz 4 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes geregelt ist. Zuvor herrschte ein regelrechter Wettlauf zwischen den Gemeinden, der dazu führte, dass die Steuersätze immer weiter gesenkt wurden. Diese Entwicklung bedrohte die wirtschaftliche Lebensfähigkeit zahlreicher Kommunen, sodass ein Mindeststeuersatz eingeführt werden musste.

  • Die Gemeinden sind völlig frei in der Gestaltung des Hebesatzes, solange sie nicht unter 200 Prozent gehen. Der Bund anderseits kann keinen einheitlichen Satz festlegen und darf explizit auch nicht in die Höhenfestlegung eingreifen, solange der Wettbewerb der Kommunen nicht das Ziel der vergleichbaren Lebensverhältnisse gefährdet.

Berechnung der Gewerbesteuer mit dem Hebesatz

Die Berechnung der Gewerbesteuer ist recht komplex und erfolgt in mehreren Schritten:

Gewinn aus Gewerbebetrieb (ermittelt aus EStG bzw. KStG)

(+) Hinzurechnungen nach §§ 8 u. 9 GewStG

/ Kürzungen nach § 9 GewStG

/ Verlustverbrauch nach § 10a GewStG

= Gewerbeertrag (abzurunden auf volle 100 Euro)

/ Steuerfreibetrag nach § 11 GewStG (max. 24 500 Euro)

= Gewerbeertrag nach Freibetragsabzug (darf durch Freibetragsabzug nicht negativ werden)

x Steuermesszahl

= Gewerbesteuermessbetrag

x Hebesatz (der jeweiligen Gemeinde)

= Gewerbesteuerschuld

Der Hebesatz wird im letzten Rechenschritt angewandt.

  • (Gewerbeertrag x Steuermesszahl 3,5 Prozent = Steuermessbetrag) x Hebesatz = Steuerschuld.

Die Gemeinden können die Höhe des Hebesatzes weitgehend nach eigenem Ermessen festlegen. Die meisten Kommunen wählen derzeit einen Wert zwischen 250 und 400 Prozent.
Der Steuermessbetrag muss in diesem Fall also mit 2,5 bis 4,0 multipliziert werden. Vereinfacht gesagt ist der Hebesatz ein Vervielfachungswert.

Durchschnittliche Werte in Deutschland

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Gewerbesteuerhebesatz für das jeweilige Bundesland im gewogenem Durchschnitt bei Gemeinden ab 20.000 Einwohnern.

BundeslandHebesatz in %
Hamburg470
Nordrhein-Westfalen468
Bremen460
Saarland444
Sachsen441
Thüringen440
Mecklenburg-Vorpommern434
Bayern423
Niedersachsen420
Sachsen-Anhalt418
Hessen413
Rheinland-Pfalz412
Berlin410
Schleswig-Holstein407
Baden-Württemberg387
Brandenburg385

(Stand: 2016)

Die wichtigsten Fakten zum Hebesatz

  • Der Hebesatz ist für die Berechnung der Gewerbesteuer maßgeblich.
  • Er kann von den Kommunen frei festgelegt werden.
  • Das bedeutet, dass der Steuersatz von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich sein kann.
  • Er muss mindestens 200% betragen und ist nach oben offen.
  • Die Berechnung der Gewerbesteuerlast ist recht komplex.
  • Der Hebesatz ist ein Faktor, der im letzten Rechnenschritt multipliziert wird.

Häufig gestellte Fragen

Es handelt sich um einen Faktor, der für die Berechnung der Gewerbesteuerlast entscheidend ist. Um die Steuer zu ermitteln, wird der Steuermessbetrag des Unternehmens mit dem jeweils geltenden Hebesatz multipliziert.

Die Höhe variiert von Region zu Region. In der Regel ist der Prozentsatz in Ballungsgebieten mit einer guten Infrastruktur höher, als in ländlichen Regionen, die schlecht erreicht werden können. Das muss aber nicht immer der Fall sein. Der Hebesatz muss mindestens 200 % betragen und ist nach oben hin offen.

Die Gemeinden dürfen im Prinzip jedes Kalenderjahr die Prozentzahl des Steuersatzes verändern und auch erhöhen. Sie selbst müssen für sich entscheiden, ob sie mit der Erhöhung Vorteile genießen und immer noch ein attraktiver Standort für Unternehmen bleiben. Ansonsten könnten Gewerbetreibende abwandern und in eine Region mit einem geringeren Hebesatz ziehen.


Einzelnachweise und Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Hebesatz »
  2. Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen: Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen sollten »
  3. Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017: Finanzen und Steuern - Gewerbesteuern »
  4. Deutscher Industrie- und Handelskammertag: Ergebnisse der DIHK-Hebesatzumfrage 2016 »

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