Trennungsjahr Steuerklasse: Die wichtigsten Fakten

  • Eine Scheidung führt zwangsläufig zu einem Wechsel der Steuerklassen.
  • Das Datum der Trennung, also der Beginn des Trennungsjahres, hat Einfluss auf die Steuerklasse.
  • Eine gemeinsame Veranlagung der Einkommensteuer im Trennungsjahr ist möglich.
  • Ein Steuerklassenwechsel kann bereits im Trennungsjahr in bestimmten Fällen sinnvoll sein.

die Steuerklasse im Trennungsjahr

Was ist ein Trennungsjahr?

Bevor die Scheidung einer Ehe erfolgen kann, ist es in familienrechtlicher Hinsicht erforderlich, dass die Ehegatten ein Trennungsjahr durchführen.

Folgende Bedingungen müssen für ein Trennungsjahr erfüllt werden:

  • Die Parteien müssen voneinander getrennt leben.
  • Der eine Partner darf für den anderen keinerlei „Leistungen“ mehr erbringen – auch dann nicht, wenn innerhalb eines Hauses oder einer Wohnung getrennt voneinander gelebt wird.

Steuerklasse im Trennungsjahr – die gemeinsame Veranlagung

Grundsätzlich muss man als Arbeitnehmer wissen, dass im Trennungsjahr noch eine gemeinsame Veranlagung der Einkommenssteuer möglich ist.

Dabei reicht es, wenn man im bezüglichen Steuerjahr auch nur noch wenige Wochen zusammengelebt hat. Im folgenden Jahr müssen die Ehepartner dann getrennt veranlagt werden.

  • Entscheidend für die Steuerklasse im Trennungsjahr ist, in welchem Kalenderjahr die Trennung erfolgt. Stichtag für die Veranlagung ist dabei der 31.12..

Trennt man sich demnach Anfang Dezember, dann hat dies zur Folge, dass bereits ab 1. Januar des kommenden Kalenderjahres die Steuerklasse 1 zum Einsatz kommt.

Trennt man sich jedoch Anfang Januar, dann kann man noch das gesamte Jahr von der Steuerklasse 3 profitieren.

  • Nora und Ralf möchten getrennte Wege gehen und entscheiden sich Mitte November für die Trennung. Bis Ende des Jahres kann das einstige Paar noch von der Zusammenveranlagung profitieren. In diesem Fall bleibt Ralf bis Ende Dezember in Steuerklasse 3 und Nora in Steuerklasse 5. Ab dem 1. Januar gelten beide dann bereits als ledig und werden der Steuerklasse 1 zugeordnet.
    Anders ergeht es Fabian und Silke, den Freunden von Nora und Ralf. Auch sie wollen nicht mehr zusammenbleiben, trennen sich offiziell aber erst einige Wochen später Mitte Januar. Für Fabian und Silke gelten daher noch das komplette Jahr ihre bisherigen Steuerklassen. Erst am darauffolgenden 1. Januar werden sie der Steuerklasse 1 zugeteilt.

Muss ein Trennungsjahr beantragt werden?

Das Trennungsjahr gilt ab dem Zeitpunkt, zu dem ein Partner den Trennungswunsch äußert und das Paar fortan "getrennt" lebt. Das genaue Datum ist nach Ablauf des Trennungsjahres für die Scheidung relevant und sollte sich deshalb notiert werden. Des Weiteren hat das Datum Einfluss auf den Wechsel der Steuerklasse. Denn wer sich Mitte Dezember trennt, erhält schon wenige Wochen später zum 1. Januar die Steuerklasse 1.

  • Für den Beginn des Trennungsjahres ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Trennungszeit vor der Scheidung nicht beantragt werden muss.

Steuerlicher Unterschied zwischen Steuerklasse 1 und Steuerklasse 3

Es macht also einen wesentlichen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man sich offiziell trennt und das Trennungsjahr beginnt. Dies ist den wenigsten Arbeitnehmern bewusst.

Wirft man einen Blick auf Beispielzahlen, wird offensichtlich, wie drastisch der Unterschied gerade bei einem hohen Einkommen ist:

  • Verdient man als Arbeitnehmer 100.000 Euro brutto, dann beträgt der steuerliche Unterschied zwischen Steuerklasse 1 und Steuerklasse 3 in etwa 9000 Euro pro Jahr.

Steuerklassenwechsel im Trennungsjahr

In manchen Fällen ist jedoch ein Wechsel der Steuerklasse bereits im Trennungsjahr sinnvoll. So zum Beispiel, wenn während der Ehe die Steuerklassen in 3 und 5 aufgeteilt waren.

Während des Zusammenlebens wurden die finanziellen Unterschiede kompensiert, da beide Ehepartner in der Regel im gleichen Haushalt lebten.

Nach der Trennung jedoch fällt dieser Vorteil zumeist weg. Der Ehepartner mit Steuerklasse 5  ist durch seine schlechte Steuerklasse im Trennungsjahr großen finanziellen Einbußen ausgesetzt.

In diesem Fall empfiehlt es sich, die Steuerklasse im Trennungsjahr zu wechseln. Beide Partner sollten in Steuerklasse 1 bzw. der Partner, bei dem die gemeinsamen Kinder verbleiben sollen, in Steuerklasse 2 wechseln. Dieses Vorgehen führt jedoch für die Person, die vorher in Steuerklasse 3 veranlagt war, zu großen finanziellen Einbußen.

Kein Wunder also, dass dies oftmals der Grund für Auseinandersetzungen ist. Der betroffene Ehepartner kann seine Zustimmung verweigern.

  • Die Konsequenz aus der Weigerung eines Wechsels der Steuerklasse im Trennungsjahr: Der Ehepartner, der den Wechsel verweigert, muss die steuerlichen Entlastungen, die dem anderen Partner durch die Weigerung entstehen, für die restliche Zeit des Trennungsjahres kompensieren.

 

Was passiert nach dem Trennungsjahr?

Im Trennungsjahr bleiben beide Partner zunächst noch in ihrer bisherigen Klasse (3 und 5 oder 4 und 4) und können von den Vorteilen der Zusammenveranlagung profitieren. Sofern kein vorzeitiger Wechsel stattgefunden hat, werden die Partner nach der Scheidung als ledig angesehen und der Steuerklasse 1 zugeordnet. Hat das ehemalige Ehepaar ein gemeinsames Kind, kommt der Partner, der das alleinige Sorgerecht erhält und Kindergeld bezieht, in Steuerklasse 2.

  • Wichtig ist, dass sich der Steuerklassenwechsel nach der Scheidung nicht automatisch vollzieht. Er muss beim Finanzamt beantragt werden. Für den Wechsel braucht man unter anderem die Scheidungsurkunde.

Übersicht: Steuerklassen nach der Scheidung

Steuerklasse 1Steuerklasse 2
Ohne Kind oder ohne alleiniges SorgerechtMit Kind und alleinigem Sorgerecht

Häufig gestellte Fragen

Grundsätzlich besteht im Familienrecht die Verpflichtung der Ehegatten, im Trennungsjahr einer gemeinsamen Steuerveranlagung zuzustimmen, damit der Ehegatte, der die höheren Steuern gezahlt hat, keine finanziellen Nachteile erleidet.

Aus steuerlicher Sicht können Ehegatten natürlich eine getrennte Veranlagung beantragen, aber im Falle einer Trennung kann sehr schnell der Verdacht aufkommen, dass ein Partner die Zustimmung zur gemeinsamen Veranlagung böswillig verweigert, um dem Ehepartner zu schaden.

So ist es im Familienrecht geregelt, dass man dem Begehren, im Trennungsjahr eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben, nachkommen sollte. Ansonsten könnte gegenüber dem Ehegatten, der durch eine getrennte Veranlagung finanzielle Nachteile hinnehmen müsste, eine Pflicht zum Schadensersatz begründet werden.

Der Ehepartner, der die gemeinsame Veranlagung begehrt, muss sich allerdings verpflichten, den anderen Partner von eventuell dadurch entstehenden steuerlichen Nachteilen freizustellen.

Keine Seltenheit ist es, dass es während des Trennungsjahres zu einer Versöhnung kommt. Allerdings muss der Versuch einer Versöhnung länger als drei Monate dauern, ansonsten wird das Trennungsjahr hierdurch nicht unterbrochen.

  • Es ist wichtig, die Versöhnung zu dokumentieren und das Finanzamt hierüber umgehend in Kenntnis zu setzen.

 

Die Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern steht im Trennungsjahr dem Ehegatten zu, der diese auch gezahlt hat. Es kommt also darauf an, ob beide Ehepartner berufstätig waren und wie hoch das jeweilige Einkommen gewesen ist.

  • Wenn einer der Partner keine steuerpflichtige Tätigkeit ausgeübt hat, steht ihm auch die Steuerrückzahlung nicht zu.

Er kann sich natürlich – bestenfalls vor Unterschrift unter die gemeinsame Steuererklärung – mit dem getrennt lebenden Partner darüber einigen, einen bestimmten Anteil von der Steuerrückerstattung zu erhalten.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Steuern: Folgen bei Trennung und Scheidung
  2. Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.: Ratgeber zu den wichtigsten Fragen bei Trennung und Scheidung

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