Eine Absicherung gegen Arbeitslosigkeit ist für Arbeitnehmer in Deutschland Pflicht.
Arbeitgeber und Beschäftigter übernehmen die Abgabe zu gleichen Teilen. Der Beitrag wird dem Arbeitnehmer vom Bruttoentgelt abgezogen.

Leistungen in der Übersicht

Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung sind im Dritten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB 3) festgeschrieben. Gemäß § 3 zählen zu den wichtigsten Leistungen der Arbeitsförderung unter anderem die Zahlung von Arbeitslosengeld (ALG I), des Arbeitslosengeld II (ALG II) und von Kurzarbeitergeld bei einem Arbeitsausfall.

Leistungsberechtigt sind Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Träger von Arbeitsförderungsmaßnahmen.
Von fördernden Leistungen ausgeschlossen sind hingegeben Beamte, Selbstständige und Freiberufler. Diese können sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern lassen.

  • Für die Kalenderjahre 2019 bis 2022 wurde der Beitragssatz, der vom Bruttogehalt abgezogen wird, auf 2,5 % festgelegt. Nach Ablauf der Frist wird der Beitrag gemäß § 341 SGB III 2,6 % betragen.

Die Bundesagentur für Arbeit verfolgt mit den zur Verfügung gestellten Leistungen vor allem das Ziel, in Arbeitslosigkeit geratene Personen dabei zu unterstützen, wieder zu einem Arbeitsverhältnis zu gelangen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auf Antrag der betreffenden Person oder Institution folgende Leistungen gewährt:

  • Beratungen zu den Themen Beruf und Arbeitsmarkt
  • Vermittlung von Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen
  • Hilfen zur beruflichen Eingliederung oder Aktivierung
  • Hilfen zur Wahl einer Ausbildung oder eines Berufs (Bildungs-, Berufsorientierungs- oder Berufsvorbereitungsmaßnahmen)
  • Hilfen zur Unterstützung behinderter Menschen im Berufs- und Arbeitsleben
  • Förderung der beruflichen Weiterbildung
  • Gründungszuschuss als Hilfe zur Selbstständigkeit
  • Arbeitslosengeld, Teilarbeitslosengeld
  • Übergangsgeld
  • Kurzarbeitergeld
  • Insolvenzgeld
  • Transferleistungen (ALG II, Elterngeld, BAföG, Wohngeld)

Eine wichtige Aufgabe der Arbeitslosenversicherung sieht der Staat also darin, Kosten für bestimmte Dinge zu übernehmen oder auch Geldleistungen für versicherte sowie nichtversicherte Personen zur Verfügung zu stellen, damit diese möglichst schnell wieder zu einem Arbeitsplatz kommen.

Leistungen für Arbeitnehmer

Zu den Leistungen für Arbeitnehmer zählen das Arbeitslosengeld I aus der Arbeitslosenversicherung wie auch das Arbeitslosengeld II, das als Grundsicherung dient.

Im Bauwesen und ähnlichen Branchen wird das sogenannte Kurzarbeitergeld gezahlt, wenn Arbeitnehmer aufgrund eines Arbeitsausfalls weniger Entgelt erhalten haben.

Die Agentur für Arbeit fördert Maßnahmen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung und bietet finanzielle Unterstützung beim (Wieder)Einstieg in einen Beruf. Dazu zählen Zuschüsse zu Kosten, die für Bewerbungen, Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen oder für Fortbildungen anfallen.

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Auszahlung von Leistungen

Die Dauer der Auszahlung von Arbeitslosengeld I hängt vom Alter des Antragstellers und der Dauer der sozialpflichtigen Beschäftigung vor der Arbeitslosigkeit ab.

Beschäftigungsdauer in MonatenAlterAnspruchsdauer in Monaten
12
16
20
24
30
36
48
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/
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/
50
55
58
6
8
10
12
15
18
24

Die Auszahlung vom Arbeitsgeld II ist abhängig vom Gesamteinkommen einer Bedarfsgemeinschaft.
Zu einer Bedarfsgemeinschaft gehören Ehepartner, Kinder, aber auch Verwandte und Angehörige, die mit dem Antragsteller zusammenleben. Das wird auch als „familiäre Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft mehrerer Personen“ definiert.

Voraussetzung für die Auszahlung von Leistungen ist die Hilfebedürftigkeit, die nach § 9 SGB II geregelt ist.
Hilfebedürftig ist laut Gesetz derjenige, der seinen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus seinem Einkommen oder Vermögen sichern kann.

Als Arbeitnehmer Leistungen beantragen

Um die Zeit zwischen dem Ende einer Beschäftigung und dem Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses durch Arbeitslosengeld zu überbrücken, muss man sich arbeitssuchend melden.
Dafür muss die Bundesagentur für Arbeit spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses darüber in Kenntnis gesetzt werden. Das ist persönlich, schriftlich oder telefonisch möglich. Zudem bietet die Internetseite der Agentur ein Kontaktformular an.

Bei einer verspäteten Meldung kann eine Sperrzeit eingesetzt werden, die dafür sorgt, dass das Arbeitslosengeld zu einem späteren Zeitpunkt als benötigt ausgezahlt wird und sich dadurch der Auszahlungszeitraum verringert.

Bei Arbeitslosigkeit muss spätestens am ersten Tag ohne Beschäftigung eine Meldung eingehen.
Das muss persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit erfolgen. Mitzuführen sind ein Personalausweis (oder Reisepass, aus dem die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis hervorgeht), der Sozialversicherungsausweis, ein Kündigungsschreiben oder Arbeitsvertrag sowie ein Lebenslauf.

Ein Antrag auf Arbeitslosengeld lässt sich auch online stellen. Um den eService der Bundesagentur für Arbeit nutzen zu können, muss man sich registrieren.

Maßnahmen zum (Wieder)Einstieg in einen Beruf

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bieten Coachings und Beratungsangebote an. Diese sollen eine Eingliederung ins Berufsleben begleiten und erleichtern.

Dabei sind die Maßnahmen auf die Bedürfnisse des Arbeitssuchenden ausgerichtet.
Obwohl das Angebot vielfältig ausfällt, kann es trotzdem sein, dass die passende berufsbildende Maßnahme nicht darunter ist.

Für solche Fälle gibt es den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), mit dem geeignete Maßnahmen wie Bewerbungstraining, Fremdsprachenkurse, fachliche Weiterbildungen oder ein Coaching zum Einstieg in die Selbstständigkeit gefördert werden können.

Im AVGS ist unter anderem die Höchstdauer der Maßnahme festgelegt, auch welche Inhalte dabei vermittelt werden sollen und in welcher Region die Maßnahme stattfinden darf.

Wichtig zu wissen ist, dass dieser Gutschein nicht für die Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung eingesetzt werden kann und eine Ermessungsleistung ist, das heißt, dass kein Rechtsanspruch darauf besteht.

Gründungszuschuss

Mit einem Gründungszuschuss werden Menschen unterstützt, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus beruflich lieber in der Selbstständigkeit verwirklichen möchten.
Die dabei aus der Arbeitslosenversicherung gezahlte Leistungen sind zur Deckung der Lebenserhaltungskosten gedacht.

Da kein rechtlicher Anspruch auf einen Gründungszuschuss besteht, muss ein Businessplan überzeugen.
Es bietet sich an, diesen mit einem Gründungsexperten auszuarbeiten. Die Beratung zählt als Weiterbildungsmaßnahme.
Die Kosten können über den AVGS abgerechnet werden.

Wichtige Leistungen für Arbeitnehmer im Überblick

  • Arbeitslosengeld
  • Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit
  • Kurzarbeitergeld bei Arbeitsausfall
  • Weiterbildungskosten
  • Gründungszuschuss
  • Berufsbildende Maßnahmen (Beratung, Vermittlung, Training)

Zuschüsse für Arbeitgeber aus der Arbeitslosenversicherung

Auch Arbeitgeber profitieren von der Arbeitslosenversicherung. Wenn sie Arbeitssuchende einstellen, die schwer vermittelbar oder beispielsweise aufgrund ihres Alters oder einer längeren Arbeitslosigkeit auf Fördermaßnahme angewiesen sind, wird aus der Arbeitslosenversicherung ein Eingliederungszuschuss ausgezahlt, der die eingeschränkte Arbeitsleistung finanziell ausgleichen soll.

Die Höhe und Dauer der Förderung richtet sich danach, wie sehr die Arbeitsleistung eingeschränkt ist.
Der Eingliederungszuschuss kann bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts betragen und wird für maximal 12 Monate ausgezahlt.

Bei Arbeitnehmerinnern und Arbeitnehmer über 50 Jahren kann die Förderung bis zu 36 Monate lang ausgezahlt werden.

Bei behinderten und schwerbehinderten Menschen ist eine Förderung bis zu 70 Prozent möglich.
Auch für die Dauer des Zuschusses gilt eine Sonderregelung: die kann auf bis zu 96 Monate ausgelegt werden.

Leistungen für Träger von Arbeitsförderungsmaßnahmen

Träger von Förderungsmaßnahmen sorgen dafür, dass Menschen, die aufgrund ihrer (sozialen) Herkunft oder gesundheitlicher Einschränkungen nicht benachteiligt werden und am Berufsleben teilhaben können.

Ein Beispiel ist das Arbeitsmarktprogramm "Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen" (FIM), das Asylbewerber an den Arbeitsmarkt heranführt.

Auch Träger von sozialen Einrichtungen wie Jugendwohnheime erhalten Zuschüsse.

Einzelnachweise und Quellen


  1. Bundesagentur für Arbeit: Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)
  2. Bundesagentur für Arbeit: § 9: Hilfebedürftigkeit
  3. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Eingliederungszuschuss
  4. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Arbeitsmarktprogramm FIM
  5. Gesetze im Internet: § 9 Hilfebedürftigkeit
  6. Gesetze im Internet: § 3 Leistungen der Arbeitsförderung (SGB 3)
  7. Anspruch auf Arbeitslosengeld: § 147 Grundsatz (SGB 3)
  8. Gesetze im Internet: § 341 Beitragssatz und Beitragsbemessung

Haftungsausschluss: Wir übernehmen, trotz sorgfältiger Prüfung, keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der hier dargestellten Informationen. Es werden keine Leistungen übernommen, die gemäß StBerG und RBerG Berufsträgern vorbehalten sind.

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