Wer in Deutschland neben seinem Erstwohnsitz noch einen zweiten Wohnort hat, beispielsweise aus beruflichen Gründen, der muss eine sogenannte Zweitwohnsitzsteuer leisten, die auch als Zweitwohnungsteuer, Zweitwohnungssteuer oder Zweitwohnungsabgabe bezeichnet wird.

Bei dieser Steuer handelt es sich um eine Abgabe, die von Kommunen erhoben wird. Rechtliche Basis für die Erhebung der Steuer durch die Gemeinden und Kommunen ist Art. 105 Grundgesetz (GG).

Höhe der Zweitwohnsitzsteuer

Die Höhe für diese Steuer liegt in der Verantwortung der jeweiligen Kommunen und Gemeinden. Ausschlaggebend für die Höhe des verlangten Steuersatzes ist die Lage der Wohnung.

Im Augenblick (Stand 2018) reichen diese von 5 % in Berlin bis zu 23 % in Überlingen am Bodensee. Im Durchschnitt liegt er bei etwa 10 %. Basis für die Bemessung der zu entrichtenden Zweitwohnsitzsteuer ist die Nettokaltmiete der Wohnung.

Befreiung von der Zweitwohnsitzsteuer

Unter bestimmten Bedingungen kann man sich von der Abgabe der Zweitwohnsitzsteuer befreien lassen. Dies ist möglich, wenn die Wohnung:

  • von gemeinnützigen oder öffentlichen Trägern zu therapeutischen Zwecken bereitgestellt wird (z. B. für die betreute Unterbringung von Jugendlichen)
  • in einem Pflege-, Alten- oder Altenwohnheim liegt
  • von Institutionen im Rahmen der Kurzzeitpflege genutzt wird
  • an einen einsitzenden Straftäter vermietet ist
  • von einer Personen bewohnt wird, die noch nicht 16 Jahre alt ist
  • von einer finanziell noch von den Eltern abhängigen, minderjährigen oder in Ausbildung befindlichen Person bewohnt wird
  • als Gemeinschaftsunterkunft für Polizeibeamte oder Soldaten genutzt wird
  • von Studenten ohne Einkommen oder von Personen genutzt wird, deren jährliches Einkommen eine vorgegebene Grenze (Singles: 29.000 Euro; Ehegatten oder Lebenspartner: 37.000 Euro) unterschreitet

Wer zu einer dieser Personen oder Personengruppen gehört, kann bei der zuständigen Gemeinde oder Kommune eine Befreiung von dieser kommunalen Abgabe beantragen.

Zweitwohnsitzsteuer für Studenten?

Im Jahre 2008 wurde durch höchstrichterlichen Beschluss festgelegt, dass auch von Studenten die Zweitwohnsitzsteuer verlangt werden kann.

Es gibt allerdings auch hier Ausnahmen. Die Stadt Pirna beispielsweise verzichtet auf die Abgabe, wenn ein Student kein Einkommen erzielt. Hauptsächlich große Universitätsstädte verlangen von Studenten die Zweitwohnsitzsteuer.

  • Wenn man sich die Zweitwohnsitzsteuer sparen möchte, sollte man sich noch vor Studienbeginn bei den Eltern abmelden. Bleibt man nämlich bei diesen angemeldet, dann zählt die Studentenwohnung als zu besteuernder Zweitwohnsitz. Ein Sonderfall tritt dann ein, wenn ein Student für die Zweitwohnung gar keine Miete zahlt oder einen Betrag, der unter der ortsüblichen Miete liegt. Dennoch muss er mit einem Bescheid über die zu leistende Zweitwohnsitzsteuer rechnen. In solchen Fällen wird die ortsübliche Nettokaltmiete als Berechnungsgrundlage verwendet.

Wie hoch die zu leistende Zweitwohnsitzsteuer ist, hängt wiederum von der Stadt ab, in der man studiert.

Meist werden zwischen 5 und 20 % der Nettokaltmiete gefordert. Nimmt man an, die Nettokaltmiete beträgt monatlich 300 Euro, dann summiert sie sich auf 3600 Euro jährlich. Damit kann die zu zahlende Zweitwohnsitzsteuer zwischen 180 und 720 Euro jährlich liegen.

Zweitwohnsitzsteuer steuerlich absetzen

Hier ist zwischen Angestellten und Selbstständigen zu unterscheiden. Wer fest angestellt ist, kann die Kosten für eine Zweitwohnung als Werbungskosten absetzen.

Befindet sich der Arbeitsort eines Arbeitnehmers sehr weit vom Wohnort entfernt, kann es notwendig sein, eine Zweitwohnung anzumieten. Dadurch entsteht eine doppelte Haushaltsführung, die man steuerlich geltend machen kann.

Bei Selbstständigen werden solche Kosten als Betriebsausgaben gewertet.

Nimmt man an, ein selbstständig tätiger IT-Berater erhält von einem 600 km entfernten Unternehmen den Auftrag, im Rahmen eines Projektes für 6 Monate in diesem zu arbeiten. Dann wird er für diese Zeit eine nahegelegene Zweitwohnung benötigen, da er nicht täglich 1.200 km zurücklegen kann. Da es also um einen betriebliche bedingten Vorgang handelt, gehören die Kosten in die Betriebsausgaben.

  • Ein wichtiges Kriterium für die Anerkennung einer Zweitwohnung als solche ist der sogenannte Lebensmittelpunkt. Dies wird in der Regel anhand der Aufenthaltsdauer (z. B. mithilfe der Anzahl der Tage) ermittelt.

Quellen

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (GG) Art 105 »
Birk, Dieter / Desens, Marc / Tappe, Henning: Steuerrecht »


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