In Deutschland wird eine Kirchensteuer gezahlt. Die letzte offizielle Statistik besagt, dass fast 48.000.000 Bundesbürger einer der beiden großen Kirchen angehören. Obwohl katholische und evangelische Kirche seit Jahren über schwindende Mitgliederzahlen klagen, sind die Zahlen nach wie vor sehr hoch. Wie wird Kirchensteuer erhoben?

Wer zur Kirche gehört, hat nicht nur Rechte. Eine Pflicht ist die Zahlung der Kirchensteuer. Wer zahlt Kirchensteuer? Wo wird Kirchensteuer erhoben? Und wie hoch ist der Abzug, den Angehörige einer Glaubensgemeinschaft bezahlen müssen?

Was ist Kirchensteuer?

Kirchensteuer

Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften müssen Ausgaben decken. Wer Geld ausgibt, muss aber zuerst Kapital ansammeln. Katholische und evangelische Kirche bestreiten einen wesentlich Teil der Einnahmen über die Kirchensteuer.

Kirchen stellen juristisch gesehen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts dar. Daher erfolgt die Erhebung der Steuer nicht durch die Religionsgemeinschaft, sondern durch die Körperschaft. Zur Zahlung der Kirchensteuer werden daher auch nicht alle Bürger herangezogen, sondern nur jene, die Mitglied einer Kirche sind.

Kirchensteuer Berechnung

Kirchensteuern werden allgemein auf Basis des erzielten Einkommens und/oder Vermögens bemessen. Die Kirchensteuer ist von Bundesland zu Bundesland verschieden hoch. Zurzeit beträgt die Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg 8% der Einkommensteuer. In den anderen Bundesländern in Deutschland beträgt die Kirchensteuer 9% der Einkommensteuer.

Kirchensteuer berechnen: Beispiel

Da die Kirchensteuer auf die Einkommensteuer angerechnet wird, kann man die Höhe der Kirchensteuer beeinflussen. Familien mit Kindern können Freibeträge nutzen. Im Hinblick auf die Lohn- und Einkommenssteuer ist deren Auswirkung mitunter gering, etwa im Fall des Kinderfreibetrags. Aber bei der Kirchensteuerberechnung wird der Kinderfreibetrag berücksichtigt und kann hier zu deutlichen Minderbelastungen führen. Darüber hinaus sind gezahlte Kirchensteuerbeträge eine Sonderausgabe, was sich wiederum steuermindernd auswirken kann.

Arbeitnehmer A (kein Kind)Arbeitnehmer B (1 Kind)
Bruttolohn2.700 Euro
Lohnsteuer370,08 Euro372,16 Euro
Soli-Zuschlag20,35 Euro15,79 Euro
Kirchensteuer*33,31 Euro25,84 Euro

*beide Beispiele Freistaat Sachsen

Zuschläge des Kirchensteuergesetzes NRW als Erhebungsansatz

  • Einkommensteuer sowie Lohnsteuer
  • Kapitalertragsteuer
  • Vermögensteuer
  • Grundsteuermessbeträge sowie
  • Kirchgeld

Für den Abzug hinsichtlich der Einkommen sind in den Bundesländern Steuersätze zwischen acht bis neun Prozent vorgesehen, wobei sich nur Bayern und Baden-Württemberg für den niedrigeren Steuersatz entschieden haben.

Kirchensteuer zahlen: ja oder nein?

Unabhängig davon, ob man persönlichen einen christlichen Glauben verfolgt, kann die Zugehörigkeit zu einer Kirche Vorteile mit sich bringen. Der Nachteil an der Zugehörigkeit zu einer Kirche ist natürlich der Kirchensteuersatz, der zu zahlen ist. Es bleibt einfach weniger Geld im Monat übrig, wenn man die Kirchensteuer zu zahlen hat. Das ist der wichtigste Nachteil an der Steuer für die Kirche. Aber welche Vorteile hat die Kirchensteuer? Kirchensteuer Vorteile sind:

  • Unterstützung der evangelischen Kindertagesstätten
  • Unterstützung der Pfarrdienste und Religionsunterrichte: Also die Dienste, die dann zu einer Taufe führen
  • Gemeindearbeit der Kirchen wird unterstützt und damit auch die Kinder- und Jugendarbeit der Kirchen

Häufige Fragen zur Kirchensteuer

Für Kirchenmitglieder gibt es keinen Weg an der Kirchenabgabe vorbei. Zuständig für den Einzug der Steuer sind die jeweiligen Finanzämter. Diese setzen nicht nur die Einkommenssteuer fest, sondern auch die Kirchensteuer.

Gemeinsam mit der Einkommenssteuer an die Finanzkasse überwiesen, werden die Einnahmen anschließend, nach Abzug einer Aufwandsentschädigung, an die Kirchen weitergereicht.

  • Nicht alle Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften übertragen den Finanzbehörden die Aufgabe des Steuereinzugs. Einige Kirchgemeinden ziehen die Steuer selbst ein, andere Glaubensgemeinschaften verzichten gänzlich auf die Erhebung der Steuer.

Nein, Geringverdiener müssen keine Kirchensteuer zahlen. Auch von der Kirchensteuer befreit sind beispielsweise Rentner. Wer über ein steuerpflichtiges Einkommen verfügt, das über dem Existenzminimum liegt, muss Kirchensteuer zahlen.

Kapitalerträge unterliegen nicht nur der Abgeltungssteuer, auch Kirchensteuer wird fällig.

In der Vergangenheit zogen Banken die Steuerbeträge aber nicht, wie bei der Abgeltungssteuer bereits praktiziert, direkt ein. Der Steuerpflichtige musste selbst für den Abzug sorgen. Seit 01. Januar 2015 ist dies anders.

Banken fragen die Religionszugehörigkeit der Kunden ab und führen entsprechend die Steuerzuschläge auf die Kapitalerträge ab.

Nur wer einen Sperrvermerk beim Religionsgemeinschaften Bundeszentralamt für Steuern nutzt, kann die Abfrage verhindern.

Wer in Deutschland getauft wurde, gehört damit automatisch der Kirche an. Sobald ein versicherungspflichtiger Job angenommen wird, wird auch die Kirchensteuer mit abgezogen. Sollte man also die Kirchensteuer nicht zahlen wollen, muss man aus der Kirche austreten.

Für den Austritt aus einer Kirche ist das Amtsgericht an Ihrem Wohnort zuständig. Wenn Sie aus der Kirche austreten wollen, müssen Sie persönlich erscheinen und den Austritt beantragen. Dazu muss ein gültiger Personalausweis oder ein anderes gültiges Dokument wie ein Reisepass vorliegen. Alternativ kann man das auch bei einem Notar machen lassen.

Ja, der Kirchenaustritt kostet in den meisten Bundesländern Gebühren. In NRW kostet der Austritt aus der Kirche 30 Euro, in Brandenburg ist der Kirchenaustritt gebührenfrei. In anderen Bundesländern können die Gebühren auch variieren.

Einzelnachweise und Quellen

  1. Anzahl der Bundesbürger in Kirchengemeinschaften >>
  2. Grundgesetz: Artikel 140 zur Kirche >>

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