Welche Steuerklasse gilt, wenn man geschieden oder getrennt lebend ist? Auf Geschiedene und getrennt Lebende kommen nach dem Ende einer Ehe meist große Veränderungen zu. Auch in steuerrechtlicher Hinsicht gibt es einiges, das Partner nach einer Trennung beachten müssen.

Wann und wie wird zum Beispiel die Steuerklasse nach einer Trennung oder Scheidung gewechselt? Was ist ein Trennungsjahr? Und wie verhält es sich mit den Scheidungskosten?

Geschiedene und getrennt Lebende: ernsthafte Versöhnungsversuche

Um die Scheidung einreichen zu können, muss das Ehepaar mindestens ein Jahr lang getrennt leben und bei Bedarf einen oder mehrere ernsthafte Versöhnungsversuche unternehmen.

Die Versöhnungsversuche können im günstigsten Falle nicht nur dazu führen, dass das Ehepaar wieder zusammen findet und die Scheidung überflüssig wird, sondern haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Steuerpflicht.

  • Jeder ernsthafte Versöhnungsversuch, welcher mindestens drei bis vier Wochen andauern sollte, verlängert die Zusammenveranlagung für getrennt Lebende um ein weiteres Jahr.

Auf die Länge des Trennungsjahres hat ein Versöhnungsversuch jedoch keinerlei Einfluss.

Besonders günstig stellt sich die Lage dar, wenn beide Ehepartner über den Jahreswechsel versuchen, wieder zusammen zu kommen. Hier kann die Zusammenveranlagung sogar um zwei Jahre verlängert werden.

Getrennt Lebende: die Steuerklasse im Trennungsjahr

Geschiedene und getrennt lebende

Während des Trennungsjahres bleiben die Partner zunächst in ihren bisherigen Steuerklassen (3 und 5 oder 4 und 4). Das Positive: Zu dieser Zeit können getrennt Lebende noch von den steuerlichen Vorteilen der Zusammenveranlagung profitieren.

Entscheidend für die Steuerklasse im Trennungsjahr ist jedoch auch die Frage, wann im Kalenderjahr die Trennung erfolgt. Stichtag für die Veranlagung ist dabei der 31.12..

  • Trennt sich ein Paar Anfang Dezember, dann hat dies zur Folge, dass bereits ab dem 1. Januar des kommenden Kalenderjahres die Steuerklasse 1 zum Einsatz kommt.
    Trennt sich ein Paar hingegen Anfang Januar, dann gelten noch das gesamte Jahr die bisherigen Steuerklassen (3 und 5 oder 4 und 4).

Zu beachten ist ebenfalls: Entscheidet sich in der Trennungszeit einer der Eheleute, in eine der anderen Steuerklassen zu wechseln, muss der Partner den Wechsel ebenfalls vollziehen.

Geschiedene: die Steuerklasse nach der endgültigen Trennung

Sind alle Versöhnungsversuche gescheitert, gilt ab dem 1. des Folgejahres die Steuerklasse 1 für beide Partner. Sie werden nun als ledige Personen gesehen.

Sollten Kinder unter 18 Jahre vorhanden sein, kann der erziehungsberechtigte Elternteil die Steuerklasse 2 beantragen. Diese Steuerklasse ist auf die Bedürfnisse Alleinerziehender zugeschnitten, was unter anderem daran erkennbar ist, dass sie einen jährlichen Alleinerziehendenentlastungsbetrag in Höhe von 1.908 Euro vorsieht, welcher zusätzlich zum Kinderfreibetrag und dem Grundfreibetrag geltend gemacht werden kann.

Übersicht: die Steuerklassen beim Trennungsjahr

Im TrennungsjahrNach dem Trennungsjahr
Unabhängig von Kindern muss man in getrennten Haushalten leben.Beide Ehepartner werden in die Steuerklasse 1 eingeordnet.
Bei der Trennung im Laufe eines Kalenderjahres gilt die bisherige Steuerklasse bis zum nächsten 31. Dezember.Gibt es Kinder, bekommt derjenige, dem sie zugesprochen werden, die Steuerklasse 2. 
Steuerklassen im Trennungsjahr

Rechenbeispiel: Unterschied zwischen Steuerklasse 1 und Steuerklasse 3

Im Trennungsjahr haben die ehemaligen Partner weiterhin die Möglichkeit der Zusammenveranlagung. Nach dem Jahr werden beide Partner als ledige Personen angesehen und in der Regel der Steuerklasse 1 zugeordnet. Aber wie groß ist der Unterschied zwischen der Steuerklasse 3, die eine mögliche Klasse während des Trennungsjahres ist, und der Streuerklasse 1?

Rainer verdient 3300 Euro brutto. Während des Trennungsjahres befindet er sich in Steuerklasse 3 und muss ca. 250 Euro Lohnsteuer zahlen.

Nach dem Trennungsjahr wird Rainer nach Lohnsteuerklasse 1 veranlagt. Dort muss er mit knapp 500 Euro das doppelte an Lohnsteuer leisten.

Geschiedene: Scheidungskosten und Unterhalt in der Steuererklärung

Die Scheidungskosten sind außergewöhnliche Belastungen, welche bei Bedarf in der jährlichen Steuererklärung angegeben werden können.

Dabei wird jedoch erwartet, dass sich Geschiedene angemessen an den Kosten beteiligen und einen gewissen Eigenanteil selbst zahlen.

Sofern einer der beiden Ehepartner Unterhalt an seinen geschiedenen Partner zahlt, kann dieser Unterhalt in der Anlage U der jährlichen Steuererklärung detailliert aufgeführt werden.

  • Unterhalt kann bis zur Höhe von maximal 13.805 Euro pro Jahr von der Steuer abgesetzt werden.

Steuerklasse für geschieden und getrennt lebend: Häufig gestellte Fragen

Hierfür gibt es ein eigenes Formular, mit Hilfe dessen dem Finanzamt offiziell eine Erklärung über das dauernde Getrenntleben abgegeben wird. Im Übrigen sind Arbeitnehmer dazu verpflichtet, ein dauerndes Getrenntleben dem Finanzamt unverzüglich mitzuteilen. Und zwar sobald die Voraussetzungen erfüllt sind, die als Konsequenz in einer Einstufung in eine schlechtere Steuerklasse resultieren.

  • Um den Wechsel der Steuerklasse bei dauerndem Getrenntleben zu vollziehen, muss das Formular „Erklärung zum dauernden Getrenntleben“ ausgefüllt, mit der Steuer ID versehen und unterschrieben werden. Hier können Sie das Formular kostenlos runterladen:PDF-Formular Erklärung zum dauerhaften Getrenntleben

Das Formular kann dem Finanzamt persönlich überbracht werden. In diesem Fall muss ein Ausweis vorgelegt werden. Selbstverständlich kann auch eine Übersendung per Brief erfolgen.

Auch ein bevollmächtigter Dritter kann dem Finanzamt den Antrag auf Wechsel der Steuerklasse aufgrund dauernden Getrenntlebens überbringen. Eine schriftliche Vollmacht ist in diesem Fall zwingend nötig.

Des Weiteren ist für den Wechsel die Lohnsteuerkarte bzw. die Ersatzbescheinigung beider Ehegatten erforderlich.

Unabhängig davon, ob eine Person verheiratet, getrennt lebend oder alleinstehend ist, wird sie bei der Aufnahme einer oder mehrerer Nebentätigkeiten mit diesen in die Steuerklasse 6 eingeordnet.

In dieser Steuerklasse können weder Kinderfreibeträge, noch irgendwelche anderen steuerlichen Entlastungen in Anspruch genommen werden.

Sollten Geschiedene und getrennt Lebende haupt- oder nebenberuflich selbstständig sein, gelten gesonderte Regelungen.

  • Nimmt eine selbstständige Person eine abhängige Nebentätigkeit auf, wird sie nicht in die Klasse 6 eingeordnet.
  • Es ist die Steuerklasse gültig, die auch für eine hauptberufliche Arbeitnehmertätigkeit verbindlich ist.

Geschiedene und getrennt Lebende werden so lange wie Singles behandelt, wie sie diesen Status beibehalten. Das heißt, zu dieser Zeit sind sie der Steuerklasse 1, oder als Alleinerziehende der Steuerklasse 2, zugeordnet.

Sollten sie jedoch erneut die Ehe eingehen, ändert sich auch die Steuerklasse. Ein Paar wird mit der Heirat automatisch in die Steuerklassen 4 und 4 einsortiert. Ist die Kombination der Steuerklassen 3 und 5 für das Ehepaar günstiger, kann ein Wechsel hin zu diesen Klassen beantragt werden.

  • Tim ist geschieden und wurde nach dem Trennungsjahr der Steuerklasse 1 zugeordnet. Seit zwei Jahren ist er mit Lena zusammen, die als ledige Person ebenfalls der Klasse 1 zugeteilt ist.
    Nun möchten Tim und Lena heiraten. Wie jedes andere Ehepaar auch werden sie nach der Eheschließung automatisch in Steuerklasse 4 eingeordnet. Sollte diese Steuerklassenkombination aufrund zu großer Gehaltsunterschiede nicht vorteilhaft für das Paar sein, haben sie die Möglichkeit, die Steuerklassen zu wechseln. Denkbar wären ebenso die Kombinationen 3/5 oder 4/4 mit Faktor.

Wichtige Fakten für die Steuerklasse bei geschieden und getrennt lebend

  • Bevor zwei Personen als Geschiedene gelten, müssen sie zunächst ein Trennungsjahr durchführen.
  • Während des Trennungsjahres können die bisherigen Steuerklassen bestehen bleiben.
  • Nach dem Trennungsjahr kommen die ehemaligen Partner in die Steuerklasse 1.
  • Haben getrennt Lebende ein gemeinsames Kind, kommt der Partner, der das Sorgerecht hat, nach dem Trennungsjahr in Steuerklasse 2.
  • Der Steuerklassenwechsel nach der Scheidung geschieht nicht automatisch, sondern muss beim Finanzamt beantragt werden.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Steuern: Folgen bei Trennung und Scheidung
  2. Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.: Unterhalt von der Steuer absetzen

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