Ehepaare haben die Möglichkeit, sich für die Steuerklassenkombinationen 4/4 , 3/5 oder für das Faktorverfahren zu entscheiden. Beim Letzterem wird das sogenannte Ehegattensplitting angewendet.

Das Faktorverfahren zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass für jeden Ehepartner der Grundfreibetrag berücksichtigt wird, der ihm aufgrund seines Bruttoeinkommens zusteht.

Denn Ziel des Verfahrens ist es, Steuernachzahlungen zu vermeiden und die Nachteile der bisherigen Kombinationen (3/5 oder 4/4 ohne Faktor) zu beseitigen. Zugleich soll die Steuerschuld gerecht verteilt werden. Größere Steuererstattungen sind im Rahmen des Faktorverfahrens nicht zu erwarten.

Faktorverfahren – so funktioniert es

Faktorverfahren

Die rechtliche Grundlage für das Faktorverfahren ist in § 39 EStG niedergelegt. Vereinfacht besagt dieses Gesetz, dass Personen nur den Anteil an der Lohnsteuer zahlen, den sie auch zum gemeinsamen Einkommen beitragen.

Wer also beispielsweise nur 25 Prozent des gemeinsamen Einkommens beisteuert, zahlt nur 25 Prozent der Lohnsteuer.

  • Vorteile bringt das Faktorverfahren vor allem für Paare, die stark unterschiedlich verdienen.

Faktorverfahren - die Berechnung

Um den Faktor berechnen zu können, benötigt das Finanzamt die voraussichtliche Einkommenssteuer nach dem Splittingtarif (Y) und die Summe der voraussichtlichen Lohnsteuer (X) beider Ehegatten. Für Letztere wird die Steuerklasse 4 zugrunde gelegt.

Für die Berechnung des Faktors muss Y durch X geteilt werden. Ist das Ergebnis kleiner als ein 1, wird es neben der Steuerklasse 4 mit bis zu drei Nachkommastellen (0, ...) eingetragen.

Wer sich bereits im Voraus über das Faktorverfahren und die Berechnung des Faktors informieren möchte, kann dazu ein maschinelles Berechnungsprogramm oder einen Faktorrechner im Internet nutzen. Der Faktorrechner ist im Vergleich zu dem Berechnungsprogramm sehr leicht anzuwenden, kann aber auch etwas ungenau sein.

Der Grund dafür liegt nicht etwa bei einer erhöhten Fehleranfälligkeit, sondern einzig und allein in der Tatsache, dass der Faktorrechner nicht alle Einzelheiten berücksichtigen kann, die für die Ermittlung eines Faktors maßgebend sind.

  • Erna hat ein Bruttojahreseinkommen von 30.000 Euro und ist der Steuerklasse 4 zugeordnet. Für ihr Einkommen ergibt sich eine (fiktive) Jahreslohnsteuer von 4.800 Euro. Ihr Ehemann Bernd verdient 10.000 Euro im Jahr. Seine Jahreslohnsteuer beträgt daher 0 Euro. Die Summe der Jahreslohnsteuer bei der Steuerklassenkombination 4/4 beträgt folglich 4.800 Euro. Das Finanzamt berechnet die voraussichtliche Einkommensteuer im Splittingverfahren mit 4.000 Euro. Das Ergebnis: Der Faktor berechnet sich mit 4.000 : 4.800 = 0,833.

Wie wird das Faktorverfahren beantragt?

Wenn Ehegatten vom Faktor profitieren möchten, müssen diese die Steuerklassenkombination 4 Faktor/4 Faktor wählen. Diese kann bis zum Stichtag formlos beim Finanzamt beantragt werden.

Es spielt keine Rolle, ob die beiden Partner zuvor in den Steuerklassen 3 und 5 oder beide in der 4 waren.

  • Die Steuerklasse kann maximal einmal jährlich geändert werden. Ein Steuerklassenwechsel ist bis zum 30. November eines Jahres möglich.

Eine entsprechende Neueintragung findet beim Antrag auf das Faktorverfahren auf jeden Fall statt. Der Faktor wird anschließend auf den Lohnsteuerkarten der Ehegatten eingetragen, um sicherzustellen, dass der Arbeitgeber diesen bei der Berechnung der Lohnsteuer berücksichtigt.

Häufig gestellte Fragen zum Faktorverfahren

Das Faktorverfahren bringt bei den Steuern einige Vorteile für die Ehegatten mit sich. Allerdings müssen Eheleute, die sich für das Faktorverfahren entscheiden, auch mit einigen Nachteilen leben.

Vorteile FaktorverfahrenNachteile Faktorverfahren
Splittingvorteil wirkt sich direkt aus und entwickelt nicht erst mit der Steuererklärung eine positive WirkungMonatlich bleibt oft weniger Netto vom Brutto, insbesondere für den Partner, der mehr verdient
Fairer Ausgleich zwischen dem Einkommen des jeweiligen Partners und seiner SteuerlastSteuererstattungen bleiben in der Regel aus
Steuernachzahlungen bleiben in der Regel ausImmer wieder werden datenschutzrechtliche Bedenken gegen das Verfahren angeführt
Bei einer Trennung kann ein Ehegatte, der zuvor in der Steuerklasse 5 eingestuft war, Splittingvorteile durch den Faktor erhalten, ohne dass dadurch dem Partner ein finanzieller Nachteil entstehen würdeDie Abgabe der Einkommensteuererklärung (aufgrund der sogenannten Einkommensteuerveranlagung) wird zur Pflicht

Das Faktorverfahren bietet sich vor allem für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften an, die unterschiedlich hohe Einkommen haben. Durch die Wahl der Steuerklasse 4 mit Faktor kann die Steuerlast gerecht verteilt werden. Jeder Partner zahlt nur den Anteil an der Lohnsteuer, den er zum gemeinsamen Einkommen beigetragen hat.

Doch es gibt auch andere Steuerklassenkombinationen, die Eheleuten und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften unter Umständen mehr Vorteile bringen können.

Ist das Einkommen unterschiedlich hoch, bietet sich beispielsweise auch die Kombination aus Steuerklasse 3 und 5 an. Für diese Variante sollte das Einkommensverhältnis bei 60/40 Prozent oder mehr liegen. Auch wenn nur ein Partner berufstätig ist, hat diese Kombination viele Vorzüge für das Paar.

Sind die Einkünfte der Partner hingegen gleich hoch, sollte die Steuerklassenkombination 4/4 gewählt werden. Diese Variante bringt die meisten Vorteile, wenn die Gehälter sich nicht um mehr als 10 Prozent unterscheiden.

Beispiele für die Wirkung des Faktorverfahren

In diesem Fall würde A von den beiden Ehegatten 4.126 Euro Lohnsteuer zahlen müssen. B müsste keine Lohnsteuer bezahlen. Die Gesamtsteuer würde nach dem Splittingverfahren bei 3.438 Euro liegen. Der Faktor würde bei 0,833 (3483/4126) liegen. Die Steuerlast von A würde auf 3.436 Euro (4126 x 0,833) sinken. Die von B bliebe bei null Euro.

Die Gesamtsteuerlast sinkt also nur leicht (zwei Euro), allerdings wirkt sich der Vorteil des Splittings direkt für A positiv aus - er muss also über das Jahr weniger Lohnsteuer zahlen. B erwachsen dadurch keine Nachteile.

A würde nach seiner neuen Steuerklasse 4 eine Lohnsteuer in der Höhe von 9.845,04 Euro bezahlen müssen. B käme auf 1.679,04 Euro. Die gemeinsame Steuerbelastung würde also bei 11.524,08 Euro liegen. Gemäß der Splittingtabelle würde die Steuerbelastung für A noch 8.110 EUR betragen. B käme auf 586 EUR. Gemeinsam müssten sie also 8696 Euro zahlen. Der Faktor liegt in diesem Fall bei 0,755 (8696/11524,08). A müsste deshalb noch eine Steuer von 7.433,01 EUR bezahlen. B käme auf 1.267,68 EUR. Die gemeinsame Steuerlast würde auf 8.700,69 Euro steigen.

Es bliebe monatlich also etwas weniger Netto vom Brutto, da vor allem B deutlich höher belastet würde. Dafür bliebe die zu erwartende Nachzahlung aus, die geleistet werden müsste, weil B eigentlich deutlich zu wenig Steuern gezahlt hat.

Zusammengefasst: das Wichtigste auf einen Blick

  • Für das Faktorverfahren müssen die Partner die Steuerklasse 4 mit Faktor wählen.
  • Ein Wechsel hin zu der Steuerklasse 4 mit Faktor ist einmal jährlich bis zum 30. November möglich.
  • Das Verfahren bietet sich für Partner mit unterschiedlich hohem Einkommen an.
  • Jeder Partner zahlt nur den Anteil an der Lohnsteuer, den er zum gemeinsamen Einkommen beigetragen hat.
  • Steuernachzahlungen bleiben beim Faktorverfahren in der Regel aus.
  • Die Abgabe der Einkommenssteuererklärung ist Pflicht.

Einzelnachweise


  1. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 39 Lohnsteuerabzugsmerkmale
  2. Techniker Krankenkasse, TK-Lex: Faktorverfahren Lohnsteuer

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