Jährlich die Steuerklasse wechseln – das ist ein Steuervorteil, von dem vor allem Ehepaare und eingetragene Lebenspartner profitieren können.

Wer heiratet oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingeht, wird von Steuerklasse 1 bzw. Steuerklasse 2 in Steuerklasse 4 verschoben. Die Steuerklassenkombination 4/4 ist eine von drei möglichen Varianten für Verheiratete und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.

Ist diese Kombination im Einzelfall ungünstig, kann ein Paar jährlich die Steuerklasse wechseln. Doch wann ist ein Steuerklassenwechsel wirklich sinnvoll?

Jährlich Steuerklasse wechseln: Wann macht ein Wechsel Sinn?

Ein Steuerklassenwechsel sollte in Erwägung gezogen werden, wenn sich die Lebenssituation oder das Einkommensverhältnis einer Person ändert. Ein Wechsel bietet sich daher besonders für Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner an.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass Verheiratete sowie eingetragene Partner zwischen drei Steuerklassenkombinationen wählen können. Erweist sich die bisherige Kombination als ungünstig, weil sich beispielsweise die Gehälter des Paares ändern, kann ein Wechsel der Steuerklasse von Vorteil sein.

  • Die Steuerklasse kann einmal pro Jahr gewechselt werden.

Übersicht: Steuerklassen für Ehepaare

Steuerklasse 3Steuerklasse 4Steuerklasse 5
Paare mit unterschiedlich hohem Einkommen: Für den BesserverdienerPaare mit etwa gleich hohem Einkommen: Für beide PartnerPaare mit unterschiedlich hohem Einkommen: Für den Schlechterverdiener

Fallbeispiel: Wann ist ein Steuerklassenwechsel sinnvoll?

Jährlich Steuerklasse wechseln

Fiona und David sind verheiratet. Fiona arbeitet Vollzeit als Bankkauffrau und verdient monatlich 2700 Euro. Ihr Partner David ist in der Marketingabteilung eines Unternehmens tätig.

Dort erhält er 2800 Euro monatlich. Da die Einkünfte in etwa gleich hoch sind, hat sich das Paar für die Steuerklassenkombination 4/4 entschieden.

Nun hat sich David auf die Stelle des Marketingleiters beworben und diese auch bekommen. Mit der Beförderung ist eine Gehaltserhöhung auf 4600 Euro monatlich verbunden.

Die Gehälter der beiden Partner liegen jetzt weit auseinander. Ein Steuerklassenwechsel ist daher ratsam.

Die meisten Vorteile hätte das Paar in diesem Fall durch die Steuerklassenkombination 3/5. Fiona würde die Steuerklasse 5 wählen, David die Klasse 3.

Jährlich Steuerklasse wechseln: Wie funktioniert's?

Der eigentliche Wechsel der Steuerklasse ist sehr einfach. Dazu müssen die Betroffenen ein Formular ausfüllen und unterschrieben an das zuständige Finanzamt schicken.

  • Möchte ein Ehepaar oder eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft die Steuerklassen wechseln, ist es zwingend erforderlich, dass beide Partner mit dem Wechsel einverstanden sind und beide das Formular unterschreiben.

Für wenn eine Änderung der Lohnsteuerklasse möglich ist, kann einmal jährlich die Steuerklasse wechseln. Wer ein persönliches Gespräch bevorzugt, sollte einen Termin mit einem Ansprechpartner beim zuständigen Finanzamt vereinbaren.

Gründe für einen Steuerklassenwechsel

Oft führt eine veränderte Lebenssituation dazu, dass ein Steuerklassenwechsel sinnvoll ist oder gar automatisch vollzogen wird. Gründe für einen Steuerklassenwechsel können daher folgende sein:

  • Heirat (nach der Eheschließung wird ein Paar automatisch in Steuerklasse 4 eingeordnet),
  • Eintragung einer Lebenspartnerschaft (wie bei der Eheschließung wird das Paar automatisch nach Steuerklasse 4 veranlagt.)
  • Geburt eines Kindes bei Alleinerziehenden
  • Bezug von Elterngeld
  • Bevorstehende Arbeitslosigkeit
  • Scheidung
  • Gehaltsänderung

Jährlich Steuerklasse wechseln – häufig gestellte Fragen

Nein. Der Wechsel in eine andere Steuerklasse kann zwar zu einem höheren monatlichen Nettoeinkommen verhelfen, im Rahmen einer Einkommensteuererklärung am Jahresende wird dies jedoch wieder nivelliert. Vor allem in der Steuerklassenkombination 3/5 sind Steuernachzahlungen sehr häufig.

Die Wahl der Steuerklasse 3/5 hat jedoch den entscheidenden Nachteil, dass diese Paare in jedem Fall eine Steuererklärung am Jahresende abgeben müssen. Bei der Klassenkombination 4/4 ist das nicht erforderlich.

Die Abgabe der Steuererklärung ermöglicht es dem Finanzamt, durch die Addition der beiden Einkommen und die Anwendung des Ehegattensplittings eventuell zu wenig gezahlte Steuern nachzufordern.

  • Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei der Steuerklasse 3/5 fast immer eine Steuernachzahlung erfolgt. Der Wechsel lohnt sich nur dann, wenn der Einkommensunterschied zwischen den beiden Einkommen mindestens 40/60 Prozent beträgt.

Der Steuerklassenwechsel kann jedoch auch aus einem anderen Grund wichtig sein. Dadurch, dass sich bei einem Arbeitnehmer das Nettoeinkommen erhöht, hat er den Vorteil, dass bei allen staatlichen Zahlungen, die auf dem Nettoeinkommen beruhen, eine höhere Zahlung erzielt wird.

Einzelnachweise


  1. Bundesministerium für Finanzen: Merkblatt zur Steuerklassenwahl
  2. Bundesfinanzministerium: Steuerliche Entlastungen für Arbeitnehmer, Familien und Alleinerziehende 
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Steuern: Folgen bei Trennung und Scheidung

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