Steuerklasse nachträglich ändern, ist das möglich? Welche steuerrechtlichen Auswirkungen hat ein nachträglicher und rückwirkender Steuerklassenwechsel und geht das überhaupt?

Wenn sich etwas an der Lebenssituation grundsätzlich ändert, taucht auch die Frage nach einer nachträglichen Steuerklassenänderung auf.

Wie kann man nachträglich die Steuerklasse ändern?

Grund für SteuerklassenänderungZeitpunkt der SteuerklassenänderungSteuerklassenänderung nachträglich möglich
Heirat/Eheschließung/eingetragene LebensgemeinschaftBis 30. November für das laufende KalenderjahrNicht möglich
Tod des Eherpartners/Partners/ScheidungSofortiger WechselNicht möglich
Zweit- oder Drittjob AnmeldungSofortige ÄnderungNicht möglich

Die Frage, ob die Steuerklasse nachträglich geändert werden kann, ist so wichtig wie Frage, ob man die richtige Steuerklasse gewählt hat. Jeder Arbeitnehmer, der Geld verdient und angemeldet ist, wird in eine Steuerklasse eingeteilt. Ändert sich die Lebenssituation und verpasst man die rechtzeitige Änderung der Steuerklasse, ist keine Änderung nachträglich oder rückwirkend möglich.

  • Ändern sich die Voraussetzungen für eine Steuerklasse, auch bei einer ungünstigen Änderung, muss der Arbeitnehmer dem Finanzamt die Änderungen mitteilen. Bei Verzug droht eine Nachforderung durch das Finanzamt.

Steuerklasse ändern - wann ist das überhaupt möglich?

Grundsätzlich muss eine Steuerklassenänderung möglich sein. Natürlich wird man bei Arbeitsantritt in einem neuen Beruf eventuell in eine neue Steuerklasse eingestuft. Auch nach einer Heirat ist ein Steuerklassenwechsel möglich. Allerdings unterscheidet sich dieser Steuerklassenwechsel von einer nachträglichen und rückwirkenden Änderung der Steuerklasse. Dieser nachträgliche und rückwirkende Steuerklassenwechsel ist nicht möglich.

Singles werden entweder in die Steuerklasse 1 oder in die Steuerklasse 2 eingeordnet. Dies gilt unabhängig davon, ob sie:

Gehen sie erstmalig oder nach einer Trennung erneut die Ehe ein, können sie die Steuerklassenkombination 4 / 4 oder die Steuerklassenkombination 3 / 5 wählen. Letzteres wird auch als Ehegattensplitting bezeichnet.

Das Ehegattensplitting eignet sich in erster Linie für diejenigen Personen, die sehr unterschiedliche Verdienste haben, wobei der gut verdienende Ehepartner die Steuerklasse 3 und der gering verdienende Ehepartner die Steuerklasse 5 wählen sollte.

Gelten die Voraussetzungen für eine gemeinsame Steuerklasse auch nach einer tiefgreifenden Änderung? Nach einer Trennung oder dem Tod des Ehepartners sind die Voraussetzungen für eine gemeinsame steuerliche Veranlagung nicht mehr gegeben. Nach einer Trennung die Steuerklasse ändern, sollte also so schnell wie möglich durchgeführt werden.

Ähnlich wie bei einer Heirat gilt auch nach einer Trennung, dass die Steuerklassenänderung grundsätzlich ab dem Zeitpunkt wirksam wird, an dem das Finanzamt davon Kenntnis erlangt. Diese Änderung ist dann für das gesamte Kalenderjahr bindend. Eine rückwirkende Änderung ist allerdings ausgeschlossen. Die Steuerklassenänderung nachträglich zu beantragen ist also nicht möglich.

Nach einer Trennung oder Scheidung werden beide Ehepartner wie Singles behandelt. Etwas anders verhält es sich, wenn der Ehepartner stirbt. Für den Hinterbliebenen gilt sowohl im Todesjahr als auch im darauf folgenden Kalenderjahr die Steuerklasse 3. Erst ab dem übernächsten Jahr ist ein Wechsel in die Steuerklasse 1 oder in die Steuerklasse 2 erforderlich. Letzteres träfe allerdings nur zu, wenn Kinder vorhanden sind.

Welche Steuerklasse gilt bei einer uneindeutigen Arbeitssituation? Gar nicht so selten kommt es vor, dass neben einem steuerpflichtigen Hauptjob noch ein Zweit- oder Drittjob ausgeübt wird. Hierfür gilt automatisch die Steuerklasse 6, welche mit sehr hohen Abzügen verbunden ist.

Wird ein Nebenjob aus irgendeinem Grunde zum Hauptjob, lassen sich die Steuerklassen problemlos ändern. Eine entsprechende Meldung zur Änderung der Steuerklasse bei einem Jobwechsel müsste sowohl an die zuständigen Arbeitgeber als auch an das Finanzamt erfolgen.

Nachträgliche Änderungen der Steuerklasse sind auch hier nicht möglich. Zu viel oder zu wenig gezahlte Steuern werden jedoch über den Jahressteuerausgleich korrigiert. Wenn eine Steuerklasse gewechselt werden soll, muss diese beantrag werden. Das passende PDF zum Steuerklassenwechsel ist hier zum Download erhältlich.

Was bringt eine Steuerklassenänderung tatsächlich?

Der normale Steuerbürger verspricht sich sehr viel von seiner Einteilung in Steuerklassen bzw. einer Änderung der Steuerklasse. Eine Änderung der Steuerklasse hat nicht mehr den tiefgreifenden Effekt, den beispielsweise eine Ehe noch vor ca. 25 Jahren hatte. Denn die Einstufung in eine Steuerklasse bedeutet lediglich, dass der Bürger im Laufe des Jahres mehr oder weniger steuerliche Abzüge von seinem Einkommen hat.

Am Ende eines Jahres jedoch werden alle Einkommen des Steuerbürgers bzw. bei Paaren beider Partner addiert und davon die Steuer berechnet. Dabei spielt die Steuerklasse keinerlei Rolle.

Wann bringt eine Steuerklassenänderung sofort mehr Geld ein?

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der die richtige Wahl der Steuerklasse relevant macht.

Steuerklassenaenderung

Wenn es gesetzlich möglich ist und ein Ehepaar die Steuerklassenkombination 3/5 hat, so hat derjenige Partner mit der Steuerklasse 3 deutlich weniger Abzüge von seinem Einkommen, als wenn er in allen anderen Klassen steuerlich berücksichtigt würde. Das bedeutet, dass im Laufe des Jahres das Nettoeinkommen besonders hoch ist.

Zwar wird das am Ende des Jahres bei der Einkommensteuererklärung wieder relativiert, ein hohes Nettoeinkommen übers Jahr kann aber wichtig sein. Und zwar dann, wenn es um die Berechnung von Krankengeld, Arbeitslosengeld, Erziehungsgeld und anderen, vom Nettoeinkommen abhängigen Geldleistungen geht.

Wie lässt sich schnell und unkompliziert die Steuer berechnen für verschiedene Steuerklassen? Mit dem Gehaltsrechner kann für jede Steuerklasse das Nettogehalt berechnet werden.

Wann eine Steuerklassenänderung in Steuerklasse 3 sinnvoll ist

Wenn also abzusehen ist, dass eine längere Krankheit oder Arbeitslosigkeit droht oder Elterngeld erwartet wird, dann sollte der Ehepartner, den dies betrifft, sich möglichst im Jahr vor dem erwarteten Ereignis in Steuerklasse 3 einstufen lassen.

Denn beispielsweise beim Arbeitslosengeld zählt eine Steuerklassenänderung im laufenden Jahr nicht. Hierbei wird berücksichtigt, welche Steuerklasse der Steuerbürger zwölf Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit hatte.

Eingetragene Lebensgemeinschaften profitieren von Ehegattensplitting

Eine Wahl der Steuerklasse war bisher überhaupt nur Ehepaaren möglich. Alleinstehende erhielten grundsätzlich die Steuerklassen 1,2 oder 6. Entsprechend einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus 2013 werden künftig eingetragene Lebensgemeinschaften in den Genuss des Ehegattensplittings kommen.

Sie werden dann also auch die Steuerklassen Kombination 3/5 wählen können. Damit wird dann die steuerliche Ungleichbehandlung zwischen Ehepaaren und eingetragenen Lebensgemeinschaften vorbei sein.

Wichtige Fakten zum nachträglichen Steuerklassenwechsel

  • Eine nachträgliche und rückwirkende Änderung der Steuerklasse ist nicht möglich.
  • Ein Steuerklassenwechsel ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich oder gar verpflichtend.
  • Bei Heirat, Scheidung, Trennung, Tod und Jobwechsel bzw. -veränderungen wird eine Änderung der Steuerklasse durchgeführt.


Einzelnachweise

  1. Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen: Änderung der Steuerklasse
  2. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 39 Lohnsteuerabzugsmerkmale
  3. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 39f Faktorverfahren anstelle Steuerklassenkombination III/V
  4. Gesetze im Internet: Einkommensteuergesetz (EStG) § 38b Lohnsteuerklassen, Zahl der Kinderfreibeträge

Das könnte Sie auch interessieren