Welche Steuervorteile durch Steuerklasse 4 mit Faktor? Das Faktorverfahren gilt ausschließlich für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, die sich gemeinsam in der Steuerklasse 4 befinden.

Ziel des Faktorverfahrens ist es, Steuernachzahlungen zu vermeiden und die Nachteile der bisherigen Kombinationen (Steuerklasse 3/5 oder 4/4 ohne Faktor) zu beseitigen. Zugleich soll die Steuerschuld gerecht verteilt werden.

Vorteile vom Faktorverfahren haben daher vor allem Paare mit unterschiedlich hohen Einkünften.

Was sind die Vorteile vom Faktorverfahren?

Grundsätzlich geht es beim Faktorverfahren um eine gerechte Verteilung der Lohnsteuer. In der Praxis bedeutet das, dass jeder Partner nur den Anteil an der Lohnsteuer trägt, den er auch zum gemeinsamen Einkommen beträgt. Das heißt: Steuert ein Partner 25 Prozent zum Gesamteinkommen bei, muss er auch nur 25 Prozent der Lohnsteuer zahlen.

  • Vorteile vom Faktorverfahren in Steuerklasse 4 haben vor allem Paare mit unterschiedlichen höhen Einkünften.

Um den Faktor in der Lohnsteuerklasse 4 berechnen zu können, benötigt das Finanzamt die voraussichtliche Einkommenssteuer nach dem Splittingtarif (hier kann die Splittingtabelle zur Hilfe genommen werden) und die Summe der voraussichtlichen Lohnsteuer beider Ehegatten. Für Letztere wird die Steuerklasse 4 zugrunde gelegt.

Die Erläuterungen für die Kombination Steuerklasse 4 mit Faktor-Verfahren lesen sich immer wieder ausgesprochen kompliziert. Der Faktor muss kleiner Eins sein, drei Nachkomma-Stellen besitzen und wird auf der Lohnsteuerkarte eingetragen.

Vorteile Faktorverfahren: ein Rechenbeispiel

Gesetzt sei das Pärchen Hanno und Silke T. Hanno verdient 30.000 Euro Brutto, seine Frau kommt auf 23.000 Brutto. Da die Gehälter dicht beieinander liegen, sind die Eheleute in Steuerklasse 4. Der Faktor würde hierbei bei 0,993 liegen.

EheleuteLohnsteuer ohne FaktorLohnsteuer mit FaktorGesamte Lohnsteuer des Paares zusammen
Hanno T.4.073 Euro4.044 Euro6.464 Euro ohne Faktor
Silke T.2.391 Euro2.374 Euro6.422 Euro mit Faktor

Je weiter die Gehälter der beiden Eheleute auseinandergehen, desto mehr Vorteile bringt das Faktorverfahren in Steuerklasse 4. Allerdings muss eine Einschränkung getroffen werden.

Wenn die Löhne sich zu weit auseinander bewegen, so macht es dann doch mehr Sinn, statt auf Steuerklasse 4 mit Faktor auf die Steuerklassen 3 und 5 zu vertrauen. Die Grenze liegt bei 60 Prozent zu 40 Prozent.

Vorteile Faktorverfahren auf einen Blick

Vorteile FaktorverfahrenNachteile Faktorverfahren
Splittingvorteil wirkt sich direkt ausMonatlich bleibt oft weniger Netto vom Brutto, insbesondere für den Partner, der mehr verdient
Faire Verteilung der SteuerlastSteuererstattungen bleiben in der Regel aus
Steuernachzahlungen bleiben in der Regel ausImmer wieder werden datenschutzrechtliche Bedenken gegen das Verfahren angeführt
Bei einer Trennung kann ein Ehegatte, der zuvor in der Steuerklasse 5 eingestuft war, Splittingvorteile durch den Faktor erhalten, ohne dass dadurch dem Partner ein finanzieller Nachteil entstehen würdeDie Abgabe der Einkommensteuererklärung wird zur Pflicht
Vorteile Faktorverfahren

Wichtige Hinweise: Vorteile Faktorverfahren

  • Wer die Vorteile vom Faktorverfahren in Anspruch nehmen möchte, muss jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben.
  • Das Faktorverfahren wird beim zuständigen Finanzamt gemeinsam beantragt. Dies muss bis zum 30. November geschehen sein.
  • Das Faktorverfahren spielt auch dann eine Rolle, wenn ein Partner weiß, dass er im kommenden Jahr Lohn-Ersatzleistungen in Anspruch nehmen muss. Diese werden vom Nettogehalt berechnet.

Häufig gestellte Fragen: Vorteile Faktorverfahren

Wer die Vorteile vom Faktorverfahren nutzen möchte, muss die Steuerklasse 4 mit Faktor wählen. Diese kann bis zum Stichtag, dem 30. November formlos beim Finanzamt beantragt werden. In welcher Steuerklasse die Partner zuvor waren, spielt keine Rolle.

  • Die Steuerklasse kann nur einmal jährlich gewechselt werden.

Die Vorteile vom Faktorverfahren sind ganz klar, dass gerade Paare, die unterschiedlich hohe Einkünfte haben, vom Ausgleich der Steuerlast profitieren können. Jeder Partner zahlt nur den Anteil an der Lohnsteuer, den er zum gemeinsamen Einkommen beigetragen hat. Doch es gibt auch andere Steuerklassenkombinationen, die je nach Einzelfall noch vorteilhafter sein können.

Gehen die Einkünfte sehr weit auseinander, bietet sich beispielsweise auch die Kombination aus Steuerklasse 3 und 5 an. Für diese Variante sollte das Einkommensverhältnis bei 60/40 Prozent oder mehr liegen. Auch wenn nur ein Partner berufstätig ist, hat diese Kombination viele Vorzüge für das Paar.

Sind die Einkünfte der Partner hingegen gleich hoch, sollte die Steuerklassenkombination 4/4 gewählt werden. Diese Variante bringt die meisten Vorteile, wenn die Gehälter sich nicht um mehr als 10 Prozent unterscheiden.

Einzelnachweise


  1. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 39 Lohnsteuerabzugsmerkmale
  2. Techniker Krankenkasse, TK-Lex: Faktorverfahren Lohnsteuer

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