Steuerklasse Azubis: Die wichtigsten Fakten

  • Auch bei Azubis entscheidet der Familienstand über die Steuerklasse.
  • Die meisten Auszubildenden werden der Steuerklasse 1 zugeordnet.
  • Lohnsteuer fällt hier erst ab einem Verdienst von 946 Euro im Monat an.

Steuerklassen-für-Azubis

Steuerklassen für Azubis - persönliche Situation entscheidet

FamilienstandSteuerklasse
Ledig & kinderlos bzw. ledig & Kind, aber kein SorgerechtSteuerklasse 1
VerheiratetSteuerklasse 3 und 5 oder Steuerklasse 4
AlleinerziehendSteuerklasse 2
Zusätzlicher NebenjobSteuerklasse 6

Es ist folglich allein der Familienstand dafür entscheidend, nach welcher Steuerklasse ein Azubi veranlagt wird. Ein Beispiel soll verdeutlichen, welchen Einfluss die Änderung der persönlichen Situation auf die Steuerklasse haben kann.

Fallbeispiel: Wann gilt welche Steuerklasse?

Lina ist Auszubildende und lebt mit ihrem Freund Jens zusammen, der Vollzeit als Verkäufer arbeitet. Da beide zwar zusammenwohnen, aber nicht verheiratet sind, ist sowohl Lina als auch Jens der Steuerklasse 1 zugeordnet.

Nun heiraten die beiden in wenigen Wochen. Lina wird dann immer noch Azubi sein. Da sich mit der Hochzeit aber ihr Familienstand von ledig in verheiratet ändert, gilt auch eine andere Steuerklasse. Als Ehepaar werden die beiden automatisch in die Steuerklasse 4 einsortiert.

Die Steuerklassenkombination kann von dem Ehepaar einmal jährlich gewechselt werden, wenn eine andere Variante vorteilhafter ist.

Ledig und keine Kinder bzw. ledig mit Kind, aber ohne Sorgerecht

In dieser Steuerklasse muss erst dann Lohnsteuer gezahlt werden, wenn ein monatlicher Bruttoverdienst von 945 Euro überschritten wird.

Im ersten Ausbildungsjahr wird die monatliche Verdienstgrenze nur selten erreicht. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr ist dies schon öfter der Fall.

  • Auch wenn Azubis die monatliche Verdienstgrenze unterschreiten, heißt dies noch lange nicht, dass sie gar keine Steuern zahlen müssen. Denn viele Betriebe zahlen ihren Mitarbeitern Weihnachts- und/oder Urlaubsgeld.
    Diese zusätzlichen Einkünfte sind grundsätzlich nicht steuerfrei, sondern werden dem jährlichen Bruttoverdienst hinzugerechnet.
Ehepaare

Vor allem wenn der Partner deutlich mehr verdient als der Azubi, wäre die Steuerklassenkombination 3/5 lohnenswert. Dies würde aber auch bedeuten, dass der Azubi in der Steuerklasse 5 unter Umständen deutlich mehr Steuern zahlen müsste als es in anderen Steuerklassen der Fall wäre.

  • Die Steuerklasse 4 ist dann geeignet, wenn die Gehälter beider Partner nah beeinander liegen.
Alleinerziehende
Kein Sorgerecht

Ledige Azubis mit Kind werden in der Regel in die Steuerklasse 2 eingeordnet. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie

  • das Sorgerecht für das Kind besitzen und demzufolge auch
  • das Kindergeld beziehen.
Nebenjob über 450 Euro (Angestelltentätigkeit)

Ähnlich wie einem Arbeitnehmer steht es auch einem Azubi frei, zusätzlich zu seiner Ausbildung noch einen oder mehrere Nebenjobs anzunehmen.

Dies bedeutet, dass er in der Steuerklasse 6 bereits ab dem ersten Euro Steuern zahlen muss und keinerlei Freibeträge in Anspruch nehmen kann. Dieses Recht stünde ihm nur in seinem Erstjob bzw. in seiner Ausbildung zu.

  • Für die Aufnahme eines Nebenjobs benötigen Azubis die Erlaubnis ihres Chefs bzw. ihres Ausbildungsbetriebes.

Steuerklassen für Azubis: Was muss an Steuern gezahlt werden?

SteuerMuss gezahlt werdenBedingungenHöheAnmerkungen
Lohnsteuer(in der Regel)Man ist in der Steuerklasse 1 und verdient mehr als 945 Euro/MonatIn der Regel keine Lohnsteuer.In der Steuerklasse 1 fällt Lohnsteuer erst an, wenn man mehr als 945 Euro/Monat verdient
KirchensteuerMan zahlt Lohnsteuer und gehört einer Kirche an9 Prozent der LohnsteuerAusnahme: 8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg
SolidaritätszuschlagMan zahlt mehr als 972 Euro Lohnsteuer im Jahrca. 5,5 Prozent der LohnsteuerDie Überweisung an das Finanzamt wird vom Ausbildungsbetrieb übernommen

Die Kirchensteuer fällt an, wenn der Azubi einer Religionsgemeinschaft angehört, die ihre Kirchensteuer durch den Staat einziehen lässt. Dies ist nicht nur bei der evangelischen und der katholischen Kirche, sondern auch bei einigen anderen Religionsgemeinschaften der Fall. Nähere Auskünfte gibt das örtliche Finanzamt geben.

Häufig gestellte Fragen

Ein Wechsel der Steuerklasse ist in der Regel Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnerschaften vorbehalten. Ist ein Azubi also verheiratet oder lebt in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft, kann er gemeinsam mit seinem Partner einen Steuerklassenwechsel beantragen.

Ein solcher Wechsel ist einmal im Jahr möglich. Das nötige Formular muss dem Finanzamtbis zum 30. November vorliegen.

PDF-Formular Steuerklassenwechsel

  • Beide Partner müssen mit dem Wechsel einverstanden sein und den Antrag unterschreiben.

Die Möglichkeit des Steuerklassenwechsels haben aber auch alleinerziehende Azubis, sofern sie dauerhaft mit einem minderjährigen Kind in einem Haushalt leben und für dieses das Sorgerecht haben. Es darf zudem keine weitere volljährige Person dort leben, die als weiterer Erziehungsberechtigter fungieren könnte. Alleinerziehende können in die für sie vorteilhaftere Steuerklasse 2 wechseln.

Generell gilt: Solange ein Azubi keiner weiteren Tätigkeit nachgeht, besteht keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Doch es kann sich lohnen als Auszubildender eine Einkommenssteuererklärung anzufertigen.

Sobald ein Azubi Lohnsteuer zahlen muss und gleichzeitig mehr als 1000 Euro Werbungskosten hat, kann er durchaus von der Abgabe einer Steuererklärung profitieren. Als Werbungskosten können beispielsweise Fahrtkosten oder Fachliteratur abgesetzt werden.

  • Auszubildende haben den Vorteil, dass sie eine vereinfachte Einkommenssteuererklärung abgeben können.

PDF-Formular Vereinfachte Steuererklärung

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Finanzen: Merkblatt zur Steuerklassenwahl
  2. Bundesfinanzministerium: Steuerliche Entlastungen für Arbeitnehmer, Familien und Alleinerziehende 

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