Die wichtigsten Fakten

  • Mit dem Verlustvortrag werden die Verluste eines Steuerjahres für die Folgejahre geltend gemacht.
  • In der Steuererklärung findet sich die Erklärung zum Verlustvortrag im EST 1A Mantelbogen.
  • Interessant ist der Verlustvortrag für Selbstständige, Gewerbetreibende oder Studenten.
  • Für den normalen Steuerzahler sind nur Verluste aus Wertpapiergeschäften/Kapitalanlagen relevant.

PDF Mantelbögen und Anlagen

Verlustvortrag

Was ist ein Verlustvortrag und weitere wichtige Fragen

Der Verlustvortrag ist eine steuerrechtliche Möglichkeit, angefallene Verluste in der Steuererklärung zu berücksichtigen und somit den Verlust durch eine Steuerersparnis abzumildern.

Steuerrechtlich ist ein Verlust der Betrag, der die Summe der Einkünfte übersteigt. Also: der negative Gewinn. Normalerweise hat er eine direkt mindernde Wirkung der Steuer, denn eigentlich ist nur der positive Gewinn zu versteuern.

Sollte es passieren, dass die Verluste nicht direkt steuerlich geltend gemacht werden können, besteht die Möglichkeit, diese für die Zukunft über die Steuererklärung durch das Finanzamt anrechnen zu lassen.

In der Steuererklärung werden die Verluste eingetragen. Dazu muss das Feld 'Erklärung zur Feststellung des Verlustvortrags' ausgewählt sein.

Das Finanzamt vermerkt den entsprechenden Verlust und stellt einen Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags aus.

  • Ohne diesen Bescheid ist ein Verlustvortrag nicht möglich. Dieser ist zudem nur dann möglich, wenn in Zukunft wieder Gewinne zu erwarten sind - die Summe der Einkünfte also den Wert der Ausgaben übersteigt.

Der Verlustvortrag bietet folgende Möglichkeiten:

  • Verlust aus dem Steuerjahr wird mit künftigen Gewinnen gegengerechnet (Verlust darf nicht bereits zu einem Steuervorteil geführt haben)
  • Verluste bis zu einer Million Euro (zwei Million Euro Ehegatten) zu 100 Prozent vortragbar
  • Restbetrag bis zu 60 Prozent vortragbar
  • Rückwirkender Verlustvortrag ist bis zu vier Jahre möglich
  • Einkünfte unter Grundfreibetrag setzen den Vortrag nicht aus

Die Verluste führen im folgenden Jahr oder in den Folgejahren direkt zu einer steuerlichen Begünstigung. Sie werden gegenüber den Sonderausgaben sowie den außergewöhnlichen Belastungen vorrangig behandelt. Der Verlustvortrag mindert das zu versteuernde Einkommen, das über die Steuererklärung ermittelt wird.

Dies bedeutet, die Verluste mindern die Einkünfte direkt. Abgezogen werden können Verluste von einer Million Euro zu 100 Prozent. Weitere 60 Prozent des Restbetrags können ebenfalls geltend gemacht werden. Bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren erhöht sich der entsprechende Betrag auf zwei Millionen Euro.

Reichen die positiven Einkünfte nicht aus, um die Verluste auszugleichen, wird die verbleibende Summe für das kommende Jahr aufgespart. Das Finanzamt führt die entsprechenden Berechnungen automatisch durch.

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Häufig gestellte Fragen zum Verlustvortrag

Ja. Möchte man einen Verlustvortrag durchführen, muss beim zuständigen Finanzamt eine Steuererklärung abgegeben werden.

Dies ist auch dann der Fall, wenn man eigentlich nicht dazu verpflichtet ist, eine Steuererklärung zu machen. Es genügt in diesem Fall, im Mantelbogen anzukreuzen, dass ein Verlustvortrag durchgeführt wird und diesen beizulegen.

Ansonsten müssen nur die persönlichen Daten eingetragen werden. Die Erklärung ist also der Antrag auf den notwendigen Bescheid.

Anders kann der Verlustvortrag und somit die Anrechnung des Verlustes für die Folgejahre nicht erfolgen!

Hat man im Vorjahr Gewinne gemacht, so ist es möglich, diese mit den Verlusten des laufenden Jahres zu verrechnen.

Gesetzt den Fall, dass diese eine gleiche Höhe haben, so führt dies zu einer Nullmeldung des Verlustes für das laufende Jahr.

Allerdings erhält man in diesem Fall dennoch eine Steuerrückzahlung, weil man die Gewinne im Vorjahr versteuern musste.

Die Pflicht zur Versteuerung entfällt jedoch über die Verrechnung mit den Verlusten. Es handelt sich also um einen rückwirkenden Verlustvortrag über die Steuererklärung.

Es gibt auch die Variante eines rückwirkenden Verlustvortrags, dem sogenannten Verlustrücktrag. Gesetzt den Fall, man hat vor zwei Jahren einen Verlust gemacht, im letzten Jahr überstiegen die Einkünfte allerdings wieder die Ausgaben, so kann man den Verlust von vor zwei Jahren rückwirkend als Verlustvortrag auf den Gewinn vom letzten Jahr anrechnen lassen.

Dies gilt auch dann, wenn bereits ein gültiger Steuerbescheid zugestellt worden sein sollte.

  • Ein solcher Verlustrücktrag ist für die letzten vier Jahre möglich.

Hatte man in dem Jahr des Verlustes jedoch keine Steuererklärung beim Finanzamt abgegeben, hat man sogar sieben Jahre Zeit.

Nach dem Jahr, in dem man den Verlust gemacht und einen wirksamen Bescheid für einen entsprechenden Vortrag erhalten hat, wird der Verlust in jedem Jahr gegen die Einkünfte gerechnet, solange bis sie zur Höhe von einer Million Euro abgegolten sind.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sich die Einkünfte unterhalb des Grundfreibetrags bewegen. Die Einkünfte werden gemäß den Möglichkeiten des Verlustvortrages auf Null gesenkt.

Hinsichtlich dieser Vorgehensweise wurde eine entsprechende Verfassungsbeschwerde gegen diese Praxis vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Verlustvortrag Studium

Studenten können vom Verlustvortrag profitieren. Denn bei einem Zweitstudium können entstandene Kosten beim Finanzamt als Verluste gemeldet werden, die dann nach dem Studium die Steuerlast mindern können.

Sind die Ausbildungskosten eines Studenten höher als seine steuerpflichtigen Einnahmen, kann dieser Verlust also auf das Folgejahr übertragen werden.

Einzelnachweise


  1. Bundesfinanzministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Einkommensteuergesetz (EStG) §10 

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