Das Finanzsystem in Deutschland ist so aufgebaut, dass derjenige, der mehr Einkommen hat, prozentual höher besteuert wird. Dadurch soll erreicht werden, dass jeder nach seiner wirtschaftlichen Leistung zu den Kosten des Gemeinwohls beiträgt. Erhält man eine Gehaltserhöhung, müsste man am Ende des Monats ein höheres Nettoeinkommen haben. Es gibt allerdings einen Sonderfall, der genau das verhindert: Die kalte Progression.


Definition: Kalte Progression

Kalte Progression

Eine kalte Progression tritt ein, wenn die Einkommens- bzw. Lohnerhöhungen eine Inflation ausgleichen. Das heißt, dass trotz einer Gehaltserhöhung, am Ende des Monats nicht mehr vom Netto übrig bleibt.
Wie kommt es aber zu diesem Phänomen?

Im deutschen Steuersystem gilt: Je höher das Einkommen ist, desto höher fällt auch der Steuersatz aus. Trotzdem müsste bei mehr Brutto- auch mehr Nettolohn rauskommen. Das passiert jedoch nicht, wenn gleichzeitig die Lebenshaltungskosten steigen. Wenn das Preisniveau angehoben wird, spricht man von einer Inflation. Ein höheres Einkommen gleicht dann lediglich die höheren Lebenshaltungskosten aus.

 

  • Angenommen: Ein Arbeitnehmer erhält eine Lohnerhöhung von 3 %, gleichzeitig steigt das Preisniveau um den selben Wert. Infolgedessen ändert sich nichts an der wirtschaftlichen Situation des Arbeitnehmers, da sich beide Faktoren ausgleichen.

Im Endeffekt führt das höhere Einkommen nicht zu mehr Gehalt. Trotzdem müsste der Arbeitnehmer aufgrund des progressiven Steuertarifs, mehr Abgaben zahlen. Infolgedessen verdient der Steuerzahler noch weniger, als vorher. An dieser Stelle tritt die kalte Progression ein, da Preisänderungen normalerweise nicht im Steuertarif berücksichtigt werden.

Die 3 Faktoren der kalten Progression
Preiserhöhung (Inflation)
Mehr Gehalt
Steuerprogression

Die Folgen der kalten Progression

Die kalte Progression hat zur Folge, dass bei einer Lohnerhöhung ein immer stärkerer Anteil der Erhöhung nicht beim Arbeitnehmer, sondern beim Fiskus landet. Man könnte meinen, dass bei Lohnerhöhungen die Steuern heimlich mit steigen. Dieser Effekt ist vom Gesetzgeber so nicht gewollt.
In der Theorie gebe es zwei Möglichkeiten, um der kalten Progression entgegenzuwirken.

Wie könnte man die kalte Progression verhindern?Erklärung
  1. Anpassung der Steuertarife
Man könnte beispielsweise überprüfen, ob die Steuersätze an die aktuelle Preisentwicklung angepasst sind und diese gegebenenfalls angleichen. Dies müsste regelmäßig überprüft und modifiziert werden.
  1. Einheitlicher Steuersatz für alle
Diese Methode wäre die einfachste, aber nicht die gerechteste. Es hätte zur Folge, dass es zu einer ungleichen Verteilung kommen würde: Geringverdiener müssten so im Vergleich zu Mehrverdienern höhere Abgaben leisten.

Tatsächlich wurden bereits einige Maßnahmen ergriffen, um dem Problem gegenzulenken. Der Steuertarif wurde sozusagen bereits angepasst, indem der Grundfreibetrag angehoben wurde. Zudem wurden auch der Kinderfreibetrag und das Kindergeld aufgestockt. Damit versucht die Regierung, einen Ausgleich zu schaffen, damit eine mögliche Inflation nicht zu einer kalten Progression führt.

Die wichtigsten Fakten zur kalten Progression

  • Unter einer kalten Progression versteht man eine Steuermehrbelastung.
  • Sie kommt zustande wenn,, neben einer Lohnerhöhung, eine Inflation eintritt.
  • Bei höherem Einkommen muss der Arbeitnehmer gleichzeitig höhere Abgaben an den Fiskus zahlen.
  • Im Falle einer Inflation steigen jedoch seine Lebensunterhaltungskosten.
  • Infolgedessen bleibt seine wirtschaftliche Situation, trotz mehr Gehalt, gleich oder verschlechtert sich sogar.
  • Die Regierung hat bereits Schritte gegen die kalte Progression eingeleitet, indem sie z.B. Freibeträge angehoben hat.

Häufig gestellte Fragen

Es beschreibt einen Zustand, bei dem ein Arbeitnehmer trotz mehr Bruttoeinkommen, nicht mehr Gehalt bekommt. Grund dafür ist der progressive Steuersatz, der dazu führt, dass bei höherem Einkommen, höhere Steuern fällig werden. Wenn dann noch eine Inflation eintritt und das Preisniveau steigt, verdient der Arbeitnehmer sogar noch weniger als zuvor.

Der Gesetzgeber hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um diesem Phänomen entgegenzuwirken. Zum Beispiel gab es eine Modifizierung des Steuertarifs, indem der Grundfreibetrag angehoben wurde. Das heißt, man kann jetzt mehr verdienen, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Darüber hinaus wurde der Kinderfreibetrag und das Kindergeld erhöht. Damit soll ein Ausgleich geschaffen werden, indem der Steuerzahler am Ende des Monats tatsächlich mehr "Netto" erhält, als es vorher der Fall war.


Einzelnachweise und Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen: Kalte Progression»
  2. Bundesministerium der Finanzen: Glossar - Kalte Progression»

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