Wie viel bleibt einer Erzieherin netto vom Brutto übrig? Wir haben über 3.500 Erzieherinnen befragt (1) und können die Frage beantworten, ob das Nettogehalt einer Erzieherin wirklich fair ist.

Die Erzieherin kann hier stellvertretend für eine ganze Reihe an unterbezahlten Berufen stehen. Tarifverträge für Erzieher Gehälter werden zwischendurch angepasst, allerdings verdienen längst nicht alle Erzieher nach TVöD. Wir stellen die Ergebnisse unserer großen Auswertung der Erzieher-Gehälter vor: Wie wenig bleibt einer Erzieherin monatlich wirklich übrig?

Erzieher Gehalt: Tarifvertrag gilt für nur für 75% aller Angestellten

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Die Erzieher in Deutschland werden nach TVöD SuE Entgelttabelle für ihren Sozial - und Erziehungsdienst bezahlt. Erzieher stehen im öffentlichen Dienst und erhalten demnach ihr Gehalt nach Tarifvertrag. Inwiefern diese Tarifverträge eine Erhöhung erhalten, daran können Erzieher selbst sehr wenig ändern.

Außerdem werden nicht alle Erzieher nach Tarifvertrag bezahlt. Es kann also durchaus sein, dass Erzieher weniger als die tariflich vereinbarten Löhne erhalten. Wir haben einen Datensatz von rund 3.600 Erziehern ausgewertet und sind auf starke Unterschiede innerhalb der Gehälter gestoßen.

Durchschnittsgehalt einer Erzieherin

Das Durchschnittsgehalt einer Erzieherin beträgt in unserer Auswertung monatlich 2.413,35 Euro. Laut Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst im Sozial- und Erziehungsdienst für 2018 liegt oben genanntes Gehalt sogar noch unterhalb der Höhe des Einstiegsgehalts für eine Erzieherin. In unserer Statistik kommen sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene Erzieher vor. Ungefähr zwei Drittel der Erzieher sind 25 Jahre alt oder älter und dürften somit schon über Berufserfahrung verfügen und müssten daher schon weit mehr als das Einstiegsgehalt bekommen. Die Auswertung unserer Gehaltsdatenbank der Erzieher zeigt also ganz deutlich: Erzieher sind unterbezahlt!

Entgelttabelle für Erzieher nach Tarifvertrag für 2018
Entgeltgruppe SEG Stufe 1EG Stufe 2EG Stufe 3EG Stufe 4EG Stufe 5EG Stufe 6
S8a Erzieher2.578,242.829,773.028,903.217,563.400,973.592,24
S8b Erzieher mit schwieriger Tätigkeit2.599,202.892,663.123,233.458,613.773,034.014,09
S9 Leiter in Kita, Koordinierter Erzieher, Heilpädagoge2.599,202.892,663.123,233.458,613.773,034.014,09
S13 Leiter Kita (ab 40 Plätze)3.017,973.251,683.550,653.791,354.092,274.242,71
Leiter Kita (ab 70 Plätze)3.053,023.370,093.610,853.887,674.333,004.525,56
S16 Leiter Kita (ab 100 Plätze)3.169,893.502,523.767,304.092,274.453,354.670,01
S17 Leiter Kita (ab 130 Plätze)3.251,683.580,743.971,914.212,654.694,074.976,93
S18 Leiter Kita (ab 180 Plätze), Leiter Erziehungsheim3.610,853.731,184.212,654.573,725.115,355.446,34

Erzieher Gehalt Statistik deckt auf: Erzieher verdienen weniger als tariflich geregelt

Unsere Statistik deckt auf: Weit mehr als die Hälfte der bei uns eingetragenen Gehälter liegen unterhalb der 2.600 Euro Einstiegsgehalt. Rein theoretisch wäre es für eine Erzieherin in Stufe 6 möglich, etwas mehr als 3.500 Euro brutto zu verdienen. Unsere Auswertung der Erzieher Gehälter zeigt aber, dass das nur bei 1% der Erzieher auch wirklich verdient wird.

Welche Abzüge vom Bruttogehalt erwartet eine Erzieherin?

Wie bei anderen Jobs auch, werden auch beim Erzieher Sozialabgaben und Steuern fällig. Nimmt man das von uns errechnete Durchschnittsgehalt von 2.413,35 Euro im Falle einer Erzieherin unverheiratet ohne Kinder mit ca. 10 Jahren Berufserfahrung, erhält man folgende Abzüge vom Bruttolohn der Erzieherin monatlich:

Erziehergehalt SteuernErziehergehalt Sozialabgaben
Lohnsteuer 279 EuroKrankenversicherung 198 Euro
Solidaritätszuschlag 15 EuroPflegeversicherung 37 Euro
Kirchensteuer 25 EuroRentenversicherung 224 Euro
Arbeitslosenversicherung 36 Euro

Der Erzieher oder die Erzieherin hat dann schon 35% des Bruttogehalts an Steuern und Sozialabgaben als Abzüge gezahlt und für viele bleibt dann nicht mehr als knapp 1.600 Euro im Monat übrig. Knapp 20% der Erzieher haben darüber hinaus angegeben, dass sie mehr als die vertraglich vereinbarte Stundenzahl arbeiten. Dass bedeutet, dass der Erzieher oder die Erzieherin weiterhin noch über die tarifliche Vergütung für des Ausgleich der Mehrarbeit kämpfen muss. Ein Zustand, der sich vor allen in sozialen Berufen immer breiter macht und der zusätzlich zum geringen Gehalt auch noch Mehrarbeit und Überstunden mit sich bringt.

Wo kann man als Erzieher arbeiten?

Was eine Erzieherin oder ein Erzieher verdient, hängt im Wesentlichen davon ab, bei welchem Arbeitgeber beziehungsweise Träger er oder sie angestellt ist.

Der Träger ist für die finanzielle Unterhaltung der Kindertagesstätten zuständig, er ist aber auch für alle organisatorischen Belange verantwortlich und verfügt über die fachliche Aufsicht, indem er selbst die pädagogische Ausrichtung seiner Kindertageseinrichtung bestimmt.

Man unterscheidet zwischen öffentlichen (kommunalen) und freien Trägern. Zu den öffentlichen Trägern zählt man Einrichtungen der Stadt oder des Landkreises. Sie heißen so, weil sie öffentlich also von offizieller Seite verwaltet und betreut werden.

Rund ein Drittel arbeitet derzeit für einen öffentlichen Träger. Der Großteil der KiTa-Mitarbeiter ist allerdings bei freien Trägern beschäftigt.

Bei den freien Trägern gibt es folgende Kategorien:

  • kirchliche Träger
  • Wohlfahrtsverbände/ Stiftungen
  • Vereine
  • Elterninitiativen
  • Privatwirtschaftliche Institutionen

Sie werden durch Spenden, Fördervereine, Kindergartenbeiträge, Sponsoren und öffentliche Gelder finanziert.

Was bedeutet das also für die Mitarbeiter der Kindertagesstätten? Es verwundert nicht, dass der Arbeitsplatz, der von KiTa-Angestellten in den meisten Fällen bevorzugt wird, der öffentliche Dienst ist, da dort das Gehalt nach der gesetzlich festgelegten Tariftabelle ausgezahlt werden muss.

Am beliebtesten sind Jobs bei öffentlichen Trägern, da diese nach TVöD vergütet werden.

Freie Träger können eigene Verträge aufsetzen und Gehälter nach eigenen Vorstellungen gestalten, was dazu führt, dass dort die Vergütung nicht selten unter den tariflichen Bestimmungen festgelegt wird.

Die meisten freien Träger der Kindertagesstätten bemühen sich zwar, einen Lohn ähnlich der Tariftabelle des öffentlichen Diensts zu zahlen, jedoch ist ein Viertel des Gehalts der ErzieherInnen nicht nach einem Tarifvertrag geregelt.

Erzieher werden: Ist ein Studium oder eine Ausbildung besser?

Grundsätzlich wird die Ausbildung zum Erzieher in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gestaltet.

Es gibt neben verschiedenen Ausbildungsformen auch eine Auswahl an Studiengängen, die dazu befähigen sollen, den Beruf des Erziehers ergreifen zu können. Dabei handelt es sich unter anderem um Studienfächer der Kindheitspädagogik, der frühkindlichen Bildung oder Elementarpädagogik.
Hier liegt aber die Krux: Denn nicht alle Hochschulabschlüsse werden staatlich anerkannt, obwohl es sich um die höchste Bildungsform in der Bundesrepublik handelt. Das bedeutet, die Absolventen müssen (je nach Region) im Anschluss ihres akademischen Werdegangs trotzdem noch eine berufsbegleitende Fachschulausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher anhängen, falls sie den klassischen Beruf des Erziehers anstreben.

  • Studienabgänger des Faches Erziehungswissenschaft und Elementarpädagogik dürfen nicht per se als Erzieher in der KiTa arbeiten. Die Entscheidung darüber obliegt letztendlich den einzelnen Ländern.

Neben den genannten Studiengängen existieren verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten, bei denen die Ausbildungszeit, -gestaltung sowie -schwerpunkte stark variieren.

Fakt ist: Die meisten angehenden Erzieher bzw. Erzieherinnen entscheiden sich für die klassische Ausbildung an den Fachschulen für Sozialpädagogik. Die Schule stellt demnach das häufigste Qualifikationsprofil der ErzieherInnen im Arbeitsbereich "Kindertageseinrichtung" dar. (2)

  • In den ersten beiden Ausbildungsjahren zum Erzieher erfolgt keine Vergütung.

Für die klassische Ausbildung wird meist ein Realschulabschluss vorausgesetzt. Aber auch hier können Berufs- und Fachschulen ihre eigenen Kriterien für die Aufnahme bestimmen.

Innerhalb der schulischen Ausbildung besteht häufig die Möglichkeit durch Ergänzungen von Kursen das Fachabitur zu erlangen. Dieses wiederum kann für eine akademische Ausbildung bzw. Weiterbildung qualifizieren. In dem Fall kann es nicht schaden, sich alle Türen offen zu halten. (3)

Erzieher mit einem Hochschulabschluss streben oft eine höhere Stellung in pädagogischen Einrichtungen an. Es bedeutet allerdings nicht, dass jener Ausbildungshintergrund eine Garantie für eine Leitungstätigkeit und eine bessere Bezahlung darstellt.

Die Dauer der Ausbildung hängt vom Umfang und der Ausrichtung ab, sie kann zwischen 2 und 4 Jahren betragen.
Ein Studium dauert in der Regel minimum 6 Semester, also 3 Jahre.

Und was heißt das jetzt? Studium oder Ausbildung? Was ist besser?

Darauf lässt sich keine allgmeingültige Antwort geben. Das hängt ganz von den individuellen Zielen und Absichten ab und natürlich auch davon, welcher schulische Werdegang absolviert wurde. Denn nicht jeder Abschluss qualifiziert für ein Studium.

Generelle Gehaltskluft zwischen Ost und West

Anhand unserer Datenerhebung lässt sich deutlich erkennen, dass Erzieher im Osten weniger verdienen als die Kollegen im Westen. Während in Westdeutschland eine Erzieherin oder ein Erzieher durchschnittlich 2425,86 Euro erhält, bekommt sie/er in Ostdeutschland im Schnitt nur 2286,83 Euro.

Alte BundesländerDurchschnittsgehalt in Euro
Berlin2286,33
Hamburg2352,35
Bremen2409,22
Schleswig-Holstein2471,78
Niedersachsen2377,43
Nordrhein-Westfalen2443,07
Rheinland-Pfalz2481,90
Saarland2384,93
Hessen2455,52
Baden-Württemberg2504,66
Bayern2517,34
Alte Bundesländer (gesamt)2425,86
Neue BundesländerDurchschnittsgehalt in Euro
Brandenburg2316,86
Mecklenburg-Vorpommern2165,88
Sachsen-Anhalt2298,63
Sachsen2316,25
Thüringen2336,52
Neue Bundesländer (gesamt)2286,83

Die Gehaltsschere zwischen den neuen und alten Bundesländern liegt, wie sich an unserer Datenauswertung erkennen lässt, deutlich auseinander.

  • Erzieherinnen in Ostdeutschland verdienen im Schnitt 140 Euro weniger.
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Vergleicht man das höchste Durchschnittsgehalt der alten Bundesländer (Bayern) mit dem höchsten Durchschnittsgehalt der neuen Bundesländer (Thüringen) erhält man immer noch eine Differenz von 180,82 Euro. Für den selben Job bekommt man also in Westdeutschland mehr Gehalt - ist das noch gerecht?

Im Zusammenhang mit der Ost-West-Debatte sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Lebensunterhaltungskosten in den neuen Bundesländern durchschnittlich unter dem Niveau der alten Bundesländer liegen.

Erzieher Nettogehalt schwankt je nach Steuerklasse

Je nach Familienstand schwankt das Nettogehalt einer Erzieherin oder eines Erziehers auch stark. Wie für jeden Arbeitnehmer gelten auch für einen Erzieher oder eine Erzieherin Steuerklassen, nach denen das Gehalt berechnet wird. Einige Beispiele für Erzieher mit verschiedener Steuerklasse berechnet mit unserem Datensatz und dem daraus resultierenden Durchschnittsgehalt:

Erziehergehalt Steuern NRW Steuerklasse 1 unverheiratet, keine KinderErziehergehalt Sozialabgaben NRW Steuerklasse 1 unverheiratet, keine Kinder
Lohnsteuer 279 EuroKrankenversicherung 198 Euro
Solidaritätszuschlag 15 EuroPflegeversicherung 37 Euro
Kirchensteuer 25 EuroRentenversicherung 224 Euro
Arbeitslosenversicherung 36 Euro

Wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher verheiratet ist und die Steuerklasse 5 wählt, sind die Abzüge noch weitaus größer.

Erziehergehalt Steuern NRW Steuerklasse 5 verheiratet, zwei KinderErziehergehalt Sozialabgaben NRW Steuerklasse 5 verheiratet, zwei Kinder
Lohnsteuer 546 EuroKrankenversicherung 198 Euro
Solidaritätszuschlag 30 EuroPflegeversicherung 30 Euro
Kirchensteuer 50 EuroRentenversicherung 224 Euro
Arbeitslosenversicherung 36 Euro
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Hier werden gleich fast 45% vom Bruttogehalt abgezogen und einem Erzieher oder einer Erzieherin bleiben demnach lediglich knapp 1.300 Euro zur Verfügung. Ausgleichen könnte sich das in diesem Fall darüber, dass der Ehepartner die Steuerklasse 3 wählt, ca. 20% brutto mindestens mehr verdient als der Erzieher oder die Erzieherin und damit weniger Abgaben hat. Das Gehalt im Haushalt wäre dann angepasst.

Fazit: Wird eine Erzieherin fair bezahlt?

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Erzieher sind unterbezahlt: Das lässt sich anhand der Daten in unserer Befragung ganz sicher sagen. Das Durchschnittsgehalt von 2.413,35 Euro deutschlandweit über alle Altersgrenzene entspricht nicht einmal dem tariflich vereinbarten Einstiegsgehalt.

Landet man als Erzieher oder Erzieherin in einem Tarifvertrag, kann man darauf hoffen und damit rechnen, dass man besser bezahlt wird als die Kollegen, die ohne TVöD arbeiten. Bleibt man für eine Weile in diesem Beruf und arbeitet an einem Aufstieg innerhalb einer Kindertagesstätte oder eines Kidnergartens, steigt man automatisch auch in der Entgelttabelle für Erzieher nach oben. Das bedeutet, dass man in einer leitenden Position einer großen Einrichtung weit über 4.500 Euro brutto verdienen kann.

Die Auswertung unserer Daten zeigt aber auch: Erzieher mit viel Berufserfahrung jenseits der 45 Jahre verdienen teilweise nicht mehr und sogar weniger als 2.500 Euro brutto. Das liegt unterhalb des Tarifvertrags und unterhalb des Einstiegsgehalts, der nach Tarifvertrag gezahlt werden sollte. Die Freiheit der Arbeitgeber bei der Einschätzung der Berufserfahrung trägt ein weiteres dazu bei, dass das Erzieher Gehalt durchaus unfair wirken kann.

Einzelnachweise und Quellen

(1) Quelle: Über 3.500 Eingaben/Eintragungen durch Erzieher in unsere umfassende Gehaltsdatenbank nach Befragung des monatlichen oder jährlichen Bruttogehalts, des Berufs, Kinder, Wohnort, Alter und gesetzlichen Versicherungen Brutto Netto Rechner
(2) Deutsches Jugendinstitut e.V. : Fachkräftebarometer Frühe Bildung »
(3) Bundesagentur für Arbeit: Erzieher/in »

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