Latente Steuern dienen zum Ausgleich einer möglichen Differenz zwischen der Steuerschuld aus der Steuerbilanz und der Handelsbilanz. Sie können die Vermögenslage eines Unternehmens darstellen und bilden eine Steuerbelastung in der Handelsbilanz ab, die voraussichtlich in Zukunft eintritt. Sie können dabei in der Bilanz als Aktiv- oder Passivposten angesetzt werden.


Aktive und passive latente Steuern

latente-steuern

Wenn sich ein Jahresüberschuss ergibt, der den steuerlichen Gewinn übersteigt, sind die sogenannten passiven latenten Steuern zu bilden. Die Höhe der passiven latenten Steuern hängt dabei vom individuellen Steuersatz ab, die Unternehmen zur Berechnung heranziehen müssen. Die Bildung passiver latenter Steuern geschieht, wenn:

  • die Aktivwerte der Handelsbilanz höher als diejenigen der Steuerbilanz sind
  • die Passivwerte der Handelsbilanz niedriger als diejenigen der Steuerbilanz sind.

Wenn das Ergebnis aus der Handelsbilanz dagegen niedriger als das steuerpflichtige Ergebnis ausfällt, muss eine aktive latente Steuerposition gebildet werden. Das geschieht dann, wenn niedrigere Werte für Vermögensgegenstände und höhere Schuldenwerte in der Handelsbilanz im Vergleich zur Steuerbilanz vorliegen.

Latente Steuern ermitteln

Im Wesentlichen stehen zwei Konzepte zur Ermittlung latenter Steuern zur Verfügung.

Timing-KonzeptTemporary-Konzept
Abweichungen zwischen Steuer- und Handelsbilanzwerden nur beachtet, wenn diese sowohl bei Entstehung als auch bei Auflösung erfolgswirksam sindwerden bereits dann beachtet, wenn Ansatz- oder Bewertungsunterschiede bei Umkehr oder Auflösung erfolgswirksam werden
Unterschiede zwischen Steuer- und Handelsbilanzergebnis ohne Ausgleich in den folgenden Periodenentstehen durch Geschäftsvorfälle, die nur in einem der beiden Rechnungslegungswerken erfolgswirksam behandelt werdenentstehen durch außerbilanzielle Kürzungen und Hinzurechnungen

Das Temporary-Konzept ist weiter gefasst als das Timing-Konzept. Beim Temporary-Konzept werden neben den zeitlich begrenzten und permanenten Differenzen auch quasi-permanente Differenzen in die Abgrenzung latenter Steuern einbezogen.

Latente Steuern - Berechnung

Die Berechnung latenter Steuern kann mit zwei unterschiedlichen Methoden erfolgen. Das sind die Liability-Methode und die Deffered-Methode. Die Liability-Methode wird auch Verbindlichkeitsmethode genannt. Sie ist bilanzorientiert und zielt auf die möglichst korrekte Darstellung der Schulden und Vermögensgegenstände eines Unternehmens ab.

Die passiven latenten Steuern werden bei der Liability-Methode als Verbindlichkeiten gegenüber dem Fiskus betrachtet. Um die latenten Steuern mit der Liability-Methode berechnen zu können, wird der künftig geltende Steuersatz verwendet.

Die Deffered-Methode wird auch Abgrenzungsmethode genannt. Sie zielt auf die Ermittlung der periodengerechten Zuordnung des ertragsabhängigen Steueraufwandes ab. Die Steuerabgrenzungsposten dienen bei der Deffered-Methode zur Korrektur des tatsächlichen Steueraufwandes um den latenten Steueraufwand. Die latenten Steuern werden mit Hilfe der Deffered-Methode anhand des aktuellen Steuersatzes berechnet.

  • In der Praxis wird die Höhe der Abgrenzungen anhand der Liability-Methode bestimmt. Das entspricht eher dem Temporary-Konzept. Die latenten Steuern werden in der Praxis hingegen nach dem Timing-Konzept durch die Deffered-Methode bilanziert.

Einzelnachweise

Krimpmann, Andreas: Latente Steuern in der Praxis: nach BilMoG und IFRS »
Siegel, Daniel: Die Bilanzierung latenter Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss nach § 274 HGB »
Schildbach, Thomas: Der Konzernabschluss nach HGB, IFRS und US-GAAP »


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