Die Einkommensteuer zählt laut den steuerrechtlichen Bestimmungen zur Gruppe der Ertragssteuer. Sie bemisst den jährlichen Vermögenszuwachs einer natürlichen Person. Die Besteuerung unterliegt dabei einer allgemeinen Steuergerechtigkeit und setzt auf die gleichmäßig verteilte Besteuerung.

Hinzu kommt dabei der materielle Aspekt, denn die Einkommensteuer hängt von der individuellen Leistung der einzelnen Personen ab. Das bedeutet, dass die Einkommenssteuer mit einem zunehmenden Verdienst prozentual entsprechend ansteigt.


Die Geschichte der Einkommensteuer

  • Der Vorläufer der heutigen Einkommensteuer begann sich im 19. Jahrhundert nach der Verwaltungsreform herauszubilden.
  • Preußen, Ludwigsburg und Litauen waren die Ersten, die eine progressiv ausgerichtete Steuer festlegten. 1891 erließ Preußen ein dementsprechendes Gesetz, das dem Leitgedanken der Steuergerechtigkeit folgte.
  • 1920 entstand die sogenannte "Reichsreform" und das Steueraufkommen wurde verfünffacht.
  • Den bisher höchsten Grenzsatz der deutschen Steuergeschichte legten die Alliierten unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fest. Vermögende mit einem Einkommen über 250.000 Mark mussten 95 Prozent Steuern zahlen.
  • Nach der Wende legte der Bundesrat die steuerlichen Bestimmungen im Jahre 2000 neu fest. Der Einkommensteuersatz betrug damals 23,9 Prozent und sank bis 2018 auf 14 Prozent ab.

Welche Erhebungsformen und -verfahren hat die Einkommensteuer?

Die Einkommensteuer kann in vier Formen auftreten:

  1. als veranlagte Einkommensteuer
  2. als Lohnsteuer
  3. als Kapitalertragsteuer
  4. als Zinsabschlag

Wie wird die Einkommensteuer erhoben?

Einkommensteuer

Die Steuer lässt sich als Abzugsteuer oder Veranlagungssteuer erheben. Laut § 36 Abs. 1 EstG ist sie am Ende eines jeden Jahres fällig und unterliegt so einem periodischen Zyklus. Das Kalenderjahr ist dabei der Veranlagungszeitraum.

Einige Steuerzahler müssen die Steuer viermal im Jahr vorauszahlen, sie gehen dabei von den voraussichtlich erzielten Einnahmen und den daraus resultierenden Einkommensteuern aus.

Die Veranlagung der Einkommensteuer

Ist das Kalenderjahr abgelaufen, wird das Einkommen des Steuerpflichtigen veranlagt. Ausgenommen sind dabei die Einkommen der Arbeitnehmer und die der Kapitalanleger.

  • Angestellte, die keiner selbstständigen Tätigkeit nachgehen, entrichten die anfallenden Einkommensteuern als Lohnsteuer. Diese Steuer wird von dem monatlich festgelegten Arbeitslohn abgezogen.

Damit die Steuer berechnet werden kann, muss der Steuerpflichtige eine entsprechende Einkommensteuererklärung an das zuständige Finanzamt abgeben.

Nur dadurch ist es dem Finanzamt möglich, die steuerlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen hinreichend einzuschätzen. Die Steuererklärung muss von den Steuerpflichtigen spätestens am 31. Mai eines Jahres für das vorherige Jahr eingereicht werden. Die natürlichen Personen, die nicht gesetzlich zu der Abgabe verpflichtet sind, haben vier Jahre Zeit, um die Erklärung einzureichen. Eine verspätete Abgabe kann einen Verspätungszuschlag zur Folge haben. Der Verspätungszuschlag darf allerdings nicht größer als zehn Prozent der festgesetzten Steuer sein.

Wie hoch ist die Einkommensteuer?

Die Höhe der Steuern ist abhängig von dem Einkommen des Steuerzahlers. Für Einkommen, die unter 9000 Euro pro Jahr liegen, fallen keine Steuern an, da diese zu niedrig sind - es ist dabei unerheblich, ob das Einkommen aus einer selbstständigen oder nichtselbstständigen Arbeit herrührt. Ab 9000 Euro steigt die Einkommenssteuer immer weiter an. Der höchste Einkommensteuersatz (Spitzensteuersatz) beträgt 45 Prozent.

  • Im Internet finden Steuerpflichtige einen Einkommensteuerrechner. Mit diesem elektronischen Rechner lassen sich die anfallenden Steuern im Vorfeld einfach selbst errechnen.

Welche Angaben enthält das Dokument zur Einkommensteuer?

Selbstständige und und nichtselbstständige Personen füllen unterschiedliche Formulare aus, um ihre Einkommensteuer an das Finanzamt mitzuteilen. Das umfangreichere Formular, das die Steuerpflichtigen ausfüllen, ist nach folgendem Schema aufgebaut:

SeiteInhalt
Seite 1: Allgemeine AngabenPersönliche Angaben (Alter, Adresse, Beruf, Bankdaten etc.)
Seite 2: Übersicht zu den SonderausgabenAngaben zu den gezahlten Versorgevorausleistungen, Spenden, Mitgliedsbeiträge, Unterhaltszahlungen etc.
Seite 3: Außergewöhnliche Belastungen und haushaltsnahe BeschäftigungsverhältnisseAufwendungen für behinderte Menschen sowie Angaben über Beschäftigungsverhältnisse in Privathaushalten
Seite 4: Weitere AngabenWeitere Angaben zur Steuerermäßigung

Neben dem Mantelbogen gibt es verschiedene Anlagen, die je nach individueller Situation ausgefüllt werden. Dazu gehört beispielsweise die Anlage zu Einkünften, die im Ausland erzielt werden, oder die Anlage für Einkünfte aus gewerblichen Betrieben.

  • Die entsprechenden Formulare stellt das Finanzamt online zur Verfügung. Steuerpflichtige können ihre Einkommensteuererklärung also einfach online ausfüllen und anschließend übermitteln, sie müssen diese allerdings zusammen mit einem persönlichen Kenncode als weitere Ausführung anschließend unterschrieben per Post senden.

Welche Ausgaben lassen sich von der Einkommensteuer absetzen?

Natürliche Personen haben die Option, Werbungskosten und andere betriebliche Kosten von der Einkommensteuer abzusetzen. Dazu gehören die Miet- und Stromkosten, Waren und Dienstleistungen für die Arbeit, Vor- und Umsatzsteuer und Teile der Kfz-Steuer. Auch Unternehmen haben die Möglichkeit, betriebliche Kosten aufzulisten, da diese den Gewinn senken. Neben den hier genannten kann ein Unternehmen die Personalkosten (Gehälter der Angestellten) von der Einkommenssteuer absetzen.

Haben Ehepartner Vorteile bei der Einkommensteuer?

Für Ehepartner werden die Steuern anders berechnet als für unverheiratete Personen. Dieses Rechenverfahren heißt Ehegattensplitting. Das Finanzamt veranlagt das Ehepaar zusammen, ohne das ein Antrag nötig ist. Die Einkommen der beiden Ehepartner werden hierbei zusammengerechnet, um die Einkommensteuern zu ermitteln. Der Endbetrag wird anschließend halbiert. Der halbierte Betrag ist dann die Grundlage für die Einkommensteuer.

  • Nicht für alle Paare lohnt sich das Ehegattensplitting. Eheleute, die einen annähernd ähnlichen Verdienst erzielen, sollten im Vorfeld überlegen, ob sie ihre Einkünfte gemeinsam veranlagen. Ehepaare, die unterschiedlich hohe Verdienste erzielen, profitieren hingegen von dieser Art der Veranlagung.

Einzelnachweise

Wehrmann, Michael: Einkommensteuer und Steuerwirkungslehre »
Von Sicherer, Klaus: Einkommenssteuer »
Borrosch, Friedrich: Lehrbuch Einkommensteuer: Systematische Darstellung der Einkommensteuer in den Grundzügen »


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