Die Gewerbesteuer ist eine sogenannte ertragsabhängige Steuer. Personen, die ein Unternehmen führen, sind unter bestimmten Umständen gewerbesteuerpflichtig.

Wann müssen Gewerbesteuern gezahlt werden? Wozu gibt es sie und wie wird diese berechnet? Lesen Sie weiter, wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten.


Den Gewerbesteuerhebesatz für Ihre Stadt

Gewerbesteuerhebesätze nach Bundesländern

Bundesland Anzahl der Städte Durchschnittlicher Hebesatz Niedrigster Hebesatz Höchster Hebesatz
Baden-Württemberg 1101 351 265 450
Bayern 2056 339 230 490
Berlin 1 410 410 410
Brandenburg 417 324 200 455
Bremen 2 460 460 460
Hamburg 1 470 470 470
Hessen 426 380 285 480
Mecklenburg-Vorpommern 755 343 200 465
Niedersachsen 946 373 300 500
Nordrhein-Westfalen 396 448 260 550
Rheinland-Pfalz 2305 373 320 900
Saarland 52 420 360 490
Sachsen 426 395 300 490
Sachsen-Anhalt 218 353 201 710
Schleswig-Holstein 1110 343 250 450
Thüringen 849 380 240 470

Allgemeines zur Gewerbesteuer

Gewerbesteuer

Ein Gewerbeertrag von einem Unternehmen muss versteuert werden. Allerdings dürfen die Betriebe in Deutschland keine Einkommensteuer zahlen, weil diese lediglich von natürlichen Personen zu entrichten ist. Stattdessen bezahlen Sie die sogenannte Gewerbesteuer. Für diese Form der Steuer gelten einige wichtige Sonderregelungen, die insbesondere Unternehmensgründer beachten sollten.

Gewerbesteuerpflichtig ist jede Form der wirtschaftlichen Tätigkeit, die nicht freiberuflich oder in der Landwirtschaft heimisch ist und mit dem Ziel ausgeübt wird, Gewinne zu erwirtschaften.

  • Jeder Unternehmer, der nicht freiberuflich oder in der Landwirtschaft tätig ist und mit seiner Arbeit Gewinne erzielt, ist gewerbesteuerpflichtig.

Faktisch müssen also alle juristischen Personen (auch Einzelunternehmen, die ein entsprechendes Gewerbe ausüben) die Abgabe zahlen, sofern sie eine Rendite erwirtschaften.

Die Gewerbesteuern fließen an die Gemeinden. Die Abgabe wird von den Finanzämtern erhoben und anschließend weitergeleitet, da den Kommunen die hierfür nötige Infrastruktur fehlt. Mit Ausnahme der Gewerbeanmeldung sind deshalb alle steuerlichen Fragen mit dem Finanzamt der Gemeinde des Hauptsitzes des Betriebs zu klären. Liegt der Hauptsitz im Ausland, ist die Behörde der Gemeinde der deutschen Hauptniederlassung zuständig.

Gewerbesteuern: Sinn und Zweck

Die Gewerbesteuer verfolgt in erster Linie zwei Ziele.

Die Gemeinden in Deutschland sollen eine eigene Einnahmequelle bekommen. Das lässt sich über den Hebesatz belegen. Mit diesem können die Gemeinden eigenständig die tatsächliche Höhe der Abgabe festlegen. Dabei fällt die Steuer in Städten und Ballungsgebieten höher aus, als in ländlicheren Regionen.

Den Betrieben, welche die Abgabe bezahlen, soll Steuergerechtigkeit widerfahren: Das hängt wiederum mit dem Gewerbeertrag, der Steuermesszahl und dem Steuermessbetrag zusammen. Letzterer ist tatsächlich maßgeblich für die Berechnung der Steuer. Der Steuermessbetrag ergibt sich aus dem Produkt von Gewerbeertrag und Steuermesszahl. Der Gewerbeertrag nimmt dabei die persönlichen Daten des Betriebs mit auf, wohingegen die Messzahl eine Konstante ist.

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass jeder Betrieb wirklich nur nach seiner persönlichen Leistungskraft besteuert wird, da er individuelle Hinzurechnungen und Kürzungen geltend machen kann.

Berechnung der Gewerbesteuer

Der Gewerbeertrag (Gewinn auf den Hinzurechnungen und Kürzungen aufgeschlagen werden) wird mit 3,5 Prozent multipliziert. Das Ergebnis wird mit dem Hebesatz multipliziert. Ein Hebesatz von ca. 400 Prozent wird in der Berechnung mit 'x 4,0' angewendet.
Achtung: Jede Gemeinde kann ihren eigenen Hebesatz bestimmen.

  • Die Formel, um die steuerlichen Abgaben des Gewerbes auszurechnen, gestaltet sich wie folgt:

        Ausgangslage: Gewinn 

    (+) Hinzurechnungen
    (-) Kürzungen
    (-) 24.500,00 Steuerfreibetrag bei natürlichen Personen und Personengesellschaften


    =   Gewerbeertrag

    x Steuermesszahl (3,5%)
    = Steuermessbetrag


    x   Hebesatz
    =   zuzahlende Gewerbesteuer

Eine Gewerbesteuerpflicht entsteht nur, wenn ein Unternehmen auch tatsächlich Gewinne gemacht hat. Hat der Betrieb in den Jahren zuvor allerdings Verluste gemacht, so kann er mit der Abgabe der Gewerbesteuererklärung in den Verlustjahren einen Verlustvortrag durchführen.
Der Gewinnertrag wird - sobald die Verlustzone verlassen wurde - um den entsprechenden Betrag reduziert. Die Verluste werden nach den Hinzurechnungen und Kürzungen, aber vor dem Steuerfreibetrag einbezogen.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Gewerbesteuer?

VorteileNachteile
Sie wird als fair empfunden.Die Berechnung ist aufgrund von Hinzurechnungen, Kürzungen, Steuermesszahl, Gewerbeertrag und Steuermessbetrag sehr kompliziert.
Sie nimmt tatsächlich die objektive Ertragskraft in den Blick.Aufgrund der Besteuerung der objektiven Ertragskraft haben die Kommunen und Gemeinden praktisch nie Sicherheit, wie viel Geld sie tatsächlich einnehmen können.
Sie gibt Gemeinden und Kommunen eine Finanzierungsgrundlage.Es gibt einen Wettbewerb der Gemeinden um die Betriebe, der dazu führt, dass die Steuern in bestimmten Regionen immer weiter abgesenkt werden.
Sie besitzt mit 24.500 Euro einen hohen Steuerfreibetrag.Die Zahlung der Steuer ist mit relativ viel Bürokratie verbunden.
Bis zu 72.500 Euro können steuerlich begünstigt werden.Nach der Meinung vieler Experten sind insbesondere zu viele Freiberufler von der Gewerbesteuer ausgenommen.

Gewerbesteuer: Die wichtigsten Fakten

  • Die Gewerbesteuer wird von Betrieben anstelle der Einkommensteuer bezahlt.
  • Ausgenommen von der Gewerbesteuer sind landwirtschaftliche oder nicht freiberufliche Tätigkeiten.
  • Sie wird vom zuständigen Finanzamt erhoben.
  • Die Gewerbesteuer wird von diesem dann an die Gemeinde des Firmenhauptsitzes weitergeleitet.
  • Auch für die Gewerbesteuer gilt ein Steuerfreibetrag, außer bei Kapitalgesellschaften.

Gewerbesteuer: Die häufigsten Fragen

Jeder Unternehmer, der mit seiner Tätigkeit Gewinne erzielt. Ausgenommen sind Personen, die freiberuflich arbeiten oder im Bereich der Landwirtschaft tätig sind.

Die steuerlichen Abgaben des Gewerbes gehen an die jeweilige Gemeinde, in der das Unternehmen ansässig ist.

Hierfür lässt sich kein genereller Wert angeben, da die Gemeinden durch den Hebesatz die Höhe festlegen können. Der Hebesatz muss wenigstens 200 Prozent betragen und ist nach oben hin offen.

Der Gewerbeertrag darf neben den Kürzungen zudem um einen Steuerfreibetrag reduziert werden. Dieser liegt für Personengesellschaften bei 24.500 Euro. Andere Betriebe mit Ausnahme von Kapitalgesellschaften haben einen Steuerfreibetrag von 5.000 Euro. Kapitalgesellschaften haben keinen Steuerfreibetrag.

Bis 2008 konnte die Abgabe des Gewerbebetriebs tatsächlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Dies ist inzwischen nicht mehr möglich. Die Steuer ist generell nicht abzugsfähig.

Allgemein werden mit den steuerlichen Abgaben zwei Ziele verfolgt:

  • Die Kommunen bzw. Gemeinden in Deutschland sollen eine eigene Einnahmequelle besitzen.
  • Den Betrieben, welche die Abgabe bezahlen, soll Steuergerechtigkeit widerfahren.

Einzelnachweise und Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Gewerbesteuergesetz
  2. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: § 8 Hinzurechnungen
  3. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: § 7 Gewerbeertrag

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