Die wichtigsten Fakten

  • Der Kinderfreibetrag ist nur für die Steuerklassen 1 - 4 vorgesehen.
  • Kindergeld oder Kinderfreibetrag - beides zusammen gibt es nicht.
  • Der Kinderfreibetrag wird mit dem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung vom Finanzamt eingetragen.
  • Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Freibetrag oder das Kindergeld steuerlich günstiger ist.
  • Der Kinderfreibetrag lohnt sich bei einzelnen Personen ab einem Einkommen von 30.000 Euro, bei Ehepaaren ab 60.000 Euro.

Kinderfreibetrag - Was, wie, für wen?

Der Kinderfreibetrag ist ein Freibetrag, der Eltern bei der Einkommensteuer eine Steuererleichterung schafft. Um diesen Anspruch auf Lohnsteuerermäßigung geltend zu machen, muss der Kinderfreibetrag zuvor beim Finanzamt eingetragen worden sein.

rechner kinderfreibetrag

Während das Kindergeld eine Vorauszahlung ist, handelt es sich beim Kinderfreibetrag um eine Rechengröße bei der Einkommensteuererklärung.

Hier werden der Freibetrag und das jeweils vorausgezahlte Kindergeld gegeneinander aufgerechnet. Das Finanzamt ermittelt den Betrag, der für den Steuerpflichtigen am günstigsten ist. Dieser Vorgang heißt Günstigerprüfung.


In der Regel profitieren höhere Einkommen durch die Kinderfreibeträge. Als Richtwert kann hier von einem jährlichen Bruttoeinkommen ab 30.000 Euro für eine einzelne Person ausgegangen werden. Für niedrigere Einkommen lohnt es sich eher, das Kindergeld in Anspruch zu nehmen.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld?

Unser Erklärvideo:

Wichtige Fragen zum Kinderfreibetrag

Grundsätzlich ist es ratsam, zunächst erstmal das Kindergeld zu beantragen. Auch dann, wenn man davon ausgehen kann, den Kinderfreibetrag zu erhalten. Denn das Finanzamt geht bei der Günstigerprüfung immer davon aus, der das Steuerzahler das Kindergeld beantragt hat und rechnet diesen Betrag automatisch bei der Steuererklärung mit ein.

  • Alle Personen, die entweder keine oder nur sehr wenig Steuern zahlen müssen, sind mit dem Kindergeld in jedem Falle besser beraten.

Auch wenn die Kinder in die Ausbildung gehen, ist es für Eltern wichtig, sich zu informieren, wie es mit den beiden Varianten Kinderfreibetrag und Kindergeld aussieht.

Der Freibetrag hat sich 2017 geändert. So liegt er aktuell bei 7.356 Euro jährlich pro Kind für beide Elternteile.

Er setzt sich zusammen aus:

  • dem Bedarf für das sachliche Existenzminimum des Kindes 4.716 Euro
  • dem Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf 2.640 Euro.

Für Eltern, deren Kinder sich in der Berufsausbildung befinden, gibt es durch die Zahlung von Kindergeld oder die Unterstützung durch den Kinderfreibetrag ebenfalls Entlastungen. Dabei ist allerdings auf die Altersgrenze von 25 bzw. in Ausnahmefällen 27 Jahren zu achten.

Der Kinderfreibetrag in bestimmten Lebenssituationen

SteuerklasseKinderfreibetrag
Steuerklasse 17.356 Euro pro Kind und pro Jahr
Steuerklasse 27.356 Euro pro Kind und Jahr
Steuerklasse 37.356 Euro
Steuerklasse 43.678 Euro pro Ehepartner (in Summe: 7.356 Euro)
Steuerklasse 5kein Kinderfreibetrag
Steuerklasse 6kein Kinderfreibetrag

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Kinderfreibeträge im Falle einer Scheidung jeweils hälftig an beide Elternteile ausgezahlt werden. Dabei ist es unerheblich, von wem die Kinder betreut werden.

Auch hier gilt natürlich, dass die Freibeträge erst dann einen Steuervorteil bieten, wenn man als Alleinstehender die Einkommensgrenze von 30.000 Euro an Jahreseinkommen erreicht. Ansonsten sollte man die Zahlung von Kindergeld in Anspruch nehmen.

  • Übernimmt ein Elternteil weniger als 75 Prozent seiner Unterhaltspflicht, kann der Freibetrag vollständig auf das andere Elternteil übertragen werden.

Kinderfreibeträge können auch von den Eltern in Anspruch genommen werden, die Pflegekinder in ihren Haushalt aufgenommen haben. Als Voraussetzung dafür gilt allerdings die Feststellung eines Pflegekindschaftsverhältnisses.

Das heißt, dass die Beziehung zu dem Kind für einen längeren Zeitraum geplant sein muss und einen familienähnlichen Charakter hat. Es darf sich nicht um eine kurzzeitige Aufnahme des Kindes in den Familienhaushalt handeln.

Ist also das Pflegekindschaftsverhältnis festgestellt worden, dann ist damit auch der Anspruch auf Kinderfreibeträge ebenso wie auf Kindergeld entstanden und kann von der Pflegefamilie genutzt werden.

Häufig gestellte Fragen zum Kinderfreibetrag

Bei der Errechnung des Kinderfreibetrages gilt das Monatsprinzip. Wurden somit an wenigstens einem Tag in einem Monat die Voraussetzungen für die Berücksichtigung eines Kindes erfüllt, dann erhält man für eben diesen Monat den zwölften Teil des Jahresbetrags angerechnet.

Dabei steht jedem Elternteil jeweils die Hälfte des Kinderfreibetrages zu. Auf der elektronischen Lohnsteuerkarte ist dies mit einer 0,5 dargestellt. Der Wert ist unter dem Hinweis über die Zahl der Kinderfreibeträge zu finden.

Auch ist in bestimmten Fällen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte der Wert 1,0 vermerkt. Dies ist dann der Fall, wenn die Steuerklasse 5 oder 3 gewählt wurde. Es ist ebenfalls der Fall, wenn ein Kind von einem der Ehepartner adoptiert worden ist.

Ja, Kinderfreibeträge für ein behindertes Kind können geltend gemacht werden, wenn das Kind das 18. Lebensjahr bereits überschritten hat und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Altersbegrenzung ist sogar komplett aufgehoben, wenn das behinderte Kind sich aufgrund einer seelischen, geistigen oder körperlichen Behinderung nicht selbst unterhalten kann. Voraussetzung ist allerdings, dass die Behinderung bereits vor dem 25. Lebensjahr aufgetreten ist.

  • Eine Sonderregelung gibt es allerdings für Kinder, bei denen die Behinderung vor dem 1.1.2007 eingesetzt hat. In diesen Fällen gilt eine Altersgrenze von 27 Jahren.

 

Wenn das Kind eine weitergehende Ausbildung aufnimmt, bei der es regelmäßig wöchentlich mehr als 20 Wochenstunden erwerbstätig ist, dann entfällt die Steuererleichterung. Ausgenommen von diesem Wegfall sind allerdings Ferienjobs, da in dem Gesetzestext von einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit die Rede ist und dies bei Ferienjobs nicht der Fall ist.

Diese werden ja nur in den Semesterferien oder Ferien ausgeübt und sind damit nicht regelmäßig. Damit werden die Vorteile von Kinderfreibetrag/ Kindergeld nicht gemindert, wenn das Kind einen Ferienjob ausübt.

Seit 2012 müssen Eltern nicht mehr nachweisen, dass das Einkommen ihres Kindes 8.004 Euro übersteigt.

Das gilt für Kinder bis zum 25. Lebensjahr, die sich in einer Erstausbildung oder einem Erststudium befinden.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld – beide Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung der Eltern sind damit bis zu diesem Alter weiterhin vorhanden.

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass das Kind nicht eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden überschreitet.

Die Eltern, die einen Anspruch auf Kinderfreibetrag/Kindergeld haben, können einen weiteren Freibetrag für Sonderbedarf geltend machen, wenn das Kind zwischen 18 und 25 Jahre alt ist und auswärtig eine Berufsausbildung absolviert.

In dem Fall können die Eltern einen Freibetrag geltend machen, der jährlich bei 924 Euro liegt. Sollte das Kind eigene Einkünfte haben, die 1.848 Euro übersteigen, werden diese darauf angerechnet. Sollte das Kind BAFöG beziehen, wird dieses ebenfalls in voller Höhe angerechnet.

Kinderfreibetrag Kindergeld

Szenarien/Rechenbeispiele zum Kinderfreibetrag

Im Folgenden finden Sie drei Szenarien zum Kinderfreibetrag. Wenn Sie sich die Details zu einem der Szenarien ansehen möchten, klicken Sie dazu einfach auf den jeweiligen Button.

Prinzipiell hat der Kinderfreibetrag für die Lohnsteuer keine Relevanz. Interessant wird die Einkommenssteuerermittlung. Bei Einkünften von 24.000 Euro beläuft sich die Einkommenssteuer ohne Kinder auf 3.726,00 Euro (2015).

Nach Abzug des Kinderfreibetrags (16.848 Euro zu versteuerndes Einkommen) liegt die Steuerlast noch bei 1.784,00 Euro. Der Unterschied ist geringer als das erhaltene Kindergeld.

Beide Eltern werden gemeinsam veranlagt und erzielen Einkommen in Höhe von 64.000 Euro. Die Steuerlast (ohne Kinderfreibetrag) liegt an dieser Stelle bei 12.352,00 Euro. Nach Abzug des Freibetrags bleibt eine Einkommenssteuerlast in Höhe von 10.088,00 Euro.

Um einen Steuervorteil zu erreichen, muss die Differenz 2.256 Euro (im Jahr 2015) übersteigen. Im Rahmen der hier durchgeführten Günstigerprüfung ergibt sich ein Vorteil von acht Euro bei Inanspruchnahme des Freibetrags.

An dieser Stelle wird auch der Kinderfreibetrag in entsprechender Weise gekürzt. Nach § 32 Abs. 6 EStG reduziert sich der anrechenbare Betrag für jeden Monat um ein Zwölftel.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend:  Freibeträge für Kinder
  2. Bundesfinanzministerium: Steuerliche Entlastungen für Arbeitnehmer, Familien und Alleinerziehende 
  3. Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: Einkommensteuergesetz

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