Die verhaltensbedingte Kündigung resultiert aus dem Pflichtenkreis des Arbeitnehmers. Hat sich der Arbeitnehmer eines konkreten Verstoßes gegen seine arbeitsvertraglich festgelegten Pflichten schuldig gemacht, kann eine verhaltensbedingte Kündigung in Frage kommen.

Die Pflichten des Arbeitnehmers gehen dabei weit über die reine Beachtung der erteilten Arbeitsanweisungen hinaus.


Voraussetzungen für eine verhaltensbedingte Kündigung

Verhaltensbedingte Kündigung

Häufig geht mit einer verhaltensbedingten Kündigung ein Interessenkonflikt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einher. Der Arbeitgeber kann aus einer emotionalen Aufregung heraus die verhaltensbedingte Kündigung aussprechen, ohne die Voraussetzungen dafür geprüft zu haben. Diese Kündigung ist dann aber nicht rechtens. Ruhig, angemessen und verständig muss der Arbeitgeber das Fehlverhalten des Arbeitnehmers beurteilen. Erst, wenn es keine anderen geeigneten Mittel, wie zum Beispiel eine Abmahnung oder eine Versetzung, gibt, kann die Kündigung in Betracht gezogen werden. Folgende Voraussetzungen für eine verhaltensbedingte Kündigung gibt es:

  • Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes
  • Vertragsverletzung
  • Abmahnung
  • Negativprognose
  • Typische Beispiele einer verhaltensbedingten Kündigung sind Arbeitsverweigerung, unerlaubte Selbstbeurlaubung (Krankfeiern), Rauchen und Trinken trotz Rauch- und Alkoholverbot, andauernde Unpünktlichkeit, Minusstunden, Mobbing, tätlicher Angriff auf den Arbeitgeber, Diebstahl und öffentliche Beleidigung.

Wehren gegen eine verhaltensbedingte Kündigung

Gegen diese Kündigungsart können sich die betroffenen Arbeitnehmer wehren. Es gibt eine Reihe Gründe, die gegen eine Wirksamkeit der Kündigung sprechen.

Gründenicht rechtmäßige KündigungMaßnahmen gegen die Kündigung
formale GründeKündigung wurde mündlich oder per SMS ausgesprochenKündigung muss schriftlich erfolgen
arbeitsrechtliche GründeKündigungsgrund ist nicht rechtensKündigungsgrund muss vom Arbeitsgericht akzeptiert werden; Arbeitnehmer muss innerhalb von drei Wochen ab Zugang der Kündigung eine Kündigungsschutzklage bei Gericht erheben.
betriebsrechtliche GründeBetriebsrat wurde im Vorfeld der Kündigung nicht angehörtBetriebsrat kann Arbeitnehmer im Kampf gegen die Kündigung unterstützen; beim Widerspruch durch den Betriebsrat kommt es zu einem Rechtsstreit.

Hat der Arbeitnehmer eine verhaltensbedingte Kündigung erhalten, sollte er sich rasch mit einem Experten für Arbeitsrecht in Verbindung setzen. Dort wird die weitere Vorgehensweise besprochen und es kann geklärt werden, ob sich der Arbeitnehmer gegen die Kündigung wehren kann.

Auch, wenn nur geringe Aussichten auf den Gewinn des Verfahrens vor dem Arbeitsgericht bestehen, lohnt es sich, die Kündigung nicht einfach hinzunehmen. Denn eventuell kann sogar eine Abfindung oder ein Vergleich ausgehandelt werden.

Wird nichts gegen die verhaltensbedingte Kündigung unternommen, wird die Agentur für Arbeit eine Sperrzeit von zwölf Wochen verhängen. Stellt das Arbeitsgericht allerdings fest, dass das Arbeitsverhältnis nicht wegen eines Pflichtverstoßes beendet wurde, sondern aus anderen betriebsbedingten Gründen, wird die Agentur für Arbeit keine Sperrzeit verhängen.

Das Arbeitsgericht wird auf jeden Fall die Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber abwägen. Für den Arbeitgeber wird das Arbeitsgericht berücksichtigen, wie erheblich das Verhalten des Arbeitnehmers den Betriebsfrieden gestört hat, ob das Verhalten des Arbeitnehmers ein negatives Beispiel für die Kollegen darstellt und ob eine Gefährdung der Interessen von Dritten oder anderen Arbeitnehmern zu erwarten ist.

Zu Gunsten des Arbeitnehmers bewertet das Arbeitsgericht beispielsweise das Alter des Arbeitnehmers, seine Betriebszugehörigkeitsdauer und die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Ebenso wird das Arbeitsgericht überprüfen, ob sich der Arbeitnehmer schon einmal etwas zuschulden hat kommen lassen. Führt die Abwägung beim Arbeitsgericht zu der Aussage, dass dem Arbeitgeber die erheblichen Belastungen durch den Arbeitnehmer nicht mehr zuzumuten sind, kann er sozial gerechtfertigt kündigen.


Quellen

Haas, Hermann Heinrich: Recht und Praxis der verhaltensbedingten Kündigung »
Lieb, Manfred / Jacobs, Matthias: Arbeitsrecht »
Müller, Olaf / Rieland, Peter: Arbeitsrecht: Tipps und Taktik »
Praxishandbuch GmbH-Geschäftsführer »
Baczko, Michael / Brenner, Doris: Escher: Kündigung, Arbeitslosigkeit - was dann? »


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