Wer ein neues Gewerbe anmeldet und sich zum ersten Mal damit beschäftigt, wie viel Gewerbesteuer er vermutlich bezahlen muss, fühlt sich schnell verloren.

Verantwortlich für das ungute Gefühl ist eine überaus komplizierte Berechnungsformel und eine Flut neuer Fachwörter, die vom sogenannten Gewerbesteuermessbetrag gekrönt werden.

Zur Beruhigung: Auf den zweiten Blick ist es nur noch halb so schlimm.


Was genau ist der Gewerbesteuermessbetrag?

Da die Gewerbesteuer eine kommunale Steuer ist, entscheiden die Gemeinden in Deutschland darüber, wie hoch die bei ihnen zu zahlende Gewerbesteuer ist. Sie erreichen dies über den sogenannten Hebesatz.

Damit dieser aber tatsächlich etwas 'heben' kann, ist ein entsprechender Referenzwert notwendig. Dieser ist der Gewerbesteuermessbetrag oder oft verkürzt auch Steuermessbetrag.

Folgende Formel muss man sich deshalb merken:

  • Gewerbesteuermessbetrag x Hebesatz = Steuerlast

Die Gewerbesteuer ist eine rein kommunale Steuer und kommt weder dem Bund noch dem Land zugute. Aus diesem Grunde sind viele Gemeinden daran interessiert, gut zahlende Betriebe auf dem Territorium der Gemeinde anzusiedeln und zu halten.

Zu diesem Zweck werden den Unternehmen manche Offerten gemacht, wird Infrastruktur geschaffen und erhalten.

Gewerbesteuermessbetrag: Wer muss Gewerbesteuer zahlen?

Gewerbesteuermessbetrag

Gewerbesteuerpflichtig sind nur jene Betriebe und Personengesellschaften, bei denen der Gewerbeertrag über 24.500 € im Jahr liegt. Automatisch ausgenommen sind Freiberufler.

Kleine Gewerbetreibende, Kleinunternehmer und Existenzgründer müssen im Allgemeinen keine Gewerbesteuer abführen.

Wie berechnet sich der Gewerbesteuermessbetrag?

Die Berechnung des Messbetrages ist bedauerlicherweise nicht ganz einfach. Eigentlich müssen lediglich 3,5 Prozent des Gewerbeertrags ermittelt werden. Anders als man denken könnte, handelt es sich beim Gewerbeertrag aber nicht nur um den Gewinn des Betriebs.

Dieser muss nämlich zusätzlich mit den gesetzlich vorgeschriebenen Hinzurechnungen und Kürzungen für (beispielsweise Schuldzinsen oder Leasingraten) versehen werden. § 9 Gewerbesteuergesetz informiert diesbezüglich sehr genau. Eine generelle Auflistung ist nicht möglich, da sowohl Hinzurechnungen als auch Kürzungen maßgeblich vom Betriebsvermögen abhängen.

  • Für den Gewerbeertrag wurde ein Freibetrag in Höhe von 100.000 € festgesetzt. Das heißt: Von der über 100.000 € liegenden ermittelten Summe werden nur 25 % zur Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages herangezogen. Erst von dieser Summe werden Kürzungen wie etwa für Spenden oder Grundstücke im Betriebsvermögen vorgenommen.

Gewerbeverlust aus vergangenen Jahren wird zum Abzug gebracht

Nun wird noch ein eventuell vorhandener Gewerbeverlust aus vergangenen Jahren abgezogen. Das Ergebnis dieser umfangreichen Rechnerei ist der Gewerbeertrag. Dieser wird auf volle 100 Euro nach unten abgerundet.

Von diesem Gewerbeertrag werden die oben erwähnten 24.500 € abgezogen, nicht jedoch für Kapitalgesellschaften. Auf den so ermittelten Gewerbeertrag wird die einheitliche Steuermesszahl von 3,5 % angewendet. Das Ergebnis ist der Gewerbesteuermessbetrag.

  • Damit ist jedoch noch lange nicht die Steuerzahlung an die Gemeinde ermittelt. Denn jede Gemeinde hat in ihrer Gemeindesatzung einen Hebesatz festgelegt. Erst die Multiplikation des Gewerbesteuermessbetrages mit dem Hebesatz ergibt die Gewerbesteuer, die das Unternehmen an die Gemeinde abzuführen hat.

Gewerbesteuermessbetrag: Anrechnung auf die Einkommensteuer

Einzel- und Mitunternehmer von Personengesellschaften können den Messbetrag auf die von ihnen zu zahlende tarifliche Einkommensteuer anrechnen. Der Steuermessbetrag reduziert diese seit 2008 um das 3,8-fache.

  • Bedingung hierfür ist, dass die Gewerbesteuer zumindest teilweise auf im Einkommen zu versteuernde Gewerbeeinkünfte entfällt, was bei Einzel- und Mitunternehmern an einem Gewerbebetrieb allerdings stets der Fall ist. Vereinfacht gesagt genügt es, Einkünfte zu erhalten, die aus den Gewinnen eines Gewerbebetriebs stammen.

Maximal darf die Einkommensteuer um 3800 Euro reduziert werden. Der Steuermessbetrag würde in diesem Fall bei 1000 Euro liegen. Es darf allerdings niemals zu einer Steuerrückzahlung kommen. Beträgt die Einkommensteuerpflicht 3000 Euro, könnte man aber theoretisch eine Reduzierung von 3800 Euro erreichen, so werden dem Staat die 800 Euro zugeschlagen. Die Einkommensteuerpflicht sinkt auf Null, aber nicht darüber hinaus.

Zu bedenken ist, dass die Reduzierung stets nur auf den Teil des Einkommens entfällt, der aus dem Gewerbebetrieb stammt.

  • Eine Person hat eine Steuerlast von 3000 Euro aus dem Gewerbebetrieb und eine zusätzliche Last von 7000 Euro aus einem Angestelltenverhältnis. Der Steuermessbetrag würde eine Reduzierung der Einkommensteuer von 3800 Euro erlauben. Auch in diesen Fall darf die Einkommensteuer nur um 3000 Euro reduziert werden.

Einzelnachweise


  1. Gesetze im Internet: Gewerbesteuergesetz (GewStG) »

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