Aktualisiert am 24.11.2021 10:17 von Melanie Vahland

Erbschaftssteuer zahlt, wer ein Erbe antritt, das einen bestimmten Freibetrag überschreitet. Das Erbe kann Geld, ein Unternehmen oder eine Immobilie sein. Bei der Berechnung der Erbschaftsteuer und der Höhe des Freibetrages kommt es auf die Höhe des Erbes und den Verwandtschaftsgrad an.

Die Erbschaftsteuer in Deutschland ist zusammen mit der Schenkungssteuer im ErbStG (Erbschaftsteuergesetz) geregelt.

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Erbschaftssteuer Freibeträge in der Übersicht

Je nachdem, in welchem Verhältnis man zu dem Erblasser (die Person, die das Erbe hinterlässt) gestanden hat, gilt ein anderer Steuerfreibetrag bei der Erbschaftssteuer. Der Verwandtschaftsgrad bestimmt zusätzlich eine Erbschaftssteuerklasse, in die man eingeordnet wird.

In der folgenden Übersicht werden alle Steuerfreibeträge aufgeführt, die beim Antritt eines Erbes gelten sowie die entsprechende Erbschaftssteuerklasse, nach der sich der Erbschaftsteuersatz richtet.


Ehepartner
Freibetrag: 500.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Kinder*
Freibetrag: 400.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I
* Auch: Enkel (Eltern verstorben), Stief- und Adoptivkinder

Enkelkinder
Freibetrag: 200.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Ehepartner
Freibetrag: 500.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Kinder*
Freibetrag: 400.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Enkelkinder
Freibetrag: 200.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Eltern und Großeltern
Freibetrag: 100.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Entfernte Verwandte**
Freibetrag: 20.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse II
** z. B. Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder

Nicht verwandt
Freibetrag: 20.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse III

Eltern und Großeltern
Freibetrag: 100.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse I

Entfernte Verwandte**
Freibetrag: 20.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse II

Nicht verwandt
Freibetrag: 20.000 Euro
Erbschaftssteuerklasse III

* Auch: Enkelkinder (Eltern verstorben), Stiefkinder, Adoptivkinder
** z. B. Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder

Ein Erbschaftssteuerfreibetrag bestimmt die Höhe, ab der überhaupt Steuern für ein Erbe gezahlt werden müssen. Der Erbschaftssteuerfreibetrag gilt pro Erbe und Erblasser. Der Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro bei Kindern gilt also pro Kind und pro Elternteil.

Die Erbschaftssteuerklasse hat nichts mit der Steuerklasse zu tun, in die man vom Finanzamt eingeordnet wurde. Die Erbschaftssteuerklasse als Erbe ergibt sich rein aus dem Verhältnis zu demjenigen, der das Erbe hinterlässt (Erblasser).

Fachbegriffe einfach erklärt

Der Erbschaftssteuerfreibetrag bestimmt die Höhe, ab der das Erbe versteuert werden muss. Er wird durch den Verwandschaftsgrad festgelegt.

Die Erbschaftssteuerklasse bestimmt, nach welchem Steuersatz das Erbe versteuert wird. Sie wird ebenfalls durch den Verwandschaftsgrad festgelegt.

Der Erbschaftssteuersatz bestimmt, wie viel Prozent des Erbes als Steuer abgegeben werden müssen. Er wird durch die Erbschaftssteuerklasse und die Höhe des Erbes festgelegt.

Höhe der Erbschaftssteuer

Die Höhe der Erbschaftssteuer wird durch den Erbschaftssteuersatz festgesetzt. Der Erbschaftssteuersatz ergibt sich aus der Erbschaftssteuerklasse und der Höhe des Erbes, das über dem entsprechenden Freibetrag liegt.

Aus den folgenden Tabellen kann anhand der Erbschaftssteuerklasse und der Höhe des Erbes der Erbschaftssteuersatz abgelesen werden.

Steuersatz in Erbschaftssteuerklasse I
Steuerpflichtiges Erbe
(Wert > Steuerfreibetrag)
Steuersatz
75.000 Euro7%
300.000 Euro11%
600.000 Euro15%
6.000.000 Euro19%
13.000.000 Euro23%
26.000.000 Euro27%
höher als 26.000.000 Euro30%
Steuersatz in Erbschaftssteuerklasse II
Steuerpflichtiges Erbe
(Wert > Steuerfreibetrag)
Steuersatz
75.000 Euro15%
300.000 Euro20%
600.000 Euro25%
6.000.000 Euro30%
13.000.000 Euro35%
26.000.000 Euro40%
höher als 26.000.000 Euro43%
Steuersatz in Erbschaftssteuerklasse III
Steuerpflichtiges Erbe
(Wert > Steuerfreibetrag)
Steuersatz
bis 6.000.000 Euro30%
höher als 6.000.000 Euro50%

Das erben die Deutschen

Die Deutschen erben bis zu 400 Milliarden Euro im Jahr! Das hat eine Studie ergeben, die sich mit der Höhe des an Erben weitergegebenen Vermögens beschäftigt hat. Die Studie fand zudem heraus, dass bundesweit durchschnittlich 16 Prozent der Deutschen mehr als 100.000 Euro erben.

  • 47% Immobilien
  • 43% Geldvermögen
  • 10% Sachwerte

Eine Erbschaftssteuererklärung abgeben

Die Erbschaftssteuererklärung wird vom zuständigen Amtsgericht von jedem Erben verlangt, der einen Teil des Erbes erhält. Das Finanzamt wird vor der Verpflichtung zu einer Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung zunächst klären, ob es überhaupt zu einer Steuerpflicht kommen könnte.

Sollte man zu einer Erklärung der Erbschaft aufgefordert werden, ist das Wichtigste das Verzeichnis über den Nachlass, der zum Erbe gehört: Vermögen aller Art, Immobilien, Gegenstände, alles muss in der Erklärung aufgeführt werden. Die Erbschaftsteuererklärung gibt dem Finanzamt einen Überblick über die verschiedenen Werte innerhalb eines Erbes.

Im Mantelbogen der Erklärung muss angegeben werden, was im Erbe enthalten ist. Die Angaben sind verpflichtend, damit das Finanzamt entscheiden kann, ob Erbschaftssteuer fällig wird oder nicht.

Dokumente zur Erbschaftssteuererklärung herunterladen

Für die Erbschaftssteuererklärung benötigen Sie den Mantelbogen sowie die Anlage Erwerber zur Erbschaftsteuererklärung. Beide Dokumente können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen.

Mantelbogen Anlage

Häufige Fragen zum Thema Erbschaftssteuer

Was ist erbschaftssteuerpflichtig?

Grundsätzlich unterliegt das gesamte Vermächtnis des Erblassers der Steuerpflicht. Die Werte der einzelnen Elemente werden addiert. Ausgenommen von der Erbschaftssteuerpflicht ist lediglich der persönliche Nachlass: Tagebücher, Kleidung oder Möbel müssen also nicht versteuert werden.

Im Fall des persönlichen Nachlasses gibt es jedoch zahlreiche Grauzonen. Insbesondere bei Schmuck kann es passieren, dass die Gutachter diesen nicht als Teil des persönlichen Nachlasses betrachten.

Grundsätzlich gilt das Kriterium, dass der persönliche Gebrauch früher der ausschlaggebende Grund des Erwerbs gewesen sein muss. Bilder, Schmuck oder Autos können zugleich als Vermögenssicherung erworben worden sein. Sobald dies auf einen Teil des Nachlasses zutrifft, greift die Erbschaftssteuerpflicht.

Kann man die Erbschaftssteuer durch eine Schenkung umgehen?

Nein, man kann die Erbschaftssteuer nicht durch eine Schenkung umgehen. Um zu verhindern, dass ältere Menschen guten Freunden einfach ihr Vermögen im Alter durch eine Schenkung übertragen, um die Erbschaftssteuer zu umgehen, hat der Gesetzgeber die Regelungen analog gestaltet.

Es gelten bei einer Schenkung die gleichen Steuerfreibeträge wie bei der Erbschaft. Allerdings gibt es bei der Schenkungssteuer einen entscheidenden Vorteil: Der Freibetrag kann nicht nur einmalig, sondern alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden.

Bei einer Schenkung gibt es jedoch keinen Versorgungsfreibetrag, falls die Kinder die Erben bzw. Beschenkten sein sollten. Eine Schenkung belastet zudem die eigenen Finanzen und ist steuerlich nicht abzugsfähig.

Wer erhebt die Erbschaftssteuer?

Die Höhe der Erbschaftssteuer ist zwar bundeseinheitlich geregelt, dennoch fließt sie den Ländern zu. Konkret wird sie von dem Finanzamt erhoben, das zuletzt für den Erblasser zuständig gewesen ist.

Komplizierter ist es, wenn der Erblasser im Ausland gelebt hat. Existiert kein Doppelsteuerabkommen mit dem anderen Land und ist dieses nicht Mitglied der EU, so muss die Erbschaftssteuer doppelt gezahlt werden. Die deutsche Erbschaftssteuer wird in diesem Fall vom Finanzamt Berlin-Schöneberg erhoben.

Kann die Erbschaftssteuer verjähren?

Ähnlich wie die Einkommenssteuer verjährt auch die Erbschaftssteuer. Die Frist läuft fünf Jahre und beginnt im Folgejahr, nachdem man den Bescheid erhalten hat.

Die Verjährungsfrist kann unterbrochen werden. Dies passiert beispielsweise, wenn man um eine Stundung bittet oder amtliche Vollstreckungsmaßnahmen angewendet werden, die nicht direkt die Erbschaftssteuer betreffen. Anschließend beginnt die Uhr wieder bei Null zu ticken.

Was ist der Versorgungsfreibetrag bei der Erbschaftssteuer?

Kinder erhalten zusätzlich zum eigentlichen Freibetrag noch einen Versorgungsfreibetrag bei der Erbschaftssteuer, wenn der Erblasser ein biologisches Elternteil oder ein Teil der Adoptiveltern war. Die Höhe des Versorgungsfreibetrags bemisst sich am Alter des Kindes, das erben soll:

Bis 5 Jahre = 52.000€
6 bis 10 Jahre = 41.000€
11 bis 15 Jahre = 30.700€
16 bis 20 Jahre = 20.500€
21 bis 27 = 10.300€

Wie werden Sachgüter für die Erbschaftssteuer veranschlagt?

In der Regel erben die Bedachten nicht nur Geld, sondern auch Immobilien und sonstige Sachgüter wie beispielsweise Schmuck, Bücher, Möbel, Autos oder Elektronik. Der Wert der Sachgüter muss zum Todestag ermittelt werden.

Erben die Bedachten beispielsweise Immobilien im Wert von 200.000 €, so werden diese für die Erbschaftssteuer anschließend so behandelt, als würde es sich um ein Geldvermögen in dieser Höhe handeln.

Der Wert der Sachgüter entspricht deren Verkehrswert am Todestag. In aller Regel ermittelt der Nachlassverwalter die Summen für die Erben. Bei einer Schenkung wird fast identisch verfahren: Der Wert der Sachgüter ist allerdings für den Tag der Überlassung zu bestimmen.



Einzelnachweise und Quellen

  1. Bundesministerium für Finanzen: Erbschafts- und Schenkungssteuer
  2. Finanzverwaltung NRW: Erbschaften, Schenkungen und das Finanzamt
  3. Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz

Haftungsausschluss: Wir übernehmen, trotz sorgfältiger Prüfung, keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der hier dargestellten Informationen. Es werden keine Leistungen übernommen, die gemäß StBerG und RBerG Berufsträgern vorbehalten sind.