Hinter dem Wertaufhellungsprinzip verbirgt sich ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre bzw. dem Rechnungswesen.

Dieses Prinzip besagt, dass ein Jahresabschluss auch solche Verluste und Risiken enthalten muss, die zwar bis zum Abschlussstichtag entstehen, allerdings erst bis zur Jahresabschluss-Erstellung bekannt werden.

Das Wertaufhellungsprinzip ist ein sogenanntes Vorsichtsprinzip zum Fundament einer ordnungsmäßig durchgeführten Buchführung. Rechtsgrundlage ist § 252 Abs. 1 Nr. 4 Handelsgesetzbuch (HGB).

Wertaufhellungsprinzip und Wertbegründung

Zwischen dem Wertaufhellungsprinzip und der Wertbegründung besteht ein enger Zusammenhang, weil letztere sozusagen die Weiterführung des Wertaufhellungsprinzips darstellt.

Die Wertbegründung (die auch als Wertbeeinflussung bezeichnet wird) ist ebenfalls teil des Rechnungswesens. Sie regelt den Umgang mit Informationen zu Sachverhalten im Jahresabschluss. In einem solchen Jahresabschluss dürfen nämlich erst nach dem Abschlussstichtag eingetretene Sachverhalte nicht berücksichtigt werden.

Zwei einfache Beispiele können die praktische Anwendung von Wertaufhellungsprinzip und Wertbegründung verdeutlichen. Man braucht sich nur folgende Situationen vorzustellen:

Wertaufhellungsprinzip: Ein Unternehmen hat eine Forderung gegenüber einem Zulieferer, die im Dezember entsteht. Der Abschlussstichtag für den Jahresabschluss ist der 31. Dezember. Am 15. Februar wird bekannt, dass der Zulieferer und Schuldner schon am 21. Dezember einen Insolvenzantrag gestellt hat und die Forderung damit als uneinbringlich einzustufen ist. Die Erstellung des Jahresabschlusses für das abgelaufene Geschäftsjahr wird am 28. Februar vorgenommen. Somit wird aufgrund der Information über die Insolvenz vom 15. Februar deutlich bzw. "erhellt", dass die Forderung schon am letzten Tag des zurückliegenden Geschäftsjahres nicht mehr einzubringen war. Aus diesem Grund muss bei der Aufstellung des Jahresabschlusses diese Uneinbringbarkeit berücksichtigt werden.

  • Wertbegründung: Ein Produzent für Einbauküchen erfährt im März 2005, während der Aufstellung des Jahresabschlusses bzw. der Bilanz für 2004 zum Abschlussstichtag 31. Dezember 2004, dass die Einbauküchen, die er schon im Februar 2005 hergestellt und an seine Kunden geliefert hatte, einen schwerwiegenden Baufehler enthalten. Dies ist eine sogenannte "wertbegründende" Information. Aus diesem Grund darf er sie in der Bilanz 2004 nicht berücksichtigen.

Wertaufhellungsprinzip bei Verbindlichkeiten

Bei Verbindlichkeiten kann eine Rückstellung gebildet werden. Dies gilt laut dem Werterhellungsprinzip allerdings nur dann für Verbindlichkeiten, wenn diese zwar dem Grunde nach bekannt sind, allerdings nicht bezüglich der Höhe oder der Fälligkeit.

In diesem Fall muss eine Schätzung vorgenommen werden. Wenn eine Rechnung nach dem Abschlussstichtag, aber vor der Erstellung des Jahresabschlusses eintrifft, ist die Schätzung obsolet, da dann die Höhe und das Fälligkeitsdatum bekannt sind.

Wertaufhellungszeitraum beim Wertaufhellungsprinzip

Laut der Rechtsprechung durch den Bundesfinanzhof endet der für die im Rahmen des Steuerrechts vorzunehmende Gewinnermittlung maßgebende Wertaufhellungszeitraum am Tag der Jahresabschlussaufstellung.

In jedem Fall aber endet der Wertaufhellungszeitraum an dem Tag, an dem gemäß der Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) der handelsrechtlich relevante Jahresabschluss spätestens erstellt worden sein müsste.

  • In Streitfällen wird der Wertaufhellungszeitraum durch die gesetzlich vorgeschriebene Frist bezüglich der Aufstellung des Jahresabschlusses begrenzt (siehe § 264 Abs. 1 Satz 3 Handelsgesetzbuch). Dort ist festgelegt, dass die Aufstellung des Jahresabschlusses für das abgelaufene Geschäftsjahr spätestens drei Monate nach dem Beginn des aktuellen Geschäftsjahres zu erfolgen hat.

Quellen

Handelsgesetzbuch (HGB) § 252 »
Handelsgesetzbuch (HGB) § 264 »
Wehrheim, Michael / Gehrke, Matthias / Renz, Anette: Die Handels- und Steuerbilanz: Bilanzierung, Bewertung und Gewinnermittlung »


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