In Deutschland und auch in vielen anderen Ländern gilt die Frau in Führungspositionen immer noch eher als Ausnahme.

Managerinnen finden sich im Vergleich zu ihrem männlichen Pendant seltener in den Chefetagen großer Unternehmen. Der Grund hierfür liegt häufig in einem veralteten Rollenverständnis von Mann und Frau.

Noch heute gibt es Länder, in denen Frauen gesellschaftlich deutlich schlechter gestellt sind, als Männer. In vielen Ländern hat sich die Rolle der Frau jedoch im letzten Jahrhundert stark gewandelt, was auch dem Kampf der internationalen Frauenbewegung zu verdanken ist.

Obwohl die Zahl der Frauen in Führungspositionen noch nicht der der Männer entspricht, hat sich die Gesellschaft zu großen Teilen vom überholten Bild der Frau verabschiedet.

Statistik und Zahlen zu Frauen in Führungspositionen

Seit dem Jahr 2013 werden in Deutschland Statistiken zum Anteil von weiblichen Personen in Führungspositionen geführt.

Am 1. Januar 2019 gab es in den insgesamt 160 börsennotierten Konzernen insgesamt 61 Frauen in Führungspositionen, etwa als Managerinnen oder als Mitglieder in den Vorständen.

Im Jahr 2018 lag die Zahl bei 50, was bedeutet, dass es elf Frauen in führenden Positionen mehr gab, als im Jahr zuvor. Der Frauenanteil wuchs damit innerhalb von 12 Monaten von 7,3 Prozent auf 8,6 Prozent, was der höchste, bisher gemessene Wert ist.

Demgegenüber betrug die Zahl männlicher Vorstände 650 und wuchs damit um zwölf.

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  • Im Jahr 2018 feierte Deutschland tatsächlich erst den 100. Geburtstag des Frauenwahlrechts. Seit 1908 ist es ihnen gestattet, Abitur zu machen. Eine arbeitende Ehefrau war auch in Deutschland noch bis zum Jahr 1958 ein gesellschaftliches Tabu. Sie durfte bis dahin ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes weder arbeiten, noch ein eigenes Konto bei einer Bank eröffnen.

Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen

Wer als Frau in einem Unternehmen beruflich vorankommen und in eine leitende Position gelangen möchte, der steht vor großen Herausforderungen. Diese bestehen hauptsächlich darin, über lange Zeit entstandene Vorurteile aufzubrechen, sich durch Kompetenz und Wissen einen guten Ruf zu erarbeiten und sich auf diese Weise für Führungspositionen zu empfehlen.

Als Barrieren beziehungsweise Hindernisse erweisen sich bei einem solchen Vorhaben vor allem das bereits erwähnte, fest verankerte Frauenbild vom schwachen und unfähigen Wesen.

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Zudem ist die Konkurrenz von Seiten der Männer oder anderer, ebenfalls ambitionierter Frauen nicht zu unterschätzen. Möchten Frauen in Führungspositionen aufrücken, müssen sie ihre Fähigkeiten vorher sehr viel öfter unter Beweis stellen, als dies für männliche Kollegen gilt.

Mögliche Brücken beim Bestreben, selbst in eine führende Position zu gelangen, können bereits im Unternehmen tätige Frauen in hohen Positionen sein. Unter Umständen übernehmen sie die Rolle einer Mentorin. Es ist sicher auch hilfreich, wenn im Unternehmen bereits Maßnahmen zur beruflichen Gleichstellung von Frauen und Männern ergriffen wurde.

Obwohl es sich immer noch als schwierig erweisen kann, ist die wichtigste Brücke zu einer Führungsposition die eigene Kompetenz und die Fähigkeit, diese durch Ideenreichtum, zuverlässige Arbeit und Teamwork unter Beweis zu stellen.

Beispiele für Frauen in Führungspositionen

Es gibt inzwischen sehr erfolgreich agierende Frauen in Führungspositionen. Selbst große, international präsente Konzerne wissen inzwischen die Kompetenzen von Frauen zu schätzen und berufen sie in hohe oder höchste Positionen.

Bekannte Beispiele für Frauen in Führungspositionen sind beispielsweise:

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Premierministerin Theresa May
  • BASF-Managerin Saori Dubourg
  • DB-Fernverkehr Vorstandsvorsitzende Birgit Bohle
  • General-Motors Chefin Mary Barra
  • Hewlett-Packard Chefin Meg Whitman
  • Facebook Geschäftsführerin Sheryl Sandberg

Diese Liste beruflich erfolgreicher Frauen ließe sich weiterführen. Alle genannten Frauen in Führungspositionen haben diese nicht etwa durch Erbe oder Heirat erhalten, sondern zeichnen sich durch erfolgreiche, oft mehrfache Studienabschlüsse oder entsprechende Ausbildungen aus.

Dabei beschränkt sich das Engagement erfolgreicher Frauen nicht nur auf Bereiche, die einem bestimmten Rollenbild der Frau entsprechen. Sie sind also nicht nur in der Mode- oder Kosmetikbranche erfolgreich, sondern können großes Wissen und umfassende Erfahrungen in Wirtschaftszweigen wie beispielsweise IT, Finanzwesen, Transport beziehungsweise Politik vorweisen.

Förderung von Frauen in Führungspositionen

Die Gleichstellung im Berufsleben und die Erhöhung des Anteils von weiblichen Personen in Führungspositionen ist keine Aufgabe, die allein durch Förderprogramme oder Coachings erreicht wird.

Zunächst liegt es an der Politik das für sie mögliche zu tun, um die Stellung der Frauen zu verbessern. Aus diesem Grund wurde beispielsweise im Jahre 2015 das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FührposGleichberG)" in Kraft gesetzt.

Inzwischen gibt es auch speziell zugeschnittene Förderprogramme, die zum Ziel haben, Frauen in Führungspositionen zu bringen oder sie in der bereits ausgeübten Tätigkeit als Führungskraft zu unterstützen. Es werden beispielsweise Stipendien vergeben.

Hier sind vor allem die folgenden Programme zu nennen:

  • YOLANTE-Mentoring Programm von Siemens für Naturwissenschaftlerinnen und Studentinnen im Bereich Technik
  • MTU-STudienstiftung für Studierende in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik
  • YOUNG-WOMEN-LEADERSHIP bietet Stipendium für angehende weibliche Führungskräfte
  • Minerva-Programm der Max-Planck-Gesellschaft als Förderung junger Wissenschaftlerinnen
  • Eva-Wolzendorf Stipendium für Studentinnen im Bereich Mathematik

Auch Coachings zur Qualifizierung von Frauen in Führungspositionen werden verstärkt angeboten, etwa von den nachfolgend genannten Institutionen beziehungsweise Personen:

  • Haufe Akademie
  • Gerda Bornschier
  • SheBoss
  • Laura Burckhardt
  • Henschel Coaching
  • St. Galler Business School

Von diesen Anbietern wurden Coachings und Seminare entwickelt, die sich speziell an erfolgsorientierte Frauen wenden und durch ihre Inhalte mit beitragen können, Frauen in Führungspositionen zu bringen. Dabei konzentrieren sich die Coachings meist darauf, die Stärken der Frauen weiterzuentwickeln.

  • u-netz war beispielsweise ein Forum, welches dem Austausch über betriebswirtschaftliche und genderspezifische Fragen für selbständige Frauen und Frauen in Führungspositionen diente. Zudem fand über einen Zeitram von 16 Jahren hinweg jährlich ein Unternehmerinnentag in NRW statt, welcher von zahlreichen Unternehmen und Kooperationspartnern unterstützt wurde. Die Initiative setzte sich dadurch für mehr Frauen in Führungspositionen ein.

Vorteile von Frauen in Führungspositionen

Obwohl beide Geschlechter vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wenn sie in eine Führungsposition kommen, erweist sich die Frau in dieser Situation nicht selten als die geeignetere Führungskraft.

Ihre Stärken im Umgang mit untergeordneten Mitarbeitern, ihre kommunikativen Fähigkeiten sowie eine oft ausgeprägte Beziehungskompetenz nutzen sie zu ihrem Vorteil. Was viele Außenstehende als Vorteil werten, ist die positive Wirkung, die Frauen auf ihr Umfeld ausüben.

Internationaler Vergleich von Frauen in Führungspositionen

Ein im Jahr 2004 durchgeführter Vergleich auf internationaler Ebene ergab, dass in den Aufsichtsräten (auch Boards genannt) der weltweit 200 größten Unternehmen Frauen lediglich zu einem Zehntel vertreten waren.

Bei 22 der Unternehmen lag der Frauenanteil bei mindestens 25 Prozent. Unter diesen Konzernen fanden sich auch drei deutsche Unternehmen. Allerdings zeigte sich damals, dass sie ausschließlich durch die unternehmenseigenen Arbeitnehmervertretungen in die Aufsichtsräte entsandt worden waren.

Im Jahr 2015 zeigte ein weiterer Vergleich, dass es tatsächlich nur drei Länder weltweit gab, in denen der Anteil von weiblichen Personen in Führungspositionen den Anteil der Männer überstieg. Diese Länder waren Jamaika, Kolumbien und Santa Lucia, also sehr kleine Staaten.

In den Jahren 2010 bis 2017 ist der Anteil übrigens insgesamt gesunken, von 29,9 (2010) Prozent auf 29,2 Prozent (2017).

Frauen in Führungspositionen nach Branchen

Der Rückgang im Bereich Frau in Führungspositionen in Deutschland zeigt sich in einzelnen Branchen, die als "Männerdomänen gelten, etwa in der Unternehmensberatung oder der Gebäudesicherung. Hier ging der Frauenanteil von 35,3 Prozent im Jahr 2011 auf 28,0 Prozent im Jahr 2017 zurück.

Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich in den Branchen Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungswesen, Verkehr sowie Handel und Gastgewerbe (Gastronomie und Hotel).


Quellen

Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FührposGleichberG) »
Statista: Frauen in Führungspositionen im EU-Vergleich »
Haas, Christine: Mehr weibliche Chefs? In Deutschland werden es wieder weniger »
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young: Mixed Leadership Barometer: Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in deutschen börsennotierten Unternehmen, Januar 2019
»
Kaup, Julia: Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen: Eine Ursachenanalyse »
Neubrand, Angelika: Vergleich von Frauen in Führungspositionen zwischen Deutschland und Frankreich »


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