Die Steuerklasse nach der Heirat ist automatisch die Steuerklasse 4. Wer in die Steuerklassenkombination 3/5 wechseln möchte, muss dies schriftlich beim Finanzamt beantragen. Auch wenn ein Ehepartner kein Gehalt erhält, wird man automatisch in die Steuerklasse 4 eingeordnet.

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Welche Steuerklassenkombinationen sind nach der Heirat möglich?

Je nachdem, ob beide Ehepartner in etwa gleich viel verdienen oder ob sich ihre Bruttoverdienste erheblich voneinander unterscheiden, sollten sie nach der Heirat in der automatisch zugewiesenen Steuerklasse 4 verbleiben.

Die Steuerklasse 4 sieht pro Person im Jahr 2021 einen Grundfreibetrag in Höhe von 9.744 Euro und einen Kinderfreibetrag in Höhe von 4.194 Euro vor.

Für Ehepaare gibt es nur folgende mögliche Steuerklassenkombinationen: 3/5 und 4/4. 3/5 bietet sich bei unterschiedlichen Verdiensten und 4/4 bei annähernd gleichen Verdiensten an.

Der Kinderfreibetrag ist zwar nur halb so hoch wie in den Steuerklassen 1, 2 und 3, er wird jedoch beiden Ehepartnern gleichermaßen zugesprochen, so dass sie in der Gesamtsumme wieder auf 8.388 Euro im Jahr 2021 und pro Kind kommen.

Nicht immer ist ein sofortiger Wechsel in die Steuerklassenkombination 3/5 sinnvoll. Vor dem Steuerklassenwechsel nach einer Heirat sollte man sich Gedanken machen, wie die finanzielle Zukunft aussieht.

Die Steuerklasse nach der Heirat

Steuerklasse nach der Heirat ändern: Wechselformular und ELStAM

Seitdem das Verfahren "Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale“ (ELStAM) eingeführt wurde, übermittelt die Meldebehörde automatisch nach einer Eheschließung folgende Informationen an die Finanzverwaltung:

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass beide Eheleute ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

Ein weiterer Vorteil von ELStAM ist, dass auch dem Arbeitgeber die Steuerklasse automatisch zum Abruf zur Verfügung gestellt wird.

  • Wer von der Steuerklassenkomination 4/4 in die Steuerklassen 3 und 5 wechseln möchte oder umgekehrt, muss dies mit dem 'Antrag auf Steuerklassenwechsel für Ehegatten' beim zuständigen Finanzamt beantragen.

Szenarien und Rechenbeispiele

Im Folgenden werden drei gängige Szenarien für die Steuerklasse nach der Heirat vorgestellt.

An dieser Stelle haben die Betroffenen den geringsten Aufwand. Hintergrund: In Deutschland gilt seit einigen Jahren der Grundsatz, dass im Rahmen der Eheschließung die Finanzbehörden informiert werden.

Aufgrund dessen erfolgt automatisch die Einordnung der Ehepartner in die neue Lohnsteuerklasse. Die Steuerklasse nach der Hochzeit bewirkt also: Für beide gilt zuerst die Steuerklasse 4, welche im Anschluss individuell angepasst werden kann.

Hier sieht die Situation folgendermaßen aus: Zuerst vergibt das Finanzamt nach der Hochzeit für beide Partner – ganz automatisch – Steuerklasse 4. Um die Abgabenlast positiv zu beeinflussen, kann sich der Wechsel in die Kombination Steuerklasse 3/5 lohnen.

Dieser Wechsel muss aber beantragt werden. Alternativ besteht die Chance, mit der Steuerklasse 4 mit Faktor zu arbeiten.

Wird die Ehe während der Schwangerschaft geschlossen, sollte sich das Paar zum Handeln entschließen. Da die Höhe des Elterngeldes ans Nettoeinkommen gekoppelt ist, hat die Steuerklasse 3/5 positive Auswirkungen. Allerdings kann es – je nach Situation – für das andere Elternteil eventuell zu Nachteilen kommen.

Wichtige Fragen zur Steuerklasse nach der Heirat

Verdient ein Ehepartner signifikant mehr als der andere, kann sich auch ein Ehegattensplitting anbieten.

Es sieht unter anderem vor, dass der eine Ehepartner in die Steuerklasse 3 und der andere Ehepartner in die Steuerklasse 5 eingeordnet wird.

In der Steuerklasse 3 sind die Lohnabzüge deutlich geringer als in der Steuerklasse 4 oder 5. So liegt der Grundfreibetrag in dieser Steuerklasse nicht bei 9.744 Euro, sondern bei 19.488 Euro im Jahr 2021, während der Grundfreibetrag für Steuerklasse 5 komplett entfällt.

Sofern der gut verdienende Ehepartner Steuerklasse 3 nutzt, kann dies dazu führen, dass das Ehepaar monatlich netto mehr Geld zur Verfügung hat, als dies in der Steuerklasse 4 der Fall wäre. Allerdings wird diese vermeintliche Steuerersparnis bei der Einkommensteuererklärung durch Nachzahlungen wieder relativiert.

Die Steuerklasse 5 ist für den Ehegatten mit dem geringeren Einkommen gedacht. Der Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro, der Sonderausgabenpauschbetrag in Höhe von 36 Euro und der Vorsorgepauschbetrag in individueller Höhe könnten in dieser Steuerklasse unverändert geltend gemacht werden.

Allerdings hat das Ehegattensplitting speziell für den Ehepartner in der Steuerklasse 5, neben der relativ hohen Wahrscheinlichkeit, Nachzahlungen nachzahlen zu müssen,  einen weiteren Nachteil. Er wird deutlich höhere Lohnabzüge hinnehmen müssen, als dies in den meisten anderen Steuerklassen der Fall wäre.

In der Steuerklasse 5 gibt es weder einen Grundfreibetrag noch einen Kinderfreibetrag.

Ist es zum Beispiel absehbar, dass ein Ehepartner in naher Zukunft Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld oder Elterngeld beziehen wird, sollte dies bei der Wahl der Steuerklasse nach der Heirat berücksichtigt werden. Die Lohnersatzleistungen berechnen sich nach dem letzten Nettoeinkommen.

Bei der Steuerklasse 3 ist das Nettoeinkommen höher als bei der Steuerklasse 5. Vor der Geburt eines Kindes kann es sich daher lohnen, vorher in Steuerklasse 3 zu wechseln. Auf diese Weise würde sich das Elterngeld erhöhen.

Immer dann, wenn sich einer der beiden Ehepartner entscheidet, mehrere Jobs gleichzeitig auszuführen, wäre die Steuerklasse 6 von Bedeutung.

Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn beide Ehepartner nebenbei jobben und auf diese Weise ihre Haushaltskasse aufbessern möchten.

In der Steuerklasse 6 gibt es keinerlei Steuerfreibetrag. Deshalb sind die Abzüge sehr hoch.

Einzelnachweise & Quellen


  1. Bundesministerium der Finanzen und für Verbraucherschutz: Merkblatt zur Steuerklassenwahl
  2. Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen: Änderung der Steuerklasse
  3. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG)§ 38b Lohnsteuerklassen, Zahl der Kinderfreibeträge

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