Die 5 wichtigsten Fakten über die Gewerbesteuer

  • Die Gewerbesteuer wird von Betrieben anstelle der Einkommensteuer bezahlt.
  • Ausgenommen von der Gewerbesteuer sind landwirtschaftliche oder nicht freiberufliche Tätigkeiten.
  • Die Gewerbesteuer wird vom zuständigen Finanzamt erhoben.
  • Die Gewerbesteuer wird von diesem dann an die Gemeinde des Firmenhauptsitzes weitergeleitet.
  • Auch für die Gewerbesteuer gilt ein Steuerfreibetrag, außer bei Kapitalgesellschaften.

Betriebe dürfen in Deutschland keine Einkommensteuer zahlen, da diese lediglich von natürlichen Personen zu entrichten ist. Sie müssen stattdessen Gewerbesteuern bezahlen.

Für die Gewerbesteuer gelten allerdings einige wichtige Sonderregelungen, die insbesondere Unternehmensgründer beherzigen sollten, da hier oft Fehler gemacht werden.

Wer muss Gewerbesteuer zahlen?

Gewerbesteuerpflichtig ist jede Form der wirtschaftlichen Tätigkeit, die nicht freiberuflich oder in der Landwirtschaft heimisch ist und mit dem Ziel ausgeübt wird, Gewinne zu erwirtschaften.

Faktisch müssen also alle juristischen Personen (auch Einzelunternehmen, die ein entsprechendes Gewerbe ausüben) die Abgabe zahlen, sofern sie eine Rendite erwirtschaften.

Wer erhält die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuern fließen an die Gemeinden. Allerdings wird die Abgabe von den Finanzämtern erhoben und anschließend weitergeleitet, da den Kommunen die hierfür nötige Infrastruktur fehlt.

Mit Ausnahme der Gewerbeanmeldung sind deshalb alle steuerlichen Fragen mit dem Finanzamt der Gemeinde des Hauptsitzes des Betriebs zu klären. Liegt der Hauptsitz im Ausland, ist die Behörde der Gemeinde der deutschen Hauptniederlassung zuständig. Im Zweifel kann man sich an das Finanzamt Berlin-Charlottenburg wenden.

Wie hoch ist die Gewerbesteuer?

Hierfür lässt sich kein genereller Wert angeben, da die Gemeinden durch den Hebesatz die Höhe festlegen können. Der Hebesatz muss wenigstens 200 Prozent betragen und ist nach oben hin offen.

Wie wird die Gewerbesteuer berechnet?

Der Gewerbeertrag (Gewinn auf den Hinzurechnungen und Kürzungen aufgeschlagen werden) wird mit 3,5 Prozent multipliziert. Das Ergebnis wird mit dem Hebesatz multipliziert. Ein Hebesatz von 400 Prozent wird in der Berechnung mit 'x 4,0' angewendet.

Welcher Freibetrag gilt bei der Gewerbesteuer?

Der Gewerbeertrag darf neben den Kürzungen zudem um einen Freibetrag reduziert werden. Dieser liegt für Personengesellschaften bei 24.500 Euro. Andere Betriebe mit Ausnahme von Kapitalgesellschaften haben einen Freibetrag von 5.000 Euro. Kapitalgesellschaften haben keinen Freibetrag.

Wie kann die Gewerbesteuer als Betriebsausgabe abgesetzt werden?

Bis 2008 konnte die Abgabe des Gewerbebetriebs tatsächlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Dies ist inzwischen nicht mehr möglich. Die Steuer ist generell nicht abzugsfähig.

Verluste bei den zu zahlenden Gewerbesteuern geltend machen

Eine Gewerbesteuerpflicht entsteht nur, wenn ein Unternehmen auch tatsächlich Gewinne gemacht hat. Hat der Betrieb in den Jahren zuvor allerdings Verluste gemacht, so kann er mit der Abgabe der Gewerbesteuererklärung in den Verlustjahren einen Verlustvortrag durchführen.

Der Gewinnertrag wird - sobald die Verlustzone verlassen wurde - um den entsprechenden Betrag reduziert. Die Verluste werden nach den Hinzurechnungen und Kürzungen, aber vor dem Freibetrag einbezogen.

Welchen Zweck hat die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer verfolgt zwei Ziele:

  • Die Kommunen bzw. Gemeinden in Deutschland sollen eine eigene Einnahmequellen besitzen
  • Den Betrieben, welche die Abgabe bezahlen, soll Steuergerechtigkeit widerfahren

Das erste Ziel lässt sich über den Hebesatz belegen. Mit diesem können die Gemeinden eigenständig die tatsächliche Höhe der Abgabe festlegen.

Das zweite Ziel hängt mit dem Gewerbeertrag, der Steuermesszahl und dem Steuermessbetrag zusammen. Letzterer ist tatsächlich maßgeblich für die Berechnung der Steuer. Der Steuermessbetrag ergibt sich aus dem Produkt von Gewerbeertrag und Steuermesszahl. Der Gewerbeertrag nimmt dabei die persönlichen Daten des Betriebs mit auf, wohingegen die Messzahl eine Konstante ist.

Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass jeder Betrieb wirklich nur nach seiner persönlichen Leistungskraft besteuert wird, kann er doch individuelle Hinzurechnungen und Kürzungen geltend machen.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Gewerbesteuer?

VorteileNachteile
Sie wird als fair empfunden.Die Berechnung ist aufgrund von Hinzurechnungen, Kürzungen, Steuermesszahl, Gewerbeertrag und Steuermessbetrag sehr kompliziert.
Sie nimmt tatsächlich die objektive Ertragskraft in den Blick.Aufgrund der Besteuerung der objektiven Ertragskraft haben die Kommunen und Gemeinden praktisch nie Sicherheit, wie viel Geld sie tatsächlich einnehmen können.
Sie gibt Gemeinden und Kommunen eine Finanzierungsgrundlage.Es gibt einen Wettbewerb der Gemeinden um die Betriebe, der dazu führt, dass die Steuern in bestimmten Regionen immer weiter abgesenkt werden.
Sie besitzt mit 24.500 Euro einen hohen Freibetrag.Die Zahlung der Steuer ist mit relativ viel Bürokratie verbunden.
Bis zu 72.500 Euro können steuerlich begünstigt werden.Nach der Meinung vieler Experten sind insbesondere zu viele Freiberufler von der Gewerbesteuer ausgenommen.

Wie hat sich die Gewerbesteuer historisch entwickelt?

Die erste Form der Gewerbesteuer wurde bereits 1936 eingeführt. Damals gab es allerdings noch kein ertragsabhängiges Verfahren, um die Abgabe zu erheben. Trotz zahlreicher Reformen änderte sich daran auch nichts bis 1998.

Die Gemeinden erhielten im Gegenzug vom Bund, weil durch die Einführung von Gewerbeertrag, Steuermesszahl und Steuermessbetrag ihre Finanzierungssicherheit ins Wanken geraten war, einen Anteil an der Umsatzsteuer.

Die jüngste größere Reform gab es 2008: Die Gewerbeabgabe ist seit damals keine Betriebsausgabe mehr und damit nicht für die anderen Steuerarten abzugsfähig.

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