Der Begriff Gender Pay Gap wird sehr häufig auch durch die Begriffe geschlechtsspezifisches Lohngefälle, Geschlechter-Einkommenslücke oder geschlechtsspezifischer Lohnunterschied ersetzt und hauptsächlich in den Bereichen der Sozialökonomie bzw. Soziologie verwendet. Gender Pay Gap soll Ungerechtigkeiten im Bereich der Gleichstellung im Berufsleben aufzeigen.

Mit diesem Begriff wird die Differenz beschrieben, die es zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn von Männern und Frauen gibt.

Gender Pay Gap in Deutschland

Die Situation in Deutschland hat sich in den Jahren 2006 bis 2018 nicht wirklich positiv entwickelt. Laut einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts und der daraus entstandenen Gender Pay Gap verdienten Frauen im Jahr 2010 durchschnittliche 22,3 Prozent wendiger als Männer. Im Jahre 2018 betrug die Differenz noch 20,9 Prozent.

Die Einzelwerte dieser Zeitspanne zeigen, wie wenig sich das geschlechtsspezifische Lohngefälle verändert hat:

201020112012201320142015201620172018
Gender Pay Gap22,3 %22,4 %22,7 %22,1 %22,3 %22,0 %21,5 %21,0 %20,9 %
Durchschnittsverdienst Männer 18,81 €19,17 €19,63 €19,89 €19,87 €20,25 €20,71 €21,00 €21,60 €
Durchschnittsverdienst Frauen 14,62 €14,88 €15,18 €15,50 €15,44 €15,80 €16,26 €16,59 €17,09 €

Gender Pay Gap im weltweiten Vergleich

Leider gehört Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zu den Staaten mit den höchsten Werten beim Gender Pay Gap. Im Jahre 2015 schnitten lediglich zwei europäische Staaten noch schlechter ab. In Australien wurde im Jahre 2012 ein Wert von 17,6 % erreicht. Der weltweite durchschnittliche Gender Pay Gap liegt in den Jahren 2018 und 2019 immer noch bei 20 %, was für Gleichstellungs-Experten deutlich zu hoch ist.

Welche Ursachen für Gender Pay Gap gibt es?

Es gibt unterschiedliche Ursachen, die für den im Gender Pay Gap zu findenden geschlechtsspezifischen Lohnunterschied verantwortlich sind. Vor allem folgende Faktoren spielen für die Ungleichheit bei der Bezahlung eine wichtige Rolle:

  • geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahl des Studienganges
  • von Frauen werden Berufsausbildungen oder Studienfächer gewählt, die weniger Karrierechancen bieten
  • das berufliche Engagement wird von Frauen nach der Geburt von Nachwuchs zugunsten der Familie zurückgefahren
  • die von Personalverantwortlichen gemachten Verdienstangebote an Frauen sind eventuell niedriger
  • eine latent vorhandene Diskriminierung von Frauen im Berufsleben (ablesbar am Frauenanteil in Leitungspositionen großer Unternehmen

Manche Experten führen ins Feld, dass Frauen sehr häufig mit einem niedrigeren Gehalt zufrieden seien, da sie ihr berufliches Engagement ohnehin stärker an den Bedürfnissen ihrer Familie orientieren. Zudem wird als Ursache genannt, dass Frauen sich mit Blick auf die Familie nicht in dem Maße für Weiterbildungen oder sonstige Qualifizierungen bemühen, wie dies Männer tun.

Was ist die Gender Pay Gap Lüge?

Obwohl vor allem in konservativen Kreisen immer wieder diskutiert wird, ob der Gender Pay Gap nicht eine Lüge ist, weil ja der bereinigte Wert bei lediglich etwa 6 % liege und die Gründe vor allem im Privatleben der Frauen zu finden seien, zeigen zahlreiche statistische Erhebungen, dass Frauen weltweit zum Teil deutlich weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen in ähnlichen Positionen.

  • Trotz gegenteiliger Behauptungen liegt einer der Hauptgründe noch immer in der beruflichen Diskriminierung von Frauen. Es gibt unzählige Fälle, in denen sich weibliche Angestellte um eine Führungsposition bewerben, für die sie alle notwendigen Qualifikationen besitzen und für die sie exzellent geeignet wären. Leider werden sie dennoch übergangen und ein männlicher Kollege mit deutlich weniger Qualifikationen erhält den Job. Da es keine sonstigen Gründe für eine derartige Entscheidung gibt, muss die Ursache zwangsläufig aufgrund des Geschlechts getroffen worden sein.

Sinnvolle Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap

Grundsätzlich ist der Gender Pay Gap eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Damit sich die Situation dauerhaft verändert und Frauen für gleiche Arbeit das gleiche Gehalt bekommen, muss mehr getan werden, als minimale Korrekturen beim Gehalt vorzunehmen. Um eine wirkliche Gleichstellung im Bereich der Entlohnung zu erreichen, benötigt man ein umfassendes gesamtgesellschaftliches Umdenken und Umlenken.

Gerade Unternehmer, die auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften sind, sollten hier neue Wege beschreiten und sich verstärkt für Frauen entscheiden.

Es braucht Konzepte und eventuell auch konkrete Gesetze, durch die sichergestellt wird, dass der Verdienst nicht mehr vom Geschlecht abhängig ist, sondern einzig von der Qualifikation der Person, die die Stellung einnimmt. Bestehende Benachteiligungen für Frauen, die nach dem Mutterschutz in den Beruf zurückkehren wollen, müssen beseitigt werden. Zudem braucht es eine bessere Betreuung für Kinder sowie flexible Arbeitszeitmodelle. Durch diese wären Frauen besser in der Lage, die Ansprüche der Familie mit dem beruflichen Werdegang in Einklang zu bringen.


Quellen

Wehrle, Martin: Viel Fleiß, kein Preis: Warum Frauen im Berufsleben oft den Kürzeren ziehen »
Franke, Sven / Hornung, Stefanie / Nobile, Nadine: New Pay - inkl. Arbeitshilfen online »


Haftungsausschluss: Wir übernehmen, trotz sorgfältiger Prüfung, keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der hier dargestellten Informationen. Es werden keine Leistungen übernommen, die gemäß StBerG und RBerG Berufsträgern vorbehalten sind.

Das könnte Sie auch interessieren