Welche Steuerklasse gilt für Witwen und Witwer? Wenn ein Ehepartner stirbt, ist dies immer ein großer Einschritt. Damit Witwen bzw. Witwer zu den ohnehin schon großen Sorgen in einer solchen Situation nicht auch noch finanzielle Probleme bekommen, hat der Gesetzgeber hier entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen.

Dazu gehört unter anderem auch, dass Verwitwete eine Zeit lang in die Steuerklasse 3 eingeordnet werden, obwohl sie vom rechtlichen Standpunkt eher als Alleinstehende zu betrachten wären.

Warum werden Witwen in die Steuerklasse 3 eingestuft?

In der Steuerklasse 3 erhalten Witwen die höchsten Freibeträge. Statt der sonst üblichen 8.004 Euro Freibetrag bekommen sie beispielsweise 16.008 Euro Freibetrag. Sollte Witwen Kinder haben, erhöht sich die Summe entsprechend weiter.

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In vielen Fällen entfällt auf diese Weise die Steuerpflicht gleich ganz. Als Begründung für die steuerliche Bevorzugung führt der Staat an, dass der Witwe durch den Verlust des Partners eine enorme finanzielle Belastung aufgebürdet wurde, die ohne ihr Zutun entstanden ist.

Es ist deshalb die Pflicht der Gesellschaft, ihr bei der Meisterung dieser Probleme zu helfen. Dies geschieht über die Bevorzugung durch die Steuerklasse 3.

Steuerklassen für Witwen auf einen Blick

SteuerklasseZeitpunkt
1Nach Ablauf des Jahres, in dem der Partner verstorben ist und dem Folgejahr. Hat die Witwe inzwischen wieder geheiratet, wird sie mit ihrem neuen Partner entweder nach den Klassen 3 und 5 oder 4 veranlagt.
2Nach Ablauf des Jahres, in dem der Partner verstorben ist und dem Folgejahr. Bedingung: Zumindest ein minderjähriges Kind lebt noch im Haushalt.
3Im Jahr des Todes des Partners und dem Folgejahr.
6In jedem Jahr und zusätzlich zu jeder anderen Steuerklasse, wenn die Witwe einer zweiten Beschäftigung nachgeht.

Wie können Witwen die Steuerklasse ändern?

Für das Jahr des Todes des Ehepartners und das darauffolgende Jahr wird die Steuerklasse für Witwen ab dem 1. des Folgemonats auf die Klasse 3 umgestellt.

  • Verwitwete werden automatisch in Steuerklasse 3 einsortiert. Die Meldeämter übermitteln den Zeitpunkt des Todes des Partners an die Datenbank der Finanzverwaltung.

Eventuell ist Steuerklasse 2 günstiger als Steuerklasse 3, sofern der Witwe der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht. Ein entsprechender Wechsel hin zu Klasse 2 anstelle zu 3 muss beim Finanzamt beantragt werden.

Für den Antrag sind folgende Steuer Formulare nötig:

die Versicherung zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  der Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2017

Bei einer Änderung der Freibeträge reicht auch der

Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2017

Steuerklasse bei Witwen: Was passiert nach Ablauf der Bevorzugung?

Witwen

Endet die Zeit der Witwe in der Steuerklasse 3, so wird diese in dieSteuerklasse 1 eingestuft. Sie verliert also ihre Privilegien und wird vom Staat als eine ledige Person betrachtet. Jedoch gibt es hier auch Ausnahmen: Wer minderjährige, im Haushalt lebende Kinder hat oder als Witwe bzw. Witwer eine neue Ehe eingeht, wird nicht in Steuerklasse 1 einsortiert.

Rechenbeispiel: von Steuerklasse 3 zu Steuerklasse 1

Erna erhält ein monatliches Bruttogehalt von 2400 Euro. Nach dem Tod ihres Mannes wird sie zwei Jahren lang in Steuerklasse 3 eingeordnet. Dort muss sie nur knapp über 50 Euro Lohnsteuer zahlen. Nach Ablauf der Bevorzugung kommt Erna in Steuerklasse 1. Dort fallen rund 200 Euro mehr Lohnsteuer an.

Alleinstehende: Steuerklasse für Witwen

Sofern Witwen nach dem Tod des Ehepartners nicht wieder heiraten, werden sie steuerlich wie ein Single behandelt. Dies heißt dann ganz konkret, dass sie nach Ablauf der Zeit in Klasse 3 entweder in die Steuerklasse 1 oder die Steuerklasse 2 eingeordnet werden.

Die Steuerklasse 1 ist für alle Personen maßgebend, die keine Kinder haben oder deren Kinder nicht dauernd bei ihnen leben und für die sie auch nicht kindergeldberechtigt sind.

Alleinerziehende Personen, die mindestens ein Kind zu erziehen haben und das alleinige Sorgerecht besitzen, erfüllen in den allermeisten Fällen die Voraussetzungen für eine Einordnung in die Steuerklasse 2.

Diese Steuerklasse ist mit zahlreichen Vergünstigungen für alleinerziehende Personen versehen, wozu unter anderem ein jährlicher Alleinerziehendenentlastungsbetrag in Höhe von 1.908 Euro pro Kind gehört.

Erneute Heirat: Steuerklasse für Witwen

Sobald Witwen wieder heiraten, müsste sie die Steuerklasse erneut ändern. Dies kann jedoch grundsätzlich nur zusammen mit dem Ehepartner erfolgen.

Verdienen beide Ehepartner in etwa gleich viel, sollten sie die Steuerklassenkombination 4/4 wählen, ansonsten wäre es in der Regel besser, wenn sie sich für das Ehegattensplitting entscheiden würden. Der gut verdienende Ehepartner sollte dann die Steuerklasse 3 und der andere Partner die Steuerklasse 5 wählen.

Sofern eine verwitwete Person nach dem Tod des Ehepartners nicht wieder heiratet, wird sie steuerlich wie ein Single behandelt. Dies heißt dann ganz konkret, dass sie entweder in die Steuerklasse 1 oder die Steuerklasse 2 eingeordnet wird.

Steuerklassen bei Witwen – ein Fallbeispiel

Helga ist 25 Jahre lang mit Ernst verheiratet, als dieser plötzlich stirbt. Nach dem Tod ihres Mannes wird Helga automatisch in Steuerklasse 3 eingeordnet. Da die gemeinsamen Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits erwachsen und aus dem Haus sind, macht ein Wechsel zur Steuerklasse 2 keinen Sinn und Helga bleibt die zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes in der Klasse 3.

Nach den zwei Jahren wird Helga als ledige Person angesehen und daher in die Steuerklasse 1 einsortiert. In dieser bleibt sie 5 Jahre – so lange, bis sie ihren neuen Lebenspartner August heiratet.

August und Helga werden nach der Hochzeit automatisch in Steuerklasse 4 eingeordnet. Da beide in etwa gleich hohe Einkünfte haben, belassen sie es bei der Steuerklassenkombination 4/4.

Häufig gestellte Fragen zur Steuerklasse bei Witwen

Wer seinen Ehepartner verloren hat, wird sich auch mit dem Thema Witwenrente auseinandersetzen müssen. Sofern ein Paar verheiratet war oder in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft gelebt hat, steht dem überlebenden Partner ein Anteil der gesetzlichen Rente des anderen zu. Die Voraussetzung: Der Verstorbene muss bereits Rente erhalten oder zumindest fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Es gibt zwei Formen der Hinterbliebenenrente: die kleine und die große Witwenrente. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um der einen oder der anderen Form zugeordnet zu werden, zeigt folgende Tabelle.

Kleine WitwenrenteGroße Witwenrente
Witwe bzw. Witwer muss mit dem Verstorbenen zum Zeitpunkt des Todes verheiratet gewesen seinWitwe bzw. Witwer muss mit dem Verstorbenen zum Zeitpunkt des Todes verheiratet gewesen sein
Witwe bzw. Witwer nicht wieder geheiratet hat oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet hatWitwe bzw. Witwer nicht wieder geheiratet hat oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet hat
Der verstorbene Partner die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hatDer verstorbene Partner die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hat oder vorzeitig erfüllt hat (zum Beispiel durch einen Arbeitsunfall) oder er bereits eine Rente bezogen hat
  • Hat eine Witwe eigene Einkünfte, so werden diese ab einer bestimmten Höhe auf die Witwenrente angerechnet. In den ersten drei Monaten nach dem Todesfall werden jedoch keine Anrechnungen vorgenommen.

Nach neuem Recht sind zusätzlich folgende Punkte zu beachten:

  • Die Ehe muss mindestens ein Jahr lang bestanden haben.
  • Es darf kein Rentensplitting vorgenommen worden sein.
  • Nach neuem Recht stehen Hinterbliebenen bei der großen Witwenrente 55 Prozent der Rente des Verstorbenen zu.
  • Die kleine Witwenrente ist auf 24 Monate befristet.

Wann gilt das neue Recht? Immer dann, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Wenn die Ehepartner nach dem 31. Dezember 2001 geheiratet haben
  • Bei früherer Eheschließung: beide Partner nach dem 1. Januar 1962 geboren sind

Im Fall von Witwen hat der Familienstand keinen Einfluss auf die Steuerklasse beim Nebenjob. Ähnlich wie bei Ledigen, Alleinerziehenden oder Verheirateten gilt: Wird ein Nebenjob ausgeübt, der die 450 Euro Grenze übersteigt, müssen für diesen Steuern gezahlt werden. Der Nebenerwerb wird dann der Steuerklasse 6 zugeordnet.


Zusammengefasst: das Wichtigste für Witwen auf einen Blick

  • Nach dem Tod des Partners werden Verwitwete automatisch in Steuerklasse 3 eingeordnet.
  • Die Steuerklasse 3 gilt für Witwen im Jahr des Todes des Partners und für das darauffolgende Jahr.
  • Nach Ablauf der Bevorzugung werden die Verwitweten als ledig angesehen und der Steuerklasse 1 zugeteilt.
  • Hat die Witwe mindestens ein minderjähriges Kind, das dauerhaft mit im Haushalt lebt, kann die Steuerklasse 2 beantragt werden.
  • Bei erneuter Heirat greift automatisch die Steuerklassenkombination 4/4. Ein Wechsel dieser Kombination ist möglich.

Einzelnachweise


  1. Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen: Todesfall - Witwen/Witwer und Waisen
  2. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 38b Lohnsteuerklassen, Zahl der Kinderfreibeträge
  3. Deutsche Rentenversicherung: Die Hinterbliebenenrente: sichert Existenzen
  4. Gesetze im Internet: § 46 Witwenrente und Witwerrente
  5. Gesetze im Internet: § 50 Wartezeiten

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