Steuerklasse 4 mit Faktor: Die Fakten

  • Das Faktorverfahren bei der Steuerklasse 4 ist ein Anteilsmodell zur gerechteren Besteuerung ungleicher Einkommen.
  • Mit Steuerklasse 4 mit Faktor können Ehepaare die Besteuerung an die Höhe ihrer jeweiligen Einkommen besser anpassen.
  • Bei Steuerklasse 4 mit Faktor zahlt derjenige mit dem geringeren Einkommen auch weniger Lohnsteuer.
  • Allerdings lohnt sich das Faktorverfahren im Vergleich mit der Steuerklassenkombi 3/5 nicht immer. Ein Vergleich der möglichen Steuerklassen ist sinnvoll.

Steuerklasse-4-Faktor

Steuerklasse 4 mit Faktor: Das bedeutet das Faktorverfahren

Berufstätigen Ehepaaren wird automatisch die Steuerklassenkombination 4/4 zugewiesen.
Darüber hinaus haben sie die Wahl zwischen zwei weiteren Kombinationen:

  • 3/5
  • und 4-Faktor/4-Faktor.

Bei Steuerklasse 4 mit Faktor handelt es sich um ein Anteilsmodell, das ein Optionsrecht für Ehepartner vorsieht. Es lässt Ehepartnern die Entscheidung, die Besteuerung je nach dem, welchen Anteil sie zum Familieneinkommen beitragen, zu wählen. (§ 39f EStG).

Ziel des Faktorverfahrens ist es, dass beim jeweiligen Ehepartner beim Lohnsteuerabzug mindestens die Steuerentlastung geltend gemacht werden kann, die ihm zusteht.

  • Hat ein Paar die Steuerklassenkombination 4/4 je mit Faktor gewählt, zahlt jeder Partner nur so viel Prozent der Lohnsteuer wie er zum Gesamteinkommen beiträgt.

Beispiel: Steuerklasse 4 mit Faktor

Carmen und Jürgen haben für sich die Steuerklassenkomination 4/4 mit Faktor gewählt. Jürgen verdient 4.000 Euro brutto monatlich. Seine Frau erhält ein geringeres Gehalt von 2.000 Euro brutto. Das Paar hat damit ein Gesamteinkommen von 6.000 Euro pro Monat.
Zu diesem trägt Carmen ca. 33 Prozent bei. Da das Faktorverfahren zur Anwendung kommt muss sie daher auch nur 33 Prozent der anfallenden Lohnsteuer zahlen.

Für wen lohnt sich die Kombination Steuerklasse 4 mit Faktor?

Die Steuerklasse 4 mit Faktor lohnt sich nicht für alle berufstätigen Ehepaare. Nur, wenn beide Ehegatten in etwa gleich viel verdienen, macht ein Verbleib in der Steuerklasse 4 mit Faktor Sinn.

Ist jedoch das Einkommen eines Ehepartners bedeutend höher, ist es sinnvoller, dass der Besserverdienende in Steuerklasse 3 wechselt. Derjenige, der weniger verdient, sollte in Steuerklasse 5 wechseln. Am Jahresende wird diese Verteilung der Steuerklassen keinen Unterschied bei der Jahressteuerschuld machen. Man zahlt dasselbe.

Allerdings ist es weitverbreitet, dass man lieber sofort mehr Geld auf dem Konto hat als später eine größere Steuerrückerstattung zu erhalten.

Die möglichen Steuerklassen für Ehepaare in der Übersicht

4/44/4 mit Faktor3/5
bei ungefähr gleichen Einkommen (Unterschied maximal 10 Prozent)bei unterschiedlichen Einkommenbei deutlich unterschiedlichen Einkommen (Verhältnis der Einkünfte von 60/40 Prozent oder mehr)

Häufig gestellte Fragen zur Steuerklasse 4 mit Faktor

Auf den ersten Blick mag die Tatsache, dass es bei der Jahressteuer keinen Unterschied macht, den Eindruck erwecken, dass die Wahl der Lohnsteuerklassenkombination keine Rolle spielt. Doch das entspricht nicht der Wahrheit, denn Lohnersatzleistungen wie

  • Arbeitslosengeld,
  • Elterngeld,
  • Krankengeld oder
  • Unterhalt
    werden durch die Wahl der Steuerklassen sehr wohl beeinflusst.

Diese Lohnersatzleistungen hängen allesamt vom letzten Nettogehalt ab. Wer also damit rechnen muss, in naher Zukunft womöglich Arbeitslosengeld oder eine andere Lohnersatzleistung beziehen zu müssen, sollte die Wahl der Lohnsteuerklasse im Vorfeld vorsichtig abwägen.

Denn bei diesen Leistungen erhalten Arbeitnehmer mit einem Bruttolohn in Steuerklasse 3 oder 4 deutlich mehr als Arbeitnehmer bei gleichem Bruttogehalt in Steuerklasse 5.

  • Es wird empfohlen, einen Steuerklassen Rechner heranzuziehen, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie sich die einzelnen Steuerklassen auf das Nettogehalt auswirken.

 

Beide Ehepartner teilen dem Finanzamt mit, dass Sie eine Anwendung des Faktorverfahrens wünschen und in Steuerklasse 4 mit Faktor eingestuft werden möchten. Zu Jahresbeginn teilen sie überdies dem Finanzamt die erwartete Höhe beider Jahresarbeitslöhne mit. Die Höhe beider zu erwartenden Jahreslöhne bildet die Basis der Berechnung.

Das Finanzamt wird nun die Höhe der gemeinsamen Einkommenssteuer unter Zuhilfenahme des Splittingfaktors ermitteln und überdies die zu erwartende Höhe des Lohnsteuerabzugs errechnen. Sind diese beiden Werte bekannt, werden diese zueinander ins Verhältnis gesetzt. Das Resultat ist der „Faktor“.

Möchte ein Paar die Steuerklasse wechseln, muss beim zuständigen Finanzamt ein Antrag gestellt werden.
Mit folgendem Formular kann ein Steuerklassenwechsel beim Finanzamt beantragt werden:

PDF-Formular Wechsel

  • Ein Steuerklassenwechsel kann einmal im Jahr bis zum 30. November erfolgen.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Faktorverfahren 
  2. Bundesministerium für Finanzen: Merkblatt zur Steuerklassenwahl

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