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Wer vor 2013 in Rente gegangen ist, für den verblasste die Steuererklärung schnell zu einer unangenehmen Erinnerung. Doch damit ist es seit 2013 vorbei.

Wie in der Presse berichtetet wurde, erhielten allein in Nordrhein-Westfalen allein 100.000 Rentner Post vom Finanzamt, welche die Empfänger unangenehm aus dem Ruhestand riss.

Denn sie sollten Steuern nachzahlen und eine Steuererklärung abgeben. Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass seit 2005 mehr als 1,3 Millionen Rentner und Pensionäre mehr steuerpflichtig geworden sind.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Die Idee hinter dem Alterseinkünftegesetz ist es, die Steuergrundlage zu erhöhen und die Privatvorsorge zu erhöhen. Die jetzigen Erwerbstätigen dürfen zunehmend mehr Geld für die Altersvorsorge von der Steuer absetzen.

Um die jetzigen Rentner nicht über Gebühr zu belasten, müssen diese auch nicht in jedem Fall eine Steuererklärung absetzen. Dies ist in folgenden Fällen notwendig:

  • Die Rentenbezüge (Gesetzlich, Rürup, etc.) übersteigen 8354 Euro (Ehepaare: 16708 Euro).
  • Man bezieht ohne Steuerkarte eine Firmenrente.
  • Man bezieht eine Rente aus privaten Rentenversicherungen.
  • Man bezieht eine Riester-Rente.
  • Man erhält Einnahmen aus selbstständiger Arbeit, Pacht oder aber Miete.
  • Auf Kapitalerträge ist noch eine Abgeltungssteuer abzuführen.
  • Der Ehepartner hat eine getrennte Veranlagung beantragt.
  • Im Vorjahr wurde ein Verlust festgestellt (bei Erwerbstätigkeit).

Pensionäre müssen unter folgenden Bedingungen eine Steuerklärung abgeben:

  • Lohn oder Pension wurde in der Steuerklasse 4 mit Faktor, 5 oder 6 versteuert.
  • Auf der Steuerkarte waren Freibeträge (mindestens einer) vermerkt.
  • Lohnzusatzleistungen wurden bezogen.
  • Auf Kapitalerträge ist noch eine Abgeltungssteuer abzuführen.
  • Ehepartner hat eine getrennte Veranlagung beantragt.
  • Vorsorgepauschale für Beamtengehalt ist höher als absetzbare Versicherungsbeiträge.
  • Lohnsteuer für Abfindung wurde nach Fünftelregelung berechnet.

Das Alterseinkünftegesetz wurde geändert

Entgegen dem, was in der heutigen Zeit vielfach kolportiert wird, wurden Renten eigentlich schon immer besteuert. Allerdings waren die Freibeträge so hoch, dass keine Steuerpflicht entstand.

In der Folge war die Abgabe der Steuererklärung zumeist freiwillig, bzw. nur dann Pflicht, wenn zusätzliche Einkünfte erzielt wurden. Dies regelte das Alterseinkünftegesetz. Dieses ist allerdings 2005 reformiert worden.

Durch die Reform vom Alterseinkünftegesetz werden Rentner sukzessive wie normale Arbeitnehmer behandelt. Dies bedeutet, dass Dinge wie Solidaritätszuschläge und Kirchensteuer auch bezahlt werden müssen.

Die typischen Freibeträge auf die Rente werden zudem mit jedem Jahr gesenkt. Dies bedeutet, dass ein immer größerer Anteil der Rente versteuert werden muss. Die Steuerpflicht wird also mit jedem Jahr und für jede Rentnergeneration größer.

Der Anteil der zu versteuernden Rente im Überblick

Jahrzu versteuernder Anteil der Rente
Vor 200650 Prozent
200652 Prozent
200754 Prozent
200856 Prozent
200958 Prozent
201060 Prozent
201162 Prozent
201264 Prozent
201366 Prozent
201468 Prozent
2040100 Prozent

Zu beachten ist zudem, dass das Finanzamt auch für die vorgehenden Jahre seit 2007 eine Steuererklärung nachfordern darf. Auch dies ist im Alterseinkünftegesetz geregelt.

Abschließende Hinweise: An Freibeträge und Steuerklasse denken

Steuererklärung für Rentner

Rentner, die zum ersten Mal die Steuererklärung abgeben, müssen an ihre Freibeträge denken. Beträgt der zu versteuernde Anteil ihrer Rente beispielsweise 10.000 Euro, dürfen sie davon 8354 Euro abziehen und weitere 102 Euro als Werbungskosten. Es bleibt also ein zu versteuerndes Einkommen von 1544 Euro.

Sollte man zusätzliche Einkünfte erzielen, die 450 Euro monatlich übersteigen, sind diese zwar zu versteuern, aber dann darf man auch hier wieder außergewöhnliche Belastungen sowie Sonderausgaben geltend machen.

Ist der Partner gestorben, darf der Rentner zudem im gleichen und dem folgenden Jahr in der vorteilhaften Steuerklasse 3 bleiben und muss erst dann in die Klasse 1 wechseln.

Besteuerung der Renten in Deutschland

Die Besteuerung der Renten wurde in Deutschland nämlich seit dieser Zeit von der vorgelagerten auf die nachgelagerte Besteuerung geändert.

Das bedeutet, dass Renten erst bei deren Auszahlung besteuert werden.

Im Gegenzug werden die Beiträge zur Altersvorsorge immer weniger besteuert.

Die Folgen der Änderung

Diese Änderung hat zur Folge, dass für alle Rentner, die nach 2005 in Rente gehen, regelmäßig ein gewisser Prozentsatz ihrer Rente zu versteuern ist. Dieser Prozentsatz erhöht sich jährlich um 2 % und wird im Jahre 2040 100 % der Rente betragen.

Wie berechnet sich der Prozentsatz der Rentenbesteuerung?

Welcher Prozentsatz für die eigene Rente zutrifft, wird mit dem Datum des Renteneintritts festgelegt und gilt dann für die gesamte Laufzeit der Rente.

Je später also eine Rentenzahlung beginnt, desto höher ist der Prozentsatz der Rente, der versteuert werden muss.

Für die meisten Rentner ändert die Neuregelung relativ wenig

Für einen Normalverdiener, also einen normalen Rentner, ändert sich allerdings recht wenig. Wer außer seiner Rente aus Arbeitsverdienst keine weiteren Alterseinkünfte hat, braucht nicht zu befürchten, dass er Steuern zahlen muss.

Dennoch kann es passieren, dass er eine Steuererklärung für Rentner machen muss. Denn das Finanzamt möchte zunächst einmal wissen, ob derjenige Rentner keine weiteren Einkünfte hat, die er erklären müsste.

Beantragung einer Nichtveranlagungsbescheinigung

Nach dem so eine Steuererklärung für Rentner einmal abgegeben wurde und das Finanzamt erkannt hat, dass außer Rente keine weiteren Einkünfte vorhanden sind, kann und sollte der Rentner eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen.

Diese wird vom Finanzamt auf Antrag ausgestellt und bedeutet, dass in den weiteren Jahren keine Steuererklärung für Rentner mehr abgegeben werden muss.

Hilfe bei der Steuererklärung findet man bei einem Lohnsteuerhilfeverein

Wer solch eine Steuererklärung für Rentner einmalig oder mehrmals abgeben muss, sollte sich unbedingt der Hilfe von Fachleuten eines Lohnsteuerhilfevereins versichern.

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